LZ-WEIHNACHTSAKTION: «Ich bin für meine Frau verantwortlich»

Nicht alle betagten Menschen haben, was sie nach einem arbeitsreichen Leben verdienen würden: einen möglichst sorgenfreien Lebensabend. Ein Beispiel ist das Ehepaar Weber. Seit fünf Jahren sieht Hilde Weber (87) praktisch nichts mehr und musste ins Betagtenzentrum ziehen. Um sie besser betreuen zu können, ging ihr Mann, obwohl selber noch sehr agil, mit ihr. Für beide ist ihre Lage eine grosse Herausforderung.

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Füreinander da: Hilde und Tony Weber in ihrem Daheim im Betagtenzentrum Wesemlin. (Bild Pius Amrein)

Füreinander da: Hilde und Tony Weber in ihrem Daheim im Betagtenzentrum Wesemlin. (Bild Pius Amrein)

Arno Renggli

Man merkt ihm seine bald 91 Jahre wirklich nicht an, als er uns beim Empfang des Betagtenzentrums Wesemlin Luzern abholt. Tony Weber ist gut zu Fuss, und auch wenn er berichtet, zeigt er viel Vitalität. Der gebürtige Krienser ist kein typischer Bewohner einer Alterseinrichtung, könnte auch gut noch in der Wohnung leben, die er zuletzt in Luzern hatte. Aber er will seine Frau betreuen können, welche vor fünf Jahren hier einzog. Akuter Grund war, dass sie praktisch nichts mehr sehen konnte. «Sie ist meine Partnerin, ich bin für sie verantwortlich und will ihr beistehen, so gut wie möglich», ist für Tony Weber die Sache ganz einfach klar.

Lovestory begann in der Beiz

Seit fast 52 Jahren sind die beiden miteinander verheiratet. Kennen gelernt haben sie sich in der Beiz, wo Hilde als Bedienung tätig und Tony als Gast zu Besuch war. Eine fast klassische Situation. «Ich bin dann etwas regelmässiger hingegangen», schmunzelt Tony Weber rückblickend. Sie fanden zueinander, wohl nicht zuletzt, weil sie einiges gemeinsam hatten. Etwa dass sie schon in früher Jugend gelernt hatten, hart zu arbeiten. Beide wuchsen in grossen Familien auf, beide mussten schon als Teenager Geld verdienen, er in einer Holzwarenfabrik, sie in einer Gärtnerei.

Tony Weber leistete dann im 2. Weltkrieg über 500 Aktivdiensttage. Und weil er in der Zwischenzeit auch das Buchhalterdiplom gemacht hatte, konnte er im Anschluss in der Finanzabteilung des Militärdepartements arbeiten. Und dies tat er bis zu seiner Pensionierung.

«Manchmal bin ich zornig»

Das Ehepaar führte in der Folge ein relativ sorgenfreies, wenn auch einfaches Leben. Doch Hildes Sehschwäche war ein Einschnitt, der beiden sehr zusetzte. Sie musste eine Zeit lang gar in stationäre psychische Behandlung.

Auch heute noch fällt es ihr schwer, ihr Handicap zu akzeptieren: «Zuweilen fühle ich mich frustriert, manchmal sogar zornig.» Beim Essen beispielsweise könne sie manchmal nur erahnen, was sie gerade auf die Gabel genommen habe. Und öfters sei dann eben gar nichts mehr auf der Gabel, wenn sie diese zum Mund geführt hat. Auch ist sie schon mehrmals gestürzt und hat sich dabei Gesichtsverletzungen, einen Bruch im Rücken und Handbrüche zugezogen.

Eine grosse Stütze

Heute ist sie auf einem Auge ganz blind, auf dem anderen sieht sie noch 5 Prozent. Konkret bedeutet dies zum Beispiel, dass sie am Fernseher, wenn sie ganz nahe sitzt, bei einer Grossaufnahme gerade noch ein Tier erkennen kann. Oder ein Gesicht, das sie schon mal gesehen hat. Mehr geht nicht. Und im Alltag ist sie damit praktisch blind.

Ihr Mann ist ihr eine grosse Stütze. Auch im wörtlichen Sinne: Er führt sie beim Aufstehen und beim Gehen, welches beides nur noch ganz langsam möglich ist. Täglich machen die zwei auf diese Weise ihren Spaziergang an der frischen Luft, immer am Nachmittag.

Den Vormittag nutzt Tony Weber jeweils für Besorgungen oder soziale Kontakte, zum Beispiel mit Mitgliedern des Jodlerklubs Rotsee, wo er Ehrenmitglied ist. Und immer noch aktiv mithilft, wenn er gebraucht wird.

Seine Ausflüge etwa in die Innenstadt oder nach Ebikon bieten ihm auch etwas Ablenkung von der steten Sorge um seine Frau. Doch mittlerweile, nicht zuletzt durch den Heimaufenthalt, ist das Budget derart knapp, dass nicht einmal mehr Bustickets drinliegen. Die LZ-Weihnachtsaktion hilft mit einem Beitrag, dass er sich ab und zu solche Vormittagsausflüge leisten kann. Diese nützt er auch für das Administrative, das er für sich und seine Frau immer noch selber erledigt.

«Wir sind ganz zufrieden hier im Heim», sagt er, und seine Frau nickt bestätigend: «Ich habe hier auch ein paar nette Kolleginnen gefunden, wir besuchen hier zum Beispiel die Anlässe, wo uns jemand vorliest.» Und Tony Weber spielt mit anderen Heimbewohnern Boccia. «Ich bin jeweils derjenige, der die geworfenen Kugeln auch den anderen zurückbringt», schmunzelt er mit ein wenig Stolz über seine Fitness.

Anschliessend schaut er wieder zu seiner Frau. Hilft ihr beim Aufstehen, beim Ankleiden, denn der tägliche Spaziergang steht an. Dann küsst er sie. Und dann lachen sie beide.

Ältere Menschen trifft die Not besonders hart

Beispiele are. Zum Glück können die meisten älteren Menschen in der Schweiz materiell einen relativ sorgenfreien Ruhestand geniessen. Aber es gibt auch eine beträchtliche Minderheit, für die das nicht zutrifft: Laut Schätzungen von Pro Senectute leben heute 20 bis 25 Prozent der Menschen im AHV-Alter am und unter dem Existenzminimum.

Das heisst, es reicht ihnen nur für das Nötigste. Und vieles, was ihre Lebensqualität sehr positiv beeinflussen würde, ist ihnen nicht möglich. Kommt dann noch etwas Unvorhergesehenes hinzu, etwa eine schwere Krankheit, gerät alles aus dem Lot.

Aus Scham nichts sagen

Eine Notsituation trifft ältere Menschen besonders hart. Oft haben sie nicht mehr die Kraft, sich so zu wehren, wie es einer jüngeren Person möglich ist. Hinzu kommt vielleicht Scham, dass man nach einem Leben, in welchem man immer für sich selber sorgen konnte, nun plötzlich Hilfe nötig hat. Viele Fälle zeigen, dass auch ein arbeitsreiches Leben keine Garantie für einen abgesicherten Lebensabend ist.

Die LZ-Weihnachtsaktion kann rasch und unbürokratisch helfen: etwa wenn ein betagter Mensch nach dem Tod seines Partners umziehen muss, wenn die Pflege eines älteren Menschen die Kraft des Partners allmählich übersteigt oder auch nur indem ein kleiner Beitrag ermöglicht, dass ältere Menschen weiterhin am Sozialleben teilnehmen und Kontakte pflegen können.

Schlussspurt unserer Sammlung

Spendenare. Die LZ-Weihnachtsaktion findet zum 20. Mal statt. Sie sammelt Geld für Menschen in der Zentralschweiz, die in Not geraten sind. Noch bis heute wird Ihre Spende der Jubiläumssammlung angerechnet. Spenden können Sie aufs Postkonto 60-33377-5 und online auf www.luzernerzeitung.ch/weihnachtsaktion.

Auch SMS-Spenden sind möglich: Wählen Sie die Nummer 488, und schreiben Sie LZWA plus den Frankenbetrag (nur Zahl).

Spenden sind aber auch während des ganzen Jahres möglich. Ab Mittwoch, 6. Januar 2016 werden sie bereits der nächsten Austragung angerechnet. Diese wird im kommenden Herbst offiziell starten und erneut vielen Menschen in unserer Region neue Hoffnung verleihen.Sehen Sie aktuelle Berichte und Filme über die LZ-Weihnachtsaktion und ihr Jubiläum auf www.luzernerzeitung.ch/weihnachtsaktion.