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LZ-WEIHNACHTSAKTION: «Meine Mutter ist nicht mehr dieselbe Person»

Erst 16 Jahre ist Manuela alt und muss einen fatalen Rollentausch mit ihrer Mutter erleben. Denn diese ist an Demenz erkrankt, braucht Pflege und hat sich mental zu einem Kleinkind zurückentwickelt. Eine traumatische Erfahrung für das Mädchen. Bei deren Bewältigung braucht sie Hilfe.
Manuela (16) im Büro ihrer Betreuerin vor einem Bild des Luzerner Künstlers Beat Bracher. Dieses könnte man auch als Situation eines dementen Menschen interpretieren. (Bild: Eveline Beerkircher)

Manuela (16) im Büro ihrer Betreuerin vor einem Bild des Luzerner Künstlers Beat Bracher. Dieses könnte man auch als Situation eines dementen Menschen interpretieren. (Bild: Eveline Beerkircher)

Arno Renggli

Es ist etwas, das den meisten Menschen, wenn überhaupt, erst im gestandenen Erwachsenenalter widerfährt: dass die eigenen Eltern pflegebedürftig werden und sich womöglich ihre Persönlichkeit gänzlich verändert. Manuela (Name der Redaktion bekannt) erlebt es schon jetzt, als Teenagerin. Sie musste quasi in die Mutterrolle schlüpfen für ihre eigene Mutter.

Die falschen Kleider eingepackt

Diese war kaum 50 Jahre alt, als sich eine dramatische Änderung zeigte: «Sie besuchte eine Verwandte im Ausland», berichtet Manuela. «Dort angekommen, bemerkte man, dass sie zwar Kleider, aber nicht ihre eigenen eingepackt hatte.» Als Manuelas Mutter verwirrt reagierte, brachte man sie vor Ort zu einem Arzt, der sofort auf Demenz tippte. Zurück in der Schweiz, wurde die Diagnose bestätigt. Und das Leben der ganzen Familie auf den Kopf gestellt.

Vor allem dasjenige von Manuela. In dem Haushalt, in welchem neben ihrer Mutter noch drei Männer lebten – ihr Vater und zwei bereits erwachsene Brüder – herrschten konservative Ansichten: Die Frauen sind für den Haushalt zuständig. Somit blieb das Meiste an Manuela hängen, als die Mutter immer weniger in der Lage dazu war. Hinzu kam vor allem die immer aufwendigere Betreuung der Mutter, von der Ernährung bis zur Körperpflege.

Tränen oder Aggressivität

Manuela erlebte, wie ein Mensch, der ihr viele Jahre nahe und vertraut war, sich nun stark veränderte. Verwirrung und konstante Vergesslichkeit sind das eine. Doch längst wird Manuela noch mit ganz anderem konfrontiert: «Meine Mutter hat sehr starke Stimmungsschwankungen. Wenn man ihr sagt, was sie tun soll, bricht sie häufig in Tränen aus. Oder reagiert im Gegenteil sehr aggressiv.» Nur zu oft muss Manuela laut werden: «Es ist schlimm, auf diese Art mit der eigenen Mutter reden zu müssen, um zu ihr durchdringen zu können.»

Die Kommunikation ist schwierig und fast nur noch einseitig. «Meine Mutter spricht praktisch nur noch mit dem eigenen Spiegelbild. Sie sieht darin andere Personen, oft sind es Erinnerungen aus der Vergangenheit», berichtet Manuela. Ihre Mutter habe selber eine schwierige Kindheit gehabt.

Noch erkennt sie ihre eigenen Kinder. Aber Manuela weiss, dass der Tag kommen wird, wo auch das nicht mehr der Fall ist. «Ich versuche, nicht daran zu denken.» Schlimm ist es für sie heute schon: «Meine Mutter ist nicht mehr dieselbe Person wie früher.»

Böse Überraschung

Zum Glück hat die KV-Schülerin inzwischen gelernt, sich dagegen zu wehren, dass die ganze Verantwortung auf sie abgeschoben wird. Ihre Brüder, von denen der ältere inzwischen ausgezogen ist, bringen sich mehr ein. Das gilt zum Teil auch für den Vater, der allerdings immer noch Mühe bekundet, die Situa-tion zu akzeptieren, und sich lieber in seinen Kollegenkreis zurückzieht.

Als Manuela in ihrem Lehrbetrieb ihre Überforderung mitteilte, wurde von dort auch professionelle Unterstützung ausgelöst. Heute kommt jeweils vormittags eine geschulte Betreuerin ins Haus. Doch immer noch ist es unvermeidlich, dass Manuelas Mutter gewisse Zeiten alleine zu Hause ist. Da kann es schon mal eine böse Überraschung geben, wenn Manuela von der Lehre oder der Schule nach Hause kommt: «Kürzlich hat meine Mutter die Toilette mit Unmengen von alten Zeitungen verstopft.»

Kolleginnen verloren

Auch jetzt, mit mehr Unterstützung, kann Manuela nicht das Leben eines normalen Teenagers führen: «Weil ich praktisch nie in den Ausgang gehen kann, habe ich die meisten meiner Kolleginnen verloren. Das hat mich schon traurig und wütend gemacht.»

Es ist wohl typisch, dass sie heute eine beste Freundin hat, die acht Jahre älter ist als sie und selber schon viele Familienprobleme erlebt hat. «Den Altersunterschied merken wir beide nicht.»

Lernen, sich selber zu schützen

Wohl auch, weil Manuela schneller erwachsen werden musste als die meisten Gleichaltrigen. Diese Belastung hat psychische Spuren hinterlassen. Manuela geht heute in eine Therapie: «Das tut mir gut. Mir wird bewusst, wie oft ich in den letzten Jahren Schlimmes erlebt und möglichst verdrängt habe. In der Therapie lerne ich auch, besser zu mir selber zu schauen und mich vor den Ansprüchen anderer zu schützen.»

Diese Therapie könnte die Familie – der Vater ist ein einfacher Handwerker – nicht alleine finanzieren. Die LZ-Weihnachtsaktion hilft mit. Es ist ein Schritt, dass aus einer Jugendlichen, die stärker sein muss, als es für sie gut ist, eine starke Erwachsene wird. Die irgendwann ein selbstbestimmtes Leben führen wird.

Sehen und hören dank Spenden

BEISPIEL are. Eigentlich ist Hanspeter B. (81, Name der Redaktion bekannt) ganz zufrieden mit seinem Leben im Altersheim. Zwar leidet er unter verschiedenen altersbedingten Gebrechen, aber er nimmt es, wie es halt ist. Viel Freude bereitet ihm seine Arbeit an einem Büchlein mit Zentralschweizer Kochrezepten. Nun braucht er dringend eine neue Brille. Er selber hat, obwohl er bis zur Pensionierung immer hart gearbeitet hat, kaum Geld. Die Kosten werden auch nicht von der Krankenkasse übernommen. Es ist völlig klar, dass einigermassen gutes Sehen für die Lebensqualität von Hanspeter B. eine enorme Bedeutung hat. Darum hilft die LZ-Weihnachtsaktion mit einem Beitrag. Auch in anderen Fällen konnten dank unseren Spenderinnen und Spendern Seh- oder Hörhilfen angeschafft werden. Mit vergleichsweise wenig Geld wird damit den Betroffenen jeden Tag aufs Neue geholfen. Und natürlich auch eine grosse Weihnachtsfreude bereitet.

Die Sammlung läuft auch über Weihnachten

SPENDEN red.Die LZ-Weihnachtsaktion findet bereits zum 20. Mal statt. Sie sammelt Geld für Menschen in der Zentralschweiz, die in Not geraten sind. Gesuche können nur von Gemeinden oder sozialen Institutionen eingereicht werden. Jedes wird vom Beirat geprüft. Dieser besteht aus ehrenamtlich tätigen Sozialfachleuten aus der Region.

Postkonto, online oder SMS

Spenden für die Jubiläumssammlung können Sie auf Postkonto 60-33377-5 und online auf www.luzernerzeitung.ch/weihnachtsaktion. Auch SMS-Spenden sind möglich: Wählen Sie die Nummer 488, und schreiben Sie LZWA plus den Frankenbetrag (nur Zahl). Die LZ-Weihnachtsaktion ist in unserer Region fest verankert. Seit 1996 sind über 35,6 Millionen Franken gesammelt worden. 2014 konnten wir mit über 3,85 Millionen Franken einen Spendenrekord verzeichnen. Die Zahl der Spenderinnen und Spender wuchs auf 14 779, was ebenfalls Rekord bedeutete. Wie willkommen diese Hilfe ist, zeigt die Zahl der Gesuche, die letztes Jahr bei 2866 lag und sich für dieses Jahr bereits wieder bei über 2500 beläuft. Auch die aktuelle Sammlung läuft sehr erfolgreich und verleiht erneut vielen Menschen neue Hoffnung.

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