LZ-Weihnachtsaktion
Wie geht es der schwerverletzten kleinen Andrea aus Emmetten, die letztes Jahr so viele Menschen berührt hat?

Die LZ-Weihnachtsaktion hilft vielen Menschen. Doch wie geht es ihnen danach? Zum Beispiel der knapp 3-jährigen Andrea und ihrer Familie? Wir unterstützen sie auch dieses Jahr. Und haben sie nochmals besucht.

Arno Renggli
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Franziska und Reto Würsch mit ihren Kindern Andrea und Thomas in der Nähe ihres Bauernhofs.

Franziska und Reto Würsch mit ihren Kindern Andrea und Thomas in der Nähe ihres Bauernhofs.

Bild: Manuela Jans-Koch (Emmetten, 11. November 2021)

Die Sonne scheint an diesem Tag in Emmetten. Ein Jahr zuvor, als wir Familie Würsch zum ersten Mal besuchten, war es noch neblig. «Das Wetter passt genau», sagt Franziska Würsch diesmal. «Vor einem Jahr war für uns alles noch düster und unklar. Jetzt ist es schon viel besser. Die Sonne bringt zum Ausdruck, wie wir uns heute fühlen.»

Die LZ-Weihnachtsaktion läuft wieder. In der letztjährigen berichteten wir über einige Familien, denen wir helfen konnten. Besonders berührt hat das Schicksal der kleinen Andrea aus Emmetten, die an schwersten Brandverletzungen leidet. Weiterhin dürfen wir sie und ihre Familie unterstützen. Die Heilung von Andrea läuft sehr positiv, doch wird es ein jahrelanger Weg bleiben. Vor wenigen Tagen musste sich die knapp 3-Jährige in Zürich einer weiteren Operation unterziehen, rund 20 hat sie bereits hinter sich, noch viele mehr werden kommen. Die Operation ist gut verlaufen, erneut wird sie einige Wochen im Spital bleiben müssen. Ihre Eltern, die einen Hof führen, werden sie begleiten und so oft wie möglich bei ihr sein.

Ihr Vater rettet sie aus dem brennenden Auto

Im Sommer 2020 erleidet Andrea schwerste Verletzungen, vor allem an den Händen und im Gesicht. Aus unerklärlichen Gründen fängt das parkierte Auto, in dem sie sitzt, Feuer. Ihr Vater Reto kann sie aus dem Auto retten, verbrennt sich dabei selber im Gesicht, am rechten Arm und an beiden Händen. Der Rega-Helikopter bringt Andrea mit ihrer Mutter ins Kinderspital Zürich, dort kämpft sie tagelang um ihr Leben. Und schafft es schliesslich. Mit unzähligen Transplantationen wird in der Folge versucht, Andreas betroffene Haut so gut wie möglich zu heilen; ein Prozess, der noch viele Jahre dauern wird. Niemand weiss, wie das Ergebnis dereinst sein wird. Doch gerade kleine Kinder haben unglaubliche Fähigkeiten zur Heilung. «Dies auch von den Ärzten zu hören, hat uns viel Mut gemacht.»

Das Schicksal von Andrea und ihrer Familie hat die Region bewegt. Und eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst, welche die Familie direkt gespürt hat. Kam die Solidarität zunächst aus dem Umfeld und der Gemeinde, war es nun die ganze Zentralschweiz. «Wir möchten allen danken», sagen Franziska und Reto Würsch. «Wir haben eine sehr schwere Zeit hinter uns, und es ist immer noch nicht einfach. Dass so viele Menschen an uns denken und uns unterstützt haben, etwa telefonisch, brieflich oder auch finanziell, berührt uns tief. Und gibt uns Kraft, auch für all das, was noch kommen wird. Gerade wenn wir im Alltag körperlich oder emotional mal an die Grenzen kommen.»

Austausch mit Familien, die von Ähnlichem betroffen sind

Besonders erwähnen die beiden auch Familien, die sich gemeldet hatten, weil ihnen ein ähnliches Schicksal mit Brandverletzungen eines Kindes widerfahren ist. «Sie haben uns angeboten, dass wir uns mit ihnen austauschen dürfen, dass sie uns mit ihrer Erfahrung helfen. Auch das ist sehr wertvoll. Vielen herzlichen Dank!»

Uns hat Andrea und ihre Familie berührt. In der persönlichen Begegnung hat uns am meisten beeindruckt, wie ihre Eltern und ihr Bruder mit ihr umgehen; liebevoll und so normal wie nur irgendwie möglich. So konnten auch wir sehen, wer Andrea hinter ihren Verletzungen ist: ein lebendiges, aufmerksames und starkes Mädchen.

Neuigkeiten von anderen Menschen, denen wir helfen konnten

Wir haben letztes Jahr auch über weitere Menschen berichtet, denen die LZ-Weihnachtsaktion helfen konnte. Bei den meisten von ihnen hat sich die Situation inzwischen verbessert.

So etwa bei der Luzernerin und ihren beiden Kindern, deren Mann bzw. Vater an einer heimtückischen Krankheit gestorben. Die drei haben wieder Boden unter den Füssen, die Mutter der Kinder hat eine Teilzeitanstellung gefunden, auch den Kindern geht es soweit gut. Gute Neuigkeiten gibt es auch von einer fünfköpfigen Familie. Der Krebs des Vaters konnte gestoppt werden. Doch noch folgen vierteljährliche Kontrollen, denen sie immer mit Besorgnis und Ängsten entgegenblicken. Die angegriffene Lunge des Vaters konnte sich etwas erholen, sodass er auch etwas längere Spaziergänge machen kann.

Medizinisches Rätsel und quälende Ungewissheit

Schwierig bleibt es für eine alleinerziehende Mutter; unser Bericht über sie hat viele Reaktionen ausgelöst. Die Leserinnen und Leser waren berührt, weil die Situation der Frau, die an verschiedenen Tumoren und Nebenwirkungen leidet, auch medizinisch rätselhaft ist. Und sie die Ungewissheit bedrückt, wie überhaupt eine Behandlung und Heilung möglich ist. Gerade hat sie wieder eine Operation hinter sich gebracht, wie es weitergehen soll, ist offen. «Ich wünsche mir nur, dass das alles irgendwann überstanden ist und ich weiterleben kann. Ich danke der LZ-Weihnachtsaktion. Und allen, die sie unterstützen.»

Dank erhielten wir auch vom alleinerziehenden Vater aus dem Kanton Zug, dessen Sohn an ADSL leidet und der seine Frau an Krebs verloren hat: «Wir haben es trotz Anstrengungen gut miteinander. Die Weihnachtsaktion ist grossartig, sie hat uns sehr geholfen. Ich hoffe, dass noch viele Menschen eine solche Solidarität erleben.» (are)

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