LZ-Weihnachtsaktion: Trotz schwerer Behinderung kann die kleine Sara mit ihrer Familie Velo fahren

Eine velobegeisterte Luzerner Familie will die schwerstbehinderte Tochter immer mitnehmen. Ein Spezialfahrzeug macht es möglich.

Arno Renggli
Drucken
Teilen
Sara kann dank dem Spezialvelo (hier gesteuert von ihrem Vater) trotz Rollstuhl Veloausflüge der ganzen Familie miterleben.

Sara kann dank dem Spezialvelo (hier gesteuert von ihrem Vater) trotz Rollstuhl Veloausflüge der ganzen Familie miterleben.

Bild: Roger Grütter (1. Dezember 2019)

Sara lacht. Sogar sehr oft. Und besonders dann, wenn das neunjährige Mädchen mit ihrer Familie mitfahren kann. Denn diese ist sehr gerne mit den Velos unterwegs. Und Sara* (alle Namen sind der Redaktion bekannt) soll am gemeinsamen Hobby teilhaben können. Das ist nicht ganz selbstverständlich. Denn Sara hat eine schwere Behinderung, eine Zerebralparese, die sie unterhalb des Kopfes fast unbeweglich macht.

Ihre Eltern, Bruno und Susanne E. aus dem Luzerner Seetal, haben bereits zwei gesunde Söhne, als Sara auf die Welt kommt. Zunächst scheint alles normal, doch das Baby erleidet einen Sauerstoffmangel. Als der Neurologe den Eltern die Diagnose mitteilt, bricht eine Welt zusammen. Rückblickend sagen sie: «Es war ein langer Prozess, in diese neue Situation hineinzufinden.»

Die beiden Brüder ziehen voll mit

Doch längst hat sich die Familie bestens auf die schwierige Situation eingestellt. Sara gehört zum Alltag, sie soll möglichst teilhaben am Familienleben. Und das hübsche Mädchen dankt es ihnen mit einer in aller Regel guten Laune.

Und da sind ja auch noch Saras Brüder Jonas (13) und Kevin (10), die voll mitziehen. «Sie ist unsere Schwester, wir lieben sie», sagt Jonas schlicht. Beide scheuen sich auch nicht zu antworten, wenn mal wieder jemand wissen will, was mit ihrer Schwester ist. «Dann sagen wir eben, was Sache ist.» Stolz berichten sie, bei welchen Aktivitäten die Familie Sara mitnimmt. Skifahren zum Beispiel? Kein Problem, Sara kann auf Spezialski mit ihrem Vater oder ihrer Mutter fahren. Und eben: Velofahren – die grosse Leidenschaft der ganzen Familie. Lange Jahre konnte Sara in einem Kinderanhänger transportiert werden, doch dafür ist sie inzwischen zu gross.

Ein Spezialvelo macht es möglich

Auch dank der Mithilfe der LZ-Weihnachtsaktion konnte die Familie ein Spezialvelo aus Holland besorgen, welches dann in der Schweiz noch passend umgebaut worden ist. Nun kann Sara auf einer Plattform mitsamt Rollstuhl befestigt werden. Sie kann nach vorne schauen, aber fast noch lieber sitzt sie rückwärts und sieht ihren Vater oder ihre Mutter am Steuer des neuen Gefährts. Diese grosse Anschaffung hätte das Budget der Familie, die in einem mehrere hundert Jahre alten ehemaligen Bauernhaus wohnt, arg strapaziert. Doch so sind weiterhin unbezahlbare gemeinsame Erlebnisse möglich. Der eingebaute Elektromotor hat den Aktionsradius der Familie so noch erhöht. Und auch im Alltag kommt das Velo zum Einsatz, etwa wenn Sara zum Einkaufen mitfährt, was klimafreundlich ganz ohne Auto geht.

So schön diese gemeinsamen Momente sind: Der Alltag bleibt für die ganze Familie anspruchsvoll, Sara braucht stete Betreuung. Und das wird sich wohl niemals völlig ändern. Täglich fährt sie in die Schule Rodtegg in Luzern. Geistig ist sie normal, sie versteht gut, was um sie herum passiert, auch was über sie selber gesprochen wird, aber die Kommunikation fällt ihr sehr schwer.

Dabei könnte man sich gut vorstellen, was Sara ihren Eltern und Brüder gerne sagen würde. Dass es sie zwar manchmal nervt, wegen ihrer Behinderung vieles nicht machen zu können. Dass sie aber insgesamt glücklich ist – dank einer Familie, die sich so gut um sie kümmert, sie liebt, wie sie ist, und sie an möglichst allem teilhaben lässt. Nun zeigt sie ihnen dies alles eben durch ihre Blicke und ihre Fröhlichkeit.

So können Sie spenden und helfen

Am Freitag, 6. Dezember, war der Printausgabe unserer Zeitung die Broschüre mit Einzahlungsschein zur diesjährigen LZ-Weihnachtsaktion beigelegt. Zum 24. Mal sammelt sie mit ihren Regionalausgaben für Menschen in der Zentralschweiz, die in Not geraten sind. Spenden können Sie noch bis Ende Jahr auf das Postkonto 60-33377-5 (IBAN-Nummer: CH89 0900 0000 6003 3377 5) und online via www.luzernerzeitung.ch/weihnachtsaktion. Auch SMS-Spenden sind möglich: Wählen Sie Nummer 488 und schreiben Sie LZWA plus den Frankenbetrag (nur Zahl). Wir danken herzlich!

Die LZ-Weihnachtsaktion ist in unserer Region fest verankert. 2018 wurde mit rund 4,9 Millionen Franken ein Spendenrekord realisiert. Total 16309 Spenderinnen und Spender halfen mit. Seit der Gründung im Jahr 1996 wurden total über 54 Millionen Franken gesammelt.

Wie willkommen diese Hilfe ist, zeigt die Zahl der Hilfsgesuche, die sich letztes Jahr auf 3848 belief, ebenfalls ein neuer Höchstwert. Für dieses Jahr haben wir bereits wieder rund 2700 Anfragen erhalten. Gesuche können nicht direkt von Hilfesuchenden eingereicht werden, sondern ausschliesslich von Sozialbehörden oder sozialen Institutionen zu Gunsten von Einzelpersonen oder Familien in Not. Jedes dieser Gesuche wird vom Beirat sorgfältig geprüft. Dieser besteht aus 13 ehrenamtlich tätigen Sozialfachleuten aus der ganzen Zentralschweiz. Beiratspräsident ist Urs W. Studer, alt Stadtpräsident von Luzern.

Wir freuen uns über eine erneut sehr erfolgreich laufende Sammlung, die wieder vielen Menschen in unserer Region helfen und neue Hoffnung geben wird.

Geschäftsstelle LZ-Weihnachtsaktion: Elisabeth Portmann, Geschäftsleiterin. Infos: lzweihnachtsaktion@lzmedien.ch, Tel. 041 429 54 04.

Mehr zum Thema