LZ-Weihnachtsaktion

Kleines Mädchen erleidet auf dramatische Art schwerste Brandverletzungen – doch sie ist eine Kämpferin

Ein Nidwaldner Bauernpaar muss bei einem folgenschweren Unglück erleben, wie ihre kleine Tochter schwerste Verbrennungen erleidet. Die LZ-Weihnachtsaktion unterstützt die Familie bei einer Heilung, die noch viele Jahre dauern wird.

Arno Renggli
Drucken
Teilen
Reto und Franziska Würsch mit Sohn Thomas und Tochter Andrea auf der Wiese bei ihrem Bauernhof.

Reto und Franziska Würsch mit Sohn Thomas und Tochter Andrea auf der Wiese bei ihrem Bauernhof.

Bild: Nadia Schärli (25.11. 2020)

Noch ist ihr Gesicht stark entstellt, die verschiedenen Hauttransplantationen müssen noch über Jahre heilen. Doch kaum sitze ich mit der ganzen Familie am Tisch, sehe ich hinter den Wunden das Mädchen, das sie tatsächlich ist: Andrea ist ein lebendiges Kind, bewegt sich gerne, beobachtet aufmerksam, tut ihren Willen kund. Die knapp Zweijährige kann selber essen, stehen und sogar einige Schritte laufen. Es wird wieder gut, irgendwann, irgendwie. Auch dank ihrer starken Familie und anderer Verwandten, die alle für sie da sind.

Wie die Heilung verlaufen wird, welche Spuren zurückbleiben werden, kann niemand sagen. Zu individuell läuft so etwas ab. Bei Andrea ist fast die Hälfte der Hautfläche betroffen, besonders schlimm auch die linke Hand, an der sie leider mehrere Finger verloren hat. Aber gerade Kinder haben unglaubliche Fähigkeiten, sich physisch und seelisch zu regenerieren. «Sogar als sie in Lebensgefahr schwebte», sagt ihre Mutter, «war ich positiv gestimmt und voller Hoffnung. Sie war schon immer ein starkes Mädchen, eine Kämpferin.»

Der Vater rettet seine Tochter aus dem Feuer

An diesem fatalen Tag im Juli kommt Franziska Würsch vom Alpbetrieb, den es neben der Heuernte auch zu bewirtschaften gilt, mit dem Auto zurück zum Hof der Familie. Einige Stunden später schnallt sie ihre schlafende Tochter auf dem Autorücksitz an und fährt noch ein Stück Richtung Stall. Sie steigt aus, öffnet die Hintertür des Autos, geht einige Schritte zu ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn, die am Heuen sind.

Kurze Zeit später beginnt das Auto zu brennen, den Grund dafür wird die Polizei bis zum heutigen Tag nicht herausfinden. Sofort ist alles voll schwarzem Rauch. Vater Reto Würsch rennt zum Auto, streckt seinen rechten Arm ins Feuer und in die unbeschreibliche Hitze, zieht seine Tochter aus dem Auto. Dass er selber schwere Verbrennungen erleidet, spürt er in dem Moment kaum.

«Wir standen unter Schock, handelten einfach instinktiv»,

berichtet er. Und instinktiv tun sie das Richtige: Der Vater übergibt die Tochter seiner Frau, ruft die Feuerwehr an. Während sie den Rettungsdienst alarmiert. Wenig später landet ein Rega-Helikopter und bringt Andrea und ihre Mutter ins Kinderspital Zürich. Der Vater wird mit der Ambulanz wegen seiner eigenen Verbrennungen in ein anderes Spital gefahren.

Bei allem Schrecken gibt es auch gute Nachrichten

Erst nach einer gewissen Zeit realisieren die Eltern auch auf längere Sicht, was da geschehen ist. Und was nun auf die ganze Familie zukommen wird: ein jahrelanger Kampf um kleinste Fortschritte. Doch zunächst muss Andrea überleben, besonders kritisch ist ihre Situation am vierten und am fünften Tag auf der Intensivstation, nachdem eine der vielen Operationen zu einer Infektion geführt hat. Aber sie schafft es. Und sie bleibt auch die folgenden Wochen und Monate stark, die sie nun im Spital verbringen muss. Fast täglich fahren die Eltern nach Zürich, auch wenn in gewissen Phasen der Corona-Einschränkungen immer nur einer von ihnen zu Andrea darf. Aus diesem Grund darf Sohn Thomas sein Schwesterchen erst sechs Wochen nach dem Unfall ein erstes Mal wieder sehen.

Bei all dem Schrecken gibt es auch gute Nachrichten: Die Augen etwa sind unversehrt, auch im Inneren ihres Körpers, zum Beispiel in der Lunge, ist alles gut. Doch die Behandlungen der Brandverletzungen sind schwierig – eine enorme Herausforderung auch für die Ärzte. Da in aller Regel nur körpereigene Haut transplantiert werden kann, wird praktisch die ganze unversehrte Haut des Mädchens verwendet. Vom Oberschenkel gleich noch ein zweites Mal, nachdem die Haut wieder nachgewachsen ist. Auch dies zeigt, zu welchen Leistungen ihr Körper fähig ist.

Eltern sind rund um die Uhr für ihre Tochter da

In all dieser Zeit voller Sorge und Mitleiden mit der Tochter sind die beiden Eltern aufs Extremste gefordert. Da gibt es auch noch Sohn Thomas, der oft auf die Eltern verzichten muss und zu dem dann Verwandte schauen. Und einen Hof auf Bergzone 2, wo gerade im Sommer und Herbst viel zu tun ist. Familienmitglieder und Freunde springen ein. «Ihnen sind wir sehr dankbar, auch für die oft spontane Hilfe», sagt das Bauernpaar. Trotzdem belastet der Unfall die Familie auch finanziell stark. Auch weil die Mutter ihren Nebenjob als Köchin aufgeben musste. Die LZ-Weihnachtsaktion hilft mit einem Beitrag, die materielle Not zu lindern.

Nach bisher elf Operationen mit Vollnarkosen ist Töchterchen Andrea nun seit einigen Wochen wieder zu Hause. Die Eltern sind fast rund um die Uhr beschäftigt, so gilt es, mehrmals täglich Andreas Verletzungen zu behandeln oder mit ihr ergonomische Übungen zu machen. Dazu muss sie immer wieder in Therapie gefahren werden. Gerade die Mutter freut sich darauf, irgendwann in Zukunft wieder etwas Zeit zu finden, um bei den Kühen oder einfach draussen in der Natur zu sein. Ein ganz Grosser ist Sohn Thomas, der immer wieder den Kontakt zu seiner Schwester sucht. Weil er spürt, dass auch er für sie sehr wichtig ist.

Gibt es für die beiden Eltern Momente, in denen sie mit dem Schicksal hadern, welches mit einem so unwahrscheinlichen und unvorhersehbaren Ereignis ihrer Familie so viel Leid zufügt? «Es gibt ganz unterschiedliche Tage», sagt die Mutter. «Aber die ganze Zeit sind wir vor allem eines: dankbar, dass wir einander haben, dass Andrea lebt und dass sie nun wieder bei uns ist.»

Die 25. Sammlung: So können Sie spenden

Die LZ-Weihnachtsaktion feiert ein Jubiläum: Zum 25. Mal helfen wir mit Spenden unserer Leserinnen und Leser Menschen in der Zentralschweiz, die in Not geraten sind. In gedruckten Zeitung vom Freitag 27. November liegt nochmals der der Flyer mit dem Einzahlungsschein bei.

Spenden können Sie auch direkt via Postkonto 60-33377-5 (IBAN-­Nr: CH 89 0900 0000 6003 3377 5) und online via www.luzernerzeitung.ch/spenden. Wir vermelden seit dieser Woche die Namen der Spenderinnen und Spender in unserer Zeitung, sofern von ihnen nicht anders erwünscht.

Die LZ-Weihnachtsaktion ist in unserer Region fest verankert. Letztes Jahr erzielten wir ein Spendenergebnis von über 4,5 Millionen Franken, total 16159 Spenderinnen und Spender haben dabei mitgeholfen. Seit der Gründung im Jahr 1996 wurden total über 58 Millionen Franken gesammelt. Jedes Gesuch wird sorgfältig geprüft Wie willkommen diese Hilfe ist, zeigt die Zahl der Gesuche, die sich letztes Jahr auf 3884 belief – ein neuer Höchstwert. Dieses Jahr haben wir schon vor dem Start bereits wieder rund 1700 Anfragen erhalten.

Gesuche können ausschliesslich von Gemeinden oder sozialen Institutionen zu Gunsten von Einzelpersonen und Familien eingereicht werden, nicht aber von Betroffenen selber. Jedes Gesuch wird vom Beirat sorgfältig geprüft. Er besteht aus 13 ehrenamtlich tätigen Sozialfachleuten aus der ganzen Zentralschweiz. Beiratspräsident ist Urs W. Studer, alt Stadtpräsident von Luzern.

Corona verschärft viele Notsituationen

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die aktuelle Coronasituation auch die LZ-Weihnachtsaktion betrifft. Viele Hilfsgesuche beziehen sich auch darauf und zeigen, dass die Pandemie eine Notsituation verschärfen kann, Schicksalsschläge noch härter macht. Sei es, weil sich gesundheitliche Probleme akzentuieren, weil jemand seinen Job verloren hat oder weil soziale Isolation alles erschwert. Die LZ-Weihnachtsaktion wird wie immer dort schnell und gezielt helfen, wo Menschen durch die Maschen unseres Sozialsystems fallen. Dies ist in der Coronazeit, die viele Menschen zusätzlich belastet, besonders wichtig. Denn unsere Hilfe lindert nicht nur materielle Not, sondern zeigt den Betroffenen auch, dass sie nicht allein sind, dass unsere ganze Region solidarisch ist. Dies verleiht ihnen neue Hoffnung und damit die Kraft, schwierige Situationen nachhaltig zu überwinden. Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Sammlung, die erneut wieder vielen Menschen helfen wird. (are)

Geschäftsstelle LZ-Weihnachtsaktion: Elisabeth Portmann, Geschäftsleiterin. Infos: lzweihnachtsaktion@chmedia.ch, Tel. 041 429 54 04.