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LZ-Weihnachtsaktion: Teenager hat ihren Vater gleich zweimal verloren

Fabienne Schmid wurde mit 16 Jahren von ihrer alleinerziehenden Mutter rausgeworfen. Und vor kurzem erfuhr sie vom Freitod ihres Vaters. Es sind traumatische Erlebnisse, die ihr schon in jungen Jahren widerfahren. Und sie zieht Konsequenzen.
Arno Renggli
Fabienne Schmid will die Schatten der Vergangenheit hinter sich lassen. (Bild: Pius Amrein, 19. November 2018)

Fabienne Schmid will die Schatten der Vergangenheit hinter sich lassen. (Bild: Pius Amrein, 19. November 2018)

«Es ist völlig falsch, zu glauben, dass das weniger schlimm ist.» Fabienne Schmid (Name geändert) spricht während der ganzen Begegnung leise und zurück­haltend. Aber hier antwortet sie sehr bestimmt. Die Frage war, ob der Freitod ihres Vaters sie weniger getroffen hat, weil sie ihm davor nie begegnet war.

«Es stimmt, ich bin ihm nie begegnet, hatte nicht einmal Fotos von ihm gesehen. Aber genau deshalb war es mein grösster Wunsch, ihn einmal kennen zu lernen. Es hätte mich interessiert, inwieweit ich mich in ihm wiedererkenne, welche Eigenschaften ich von ihm habe. Vielleicht hätten wir eine Beziehung aufbauen können.»

Sie sieht ihren Vater erstmals in der Aufbahrungshalle

Die Kontaktnahme war lange nicht möglich. Über viele Jahre verweigerte Fabiennes Mutter ihr die Auskunft, wer ihr Vater sei. Auch um sie zu schützen, denn der Vater war in der Drogenszene. Dann hat sie erfahren, wer ihr Vater ist, doch zum Kennenlernen ist es nicht mehr gekommen. Vor wenigen Monaten hat er sich das Leben genommen. Fabienne sieht ihn zum ersten Mal in der Aufbahrungshalle. Später wird sie von ihren Grosseltern auch Fotos erhalten. «Darauf habe ich gesehen, dass seine Gesichtszüge eine gewisse Ähnlichkeit mit meinen haben. Und laut den Grosseltern habe ich auch den einen oder anderen Charakterzug von ihm geerbt. Ich bin auch etwas aufbrausend.» Ein kleines Schmunzeln huscht über ihr Gesicht.

Aufbrausend? Man kann es sich nicht so richtig vorstellen, wenn man ihr gegenübersitzt, so zurückhaltend und fast schüchtern wirkt sie. Aber tatsächlich sei sie mit ihrem Temperament immer wieder mit ihrer Mutter aneinandergeraten. Letztes Jahr ist der Konflikt eskaliert, die Mutter setzte ihre Tochter vor die Tür, knapp vor deren 16. Geburtstag. Es fallen harte Worte wie «Du bist nicht mehr meine Tochter». Für das Mädchen bricht eine Welt zusammen. Doch das ist nur der Anfang einer schweren Zeit. Fa­bienne kommt in eine Pflegefamilie, sie hat schulische Probleme, auch weil sie wochenlang schwänzt, zeitweise überhaupt nicht mehr in die Gänge kommt. Sie trinkt zu viel. «Einmal hat man mich besinnungslos auf einer Strasse gefunden.»

Erfolgreich mit einer Lehre begonnen

In dieser turbulenten Zeit ist unklar, ob Fabienne die Kurve wieder kriegt, persönlich und auch beruflich. Doch sie ist stärker, als viele glauben, als sie selber glauben mag. Allmählich arbeitet sie sich aus dem absoluten Tief heraus. Sie hat eine Lehrstelle als Coiffeuse gefunden und macht seit einem halben Jahr ihre Ausbildung. «Der Lehrmeister hat mir sogar nahegelegt, die anspruchsvollere Variante der Lehre zu absolvieren», sagt sie nicht ohne Stolz. Diese bietet ihr mehr Optionen für die Zukunft.

Zukunft? Noch vor kurzem war ihr diese mehr oder weniger egal. Inzwischen hat sie wieder Ziele. Und auch wieder Kontakt mit ihrer Mutter. Denn diese hatte irgendwann ein Einsehen und meldete sich wieder. Fabienne hat einige Zeit gebraucht, um ihre Mutter wieder in ihr Leben zu lassen. Zu gross war der Schock über den damaligen Rauswurf. Jetzt reden die beiden wieder miteinander. «Es ist nicht mehr wie zwischen Mutter und Kind, dafür ist zu viel kaputtgegangen. Vielleicht eher wie zwischen guten Kolleginnen.»

Vor kurzem konnte Fabienne eine eigene Wohnung beziehen, ein kleines Zimmer in einem älteren Haus mit Kochnische, alles sehr bescheiden. Doch ihr gefällt es, quasi als räumliche Basis in ein neues Leben. Die LZ-Weihnachtsaktion honoriert und unterstützt ihre positive Entwicklung mit einem kleinen Beitrag. Der soll ihr auch Mut machen, sich von den Schatten der Vergangenheit nicht mehr lähmen zu lassen. Sie hat noch ihr ganzes Leben vor sich.

Sie will weniger verletzlich sein

Trotzdem: Die Familie bleibt wichtig für sie. Sogar der Vater, den sie nie kennen gelernt hat. «Irgendwann möchte ich noch mehr über ihn erfahren.» Aber jetzt schaut sie zuerst vorwärts. Weniger verletzlich will sie sein, sagt sie selber. Als Konsequenz von dem, was passiert ist. Auch in der Liebe, in der sie ebenfalls schwere Zeiten durchlebt hat. Wir wünschen ihr, dass sie die für sie richtige Mischung findet. Zwischen Abgrenzung und Selbstständigkeit einerseits. Und andererseits der Fähigkeit, auch wieder zu vertrauen und sich anderen Menschen zu öffnen.

So können Sie für die LZ-Weihnachtsaktion spenden

Bereits zum 23. Mal sammelt sie für Menschen in der Zentralschweiz, die in Not geraten sind.sind. Spenden können Sie auf das Postkonto 60-33377-5 oder auf www.luzernerzeitung.ch/weihnachtsaktion. Auch SMS-Spenden sind möglich: Wählen Sie Nummer 488 und schreiben Sie LZWA plus Frankenbetrag (nur Zahl). Wir danken herzlich für jeden Beitrag!

Die LZ-Weihnachtsaktion ist in unserer Region fest verankert. 2017 wurde mit rund 4,79 Millionen Franken ein Spendenrekord realisiert. Die Zahl der Spenderinnen und Spender wuchs auf 16557, was ebenfalls Rekord ist. Seit der Gründung im Jahr 1996 wurden total über 49 Millionen Franken gesammelt. Jedes Gesuch wird sorgfältig geprüft Wie willkommen diese Hilfe ist, zeigt die Zahl der Hilfsgesuche, die sich letztes Jahr auf rund 3700 belief. Dieses Jahr haben wir schon vor dem Start bereits wieder rund 2700 Anfragen erhalten.

Gesuche können nur von Gemeinden oder sozialen Institutionen, nicht aber von Privatpersonen eingereicht werden. Jedes wird vom Beirat sorgfältig geprüft. Dieser besteht aus 13 ehrenamtlich tätigen Sozialfachleuten aus der ganzen Zentralschweiz. Beiratspräsident ist Urs W. Studer, alt Stadtpräsident von Luzern. Wir freuen uns über eine erfolgreiche Sammlung, die erneut vielen Menschen in unserer Region helfen und neue Hoffnung geben wird.

Geschäftsstelle der LZ-Weihnachtsaktion: Elisabeth Portmann, Geschäftsleiterin. Kontakt: lzweihnachtsaktion@lzmedien.ch, Tel. 041 429 54 04.

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