LZ-Weihnachtsaktion

Elternpaar nach schrecklicher Diagnose: «Der erste Gedanke galt den Kindern»

Der dreifache Familienvater Michael Emmenegger kämpft gegen Lungenkrebs. Seine Familie leidet mit und ist seine grosse Stütze.

Arno Renggli
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Nach einer Stunde ist er total erschöpft. Wir dürfen ihn und seine Familie besuchen, für die Fotos geht es kurz nach draussen. Wenige Schritte nur, doch für Michael Emmenegger sind sie eine enorme Anstrengung. Trotz des Sauerstoffs, den er tagsüber fast ununterbrochen zu sich nehmen muss. Aber Bewegung ist wichtig.

Vor wenigen Monaten ist der 43-jährige Familienvater aus Wolhusen mit der Diagnose Lungenkrebs konfrontiert worden. Oft kommt diese einem Todesurteil gleich. Michael Emmenegger hat Glück im Unglück: Wegen einer im Jahr davor festgestellten chronischen Überblähung der Lunge wird diese regelmässig kontrolliert. So wird der Krebs frühzeitig erkannt.

Michael und Claudia Emmenegger mit ihren drei Buben Robin (13), Nelio (10) und Corel (6).

Michael und Claudia Emmenegger mit ihren drei Buben Robin (13), Nelio (10) und Corel (6).

Bild: Nadia Schärli
(14. Dezember 2020)

Doch sogar frühzeitig bedeutet höchste Lebensgefahr und eine sofortige Operation. Ein Lungenoberlappen muss komplett entfernt werden. Was ein lebenslanges Handicap bedeutet. Anschliessend folgt die Chemotherapie, welche die Krebszellen treffen soll, die sich bereits im Körper verbreitet haben könnten. Vier Therapiesequenzen muss Michael Emmenegger durchmachen, die Nebenwirkungen werden immer heftiger. «Beim vierten Mal lag er mehr tot als lebendig im Bett», berichtet seine Frau Claudia.

Die Buben reagierten unterschiedlich

Sie hat damals nach der schlimmen Diagnose sofort realisiert, was diese bedeuten kann. «In diesem Moment brach unsere Welt zusammen. Und natürlich dachte ich sofort an die Kinder. Doch das half mir in der Folge auch, stark zu sein, ich musste einfach weiter funktionieren.» Wichtig sei ihr auch gewesen, dass sie ihrem Mann helfen konnte, ihn im Spital besuchen, ihn zu Hause pflegen,ihm immer wieder Trost spenden. «Das Schlimmste ist, wenn man meint, nichts tun zu können.»

Und die Kinder? Was sagt man ihnen? Eine schwierige Frage, zumal die drei Buben mit 13, 10 und 6 Jahren auch unterschiedlich weit entwickelt sind. Claudia und Michael Emmenegger informieren sich über Empfehlungen zu solchen Situationen. «Altersgerecht informieren und Fragen möglichst offen beantworten», so könnte man diese Empfehlungen zusammenfassen. Und sehr unterschiedlich haben die drei auch reagiert.

«Ich denke, dass dies stark auch mit ihren unterschiedlichen Charakteren zusammenhängt», sagt Claudia Emmenegger. Corel etwa, der Jüngste, hat sehr gelitten, vor allem auch unter der Angst, seinen Papi zu verlieren. Der Älteste liess sich viel weniger anmerken, wollte auch weniger über das Ganze reden.»

Zwar ist inzwischen wieder so etwas wie Alltag bei der Familie eingekehrt. Doch Michael Emmenegger ist noch weit davon entfernt, wieder gesund zu sein. Immer noch kann er nur kurze Zeit auf sein, entsprechend auch nur sehr reduziert die Kinder betreuen. Zudem drücken ihn und seine Frau finanzielle Sorgen: Aus gesundheitlichen Gründen hatte er kurz vor der Diagnose seine Stelle als Leiter einer betreuten Wohngruppe gekündigt und wollte etwas Neues suchen. So fehlen ihm nun Versicherungseinnahmen, wodurch die Familie trotz Teilzeitjob von Claudia Emmenegger, die im Verkauf arbeitet, in eine finanzielle Notlage geraten ist.

Jede ärztliche Kontrolle wird wieder Ängste auslösen

Die LZ-Weihnachtsaktion hilft mit einem Überbrückungsbeitrag vor allem auch zu Gunsten der drei Buben. Dies soll der Familie auch etwas von den quälenden Existenzängsten nehmen.

Bleiben wird die Angst, den Mann und den Vater zu verlieren. Oder aus Sicht des Vaters, die Familie zurücklassen zu müssen. «Vor jeder Kontrolle beim Arzt, ob der Krebs zurückgekommen ist, werden wir zittern», sagt Claudia Emmenegger. «Aber wir hoffen, dass wir irgendwann wieder möglichst normal leben können.»

Für Michael Emmenegger bedeutet das auch, wieder arbeiten zu können. «Es ist schwer, kaum aus dem Haus zu können, gerade auch wegen Corona. Natürlich weiss ich auch nicht, ob ich mit meiner Krankheitsgeschichte wieder eine Anstellung finden werde. Ich hoffe es. Aber zuerst muss ich wieder gesund werden.»