Ein Herz und eine Seele: So hilft ein Pferd einem autistischen Knaben

LZ-Weihnachtsaktion: Lorin leidet an Autismus und wird wohl nie ein ganz normales Leben führen. Aber er macht Fortschritte, auch dank vierbeinigen Freunden.

Arno Renggli
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Lorin Müller hat Freude am Ritt auf Nora. Links Alexandra Fischer, Hippotherapeutin, rechts Sabine Thalmann, Pferdeführerin.

Lorin Müller hat Freude am Ritt auf Nora. Links Alexandra Fischer, Hippotherapeutin, rechts Sabine Thalmann, Pferdeführerin.

(Bild: Pius Amrein, Schüpfheim, 20. Dezember 2019)

Ein siebenjähriger Knabe und ein Pferd: Die beiden sind quasi ein Herz und eine Seele. Lorin lacht, schaut uns an, spricht sogar ein paar Worte: «Caro!», ruft er etwa. So heisst das Tier, auf dem er gerade sitzt. Und «Okay!» antwortet er strahlend, wenn man ihn fragt, wie er sich hoch zu Ross fühlt. Das ist alles nicht selbstverständlich, im Gegenteil: Kommunikation fällt ihm schwer. Lorin leidet an frühkindlichem Autismus. Diesen wird er wohl sein Leben lang nicht überwinden und auch als Erwachsener auf stete Hilfe angewiesen sein.

Doch Fortschritte, die sind möglich. Gerade durch die Reittherapie, die im heilpädagogischen Zentrum Sunnebüel (Schüpfheim) stattfindet, wo Lorin auch zur Schule geht. Denn das Reiten ist gut für seine oft überspannte Muskulatur, entspannt und stärkt sie zugleich. So kann Lorin inzwischen auch Velo fahren. Vor allem aber tut ihm das Reiten psychisch gut, bereitet ihm viel Freude, fördert sein Selbstvertrauen. «Der Umgang mit dem Pferd löst gewisse Blockaden», sagt seine Mutter Angela Müller. So hat Lorin zuerst mit dem Pferd zu sprechen begonnen, bevor er dann auch mit der Therapeutin redete. Seither kann er sich immer besser ausdrücken. Und stolz hilft er zum Beispiel auch beim Ausmisten des Stalles mit.

Lorin braucht Strukturen und immer gleiche Abläufe

Der Autismus bedeutet für Lorin einen Entwicklungsrückstand in vielen Bereichen. So kann er sich zum Beispiel nicht gut selber anziehen oder die Zähne putzen. Und während er die Buchstaben schon ziemlich gut kennt, klappt es mit dem Rechnen gar nicht. Vor allem aber kann er sich kaum auf neue Si­tuationen einstellen, braucht viel Struktur in seinem Alltag. «Wenn ich mit ihm spazieren gehe», erzählt Angela Müller, «muss es immer der gleiche Weg sein, anderenfalls reagiert er sehr irritiert.» Typisch, dass Lorin in allen Dingen sehr exakt ist, etwa wenn er einen Stapel aus Holzklötzen baut. Und im Internet sieht er sich besonders gerne Filme mit Glocken oder Seilbahnen an, weil beides von besonderer Regelmässigkeit ist.

Vor Einflüssen kann er sich viel weniger schützen als andere Menschen. Angela Müller erklärt: «Automatisch filtern wir im Alltag viel von dem heraus, was an Sinneseindrücken auf uns hereinprasselt. Lorin kann das nicht. Er ist einer ständigen Reizüberflutung ausgesetzt.» Entsprechend hat er Mühe, unter viele Leute zu gehen und beispielsweise beim Einkaufen mit der Mutter einen Laden zu betreten.

Und eben, die Kommunikation: «Lange konnte er sich so schlecht ausdrücken, dass er zum Beispiel Spielsachen, die er wollte, anderen weggenommen oder sogar zugeschlagen hat, einfach um sich irgendwie Gehör zu verschaffen. Doch das ist viel besser geworden.» Die ganze Familie ist gefordert im Umgang mit Lorins Behinderung. «Es hat eine Weile gedauert, bis ich akzeptieren konnte, dass Lorin dauerhaft diese Einschränkungen hat», gibt Mutter Angela zu.

Gegenüber den Geschwistern möglichst fair bleiben

Inzwischen haben sich alle auf den betreuungsintensiven Alltag eingestellt, auch die beiden Geschwister. «Eine besondere Herausforderung ist immer wieder, fair zu bleiben und Lorin in Konfliktsituationen nicht zu sehr zu bevorteilen, nur um Ruhe zu haben. Aber die Beziehung zum älteren Bruder und zur kleinen Schwester ist immer besser geworden. Besonders Fabio hängt sehr an Lorin», sagt Angela Müller.

Diese Fortschritte werden durch therapeutische Mittel unterstützt, eine wichtige ist die Reittherapie. Da diese nicht zum Leistungskatalog gehört, lehnen IV und Krankenkasse die Kostenübernahme ab. Die LZ-Weihnachtsaktion springt mit einem Beitrag ein, entlastet die Familie etwas und ermöglicht, dass Lorin weiterhin strahlend auf einem vierbeinigen Freund reiten darf.

So können Sie spenden und Menschen helfen

Noch bis Ende Jahr läuft die LZ-Weihnachtsaktion. Zum 24. Mal sammelt unsere Zeitung mit ihren Regionalausgaben für Menschen in der Zentralschweiz, die in Not geraten sind. Spenden können Sie noch bis Ende Jahr auf das Postkonto 60-33377-5 (IBAN-Nummer: CH89 0900 0000 6003 3377 5) und online via www.luzernerzeitung.ch/weihnachtsaktion. Auch SMS-Spenden sind möglich: Wählen Sie Nummer 488 und schreiben Sie LZWA plus den Frankenbetrag (nur Zahl). Wir danken herzlich!

Die LZ-Weihnachtsaktion ist in unserer Region fest verankert. 2018 wurde mit rund 4,9 Millionen Franken ein Spendenrekord realisiert. 16 309 Spenderinnen und Spender halfen mit. Seit der Gründung im Jahr 1996 wurden total über 54 Millionen Franken gesammelt. Wie willkommen diese Hilfe ist, zeigt die Zahl der Hilfsgesuche, die sich letztes Jahr auf 3848 belief, ebenfalls ein neuer Höchstwert. Für dieses Jahr haben wir bis gestern bereits wieder über 3400 Anfragen erhalten. Gesuche können nicht direkt von Hilfesuchenden eingereicht werden, sondern ausschliesslich von Sozial­behörden oder sozialen Institutionen zu Gunsten von Einzelpersonen oder Familien in Not. Jedes dieser Gesuche wird vom Beirat sorgfältig geprüft. Dieser besteht aus 13 ehrenamtlich tätigen Sozialfachleuten aus der ganzen Zentralschweiz. Beiratspräsident ist Urs W. Studer, alt Stadtpräsident von Luzern.

Wir freuen uns über eine erneut sehr erfolgreich laufende Sammlung, die wieder vielen Menschen in unserer Region helfen und neue Hoffnung geben wird. (are) Hinweis Infos: lzweihnachtsaktion@lzmedien.ch, Tel. 041 429 54 04.

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