LZ-Weihnachtsaktion

Zweifache Mutter verliert ihren Mann wegen einer heimtückischen Krankheit: «Für unsere Kinder muss ich stark sein»

Die Luzernerin Diana W. hat ihren über alles geliebten Mann verloren. Sie kämpft um einen Weg zurück ins Leben. Auch mit unserer Hilfe.

Arno Renggli
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Diana W. trauert um ihren verstorbenen Mann und ist nun Alleinerziehende von zwei Kindern.

Diana W. trauert um ihren verstorbenen Mann und ist nun Alleinerziehende von zwei Kindern.

Bild: Pius Amrein (23. November 2020)

Der Anruf kommt mitten in der Nacht. Diana W. schreckt hoch und realisiert sofort, was er bedeuten könnte. Dabei ist es ihrem Mann Marco beim Spitalbesuch am Vortag vergleichsweise gut gegangen. «Papi geht es super», hat sie ihren beiden Kindern gemeldet. Auch um ihnen und sich selber den Mut zu machen, den es in einer so schweren Situation immer wieder braucht. Denn seit Wochen ringt ihr Mann mit dem Tod. Und in dieser Nacht erhält sie vom Spital die Nachricht, dass er gestorben ist. Diana steht unter Schock. «Es ist nicht möglich», geht ihr immer wieder durch den Kopf. Obwohl sie sich schon so lange mit dem Gedanken befasst hat, dass es geschehen könnte: Als es so weit ist, kann das nicht helfen.

Marco W. litt seit vielen Jahren an einer heimtückischen und sehr seltenen Krankheit. Entsprechend sind die Behandlungsmethoden noch nicht sehr weit entwickelt. Etwas vereinfacht gesagt, waren bei ihm die Gallenwege innerhalb- und ausserhalb der Leber chronisch entzündet, was auch zu ­Verengungen führte und das ganze Immunsystem beeinträchtigte. Mit Medikamenten lässt sich der Prozess ver­zögern. Langfristig könnte auch eine Lebertransplantation helfen. Doch Marco W. hatte bereits zwei solche Operationen hinter sich, beide Male kam die Krankheit zurück. Als Kämpfernatur dachte der Lastwagenfahrer, dem besonders viel auch an der Lehrlingsausbildung lag, nicht ans Aufgeben. Dann musste er erneut akut ins Spital, eine Blutvergiftung bedrohte den ganzen Körper. Noch gab es Hoffnung, dass eine dritte Transplantation endlich die ersehnte Heilung bringen würde. Doch so weit schaffte er es nicht mehr.

Quälende Gedanken: «Was hätte ich noch tun können?»

Unsäglicher Schmerz, Trauer und Zorn habe sie nach dem Tod ihres Mannes gefühlt, sagt Diana W. Und obwohl sie ihren Mann seit Jahren durch diese Krankheit eng begleitet hat, macht sie sich sogar Selbstvorwürfe:

«Immer wieder habe ich mich gefragt: Was hätte ich anders oder noch zusätzlich tun können, um ihn zu retten?»

Wie schlimm es auch für die beiden Kinder ist, kann man nur erahnen. «Sie haben ihren Papi vergöttert», sagt Diana. Es sei ihnen als Eltern wichtig gewesen, dass die Kinder in all den Jahren so gut wie möglich verstanden haben, wie es um die Gesundheit ihres Vaters stand. «Sie sind damit aufgewachsen.» Doch auch dies ist nun kein Trost.

In dieser Situation für die beiden da zu sein, wird zur Hauptaufgabe von Diana W. «An manchen Tagen wusste ich morgens nicht, ob ich es schaffen würde, aufzustehen. Doch die Kinder waren meine Motivation, zu funktionieren und auch möglichst vorwärtszuschauen.» Unterschiedlich verarbeiten die beiden den Verlust. «Unser Sohn ist sehr offen, zeigt seine Gefühle auch gegen aussen. Die Tochter lässt sich viel weniger anmerken. Sie führt eine Art Tagebuch, in welchem sie ihrem Papi schreibt.» Auch dank der Lehre bzw. der Primarschule finden Tochter und Sohn allmählich wieder in eine gewisse Normalität zurück, die alltägliche Struktur hilft ihnen – genauso wie die Kontakte zu Gleichaltrigen.

Schwierige Rückkehr in die Arbeitswelt

Für ihre Mutter ist es noch schwieriger, ins Leben zurückzufinden. Nebst dem Schmerz bringt der Tod ihres Mannes auch viele Aufgaben mit sich. Auch finanzielle Sorgen gibt es, nachdem die Krankheit ihres Mannes das Familienbudget schon viele Jahre belastet hat. Die LZ-Weihnachtsaktion hilft mit einem Beitrag, die schlimmste Not zu überbrücken. Damit kann Diana W. mit etwas mehr Zuversicht nach vorne schauen. Sobald sie sich wieder stark genug fühlt, möchte sie einen beruflichen Wiedereinstieg versuchen. Die gelernte Bürofachfrau hat Respekt davor. Da ihr Mann und sie sich damals mit den Kindern für eine traditionelle Arbeitsteilung entschieden, war sie viele Jahre weg von der Erwerbswelt.

«Ich bin schon unsicher, ob ich nach so langer Zeit wieder einen Job finde», gibt sie zu. «Doch ich weiss, dass Arbeit und der Kontakt mit anderen Menschen mir helfen würden.» Marco sei für sie der perfekte Partner gewesen. «Er ist unersetzlich, und ganz wird das Gefühl dieses Verlustes nie aufhören. Ich weiss auch, dass gerade die Weihnachtszeit sehr traurig werden wird. Aber ich möchte allmählich wieder Stabilität im Leben von mir und meiner Kinder. Das ist mein grösster Wunsch.»

Der Notarzt, der die schwer verbrannte Andrea im Heli ins Spital begleitet hat: «Dieser Einsatz ging mir besonders nahe»

Notarzt Michael Schorn-Meyer

Notarzt Michael Schorn-Meyer

Letzte Woche haben wir über das zweijährige Nidwaldner Mädchen Andrea berichtet, das im letzten Sommer bei einem Unfall schwere Verbrennungen erlitten hat. Auf diesen Beitrag hin hat sich der Notarzt Dr. med. Michael Schorn-­Meyer (Bild) bei uns gemeldet. Der gebürtige Luzerner traf damals im Rettungshelikopter am Unfallort ein, stabilisierte Andrea und flog dann mit ihr und ihrer Mutter nach Zürich ins Kinder-Verbrennungszentrum. Er hat uns Folgendes berichtet: «Trotz meiner 15 Jahre Erfahrung als Luftrettungsnotarzt ist mir dieser Einsatz besonders nahe gegangen.» Das Leid des Kindes und der Eltern, aber auch der Rettungskräfte vor Ort, von denen viele die Familie persönlich kennen, sei ihm extrem stark in Erinnerung geblieben. «Umso mehr habe ich mich gefreut zu lesen, dass die LZ-Weihnachtsaktion diese schwer geprüfte Familie unterstützt.» Es sei ihm schon damals klar gewesen, dass Andrea und die ganze Familie noch vor einem langen Weg mit vielen Herausforderungen steht. «Dank meiner guten Kontakte ins Kinderspital Zürich durfte ich aber auch mitverfolgen, wie Andrea dank der Kraft ihrer Familie und von ihr selbst überlebt hat. Und wie gemessen an den Umständen erfreulich ihre Genesung in den letzten Wochen und Monaten verlaufen ist.» (are)