Mehr als nur ein herrschaftliches Haus

Das 1592 errichtete Haus «im Grund» in Schwyz gehört seit Jahrhunderten der Familie Ab Yberg. Doch wie lange bleibt das Geschlecht noch bestehen?

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Das Herrenhaus «im Grund» steht östlich von Schwyz, auf dem Weg nach Muotathal. (Bild: Andreas Z'Graggen)

Das Herrenhaus «im Grund» steht östlich von Schwyz, auf dem Weg nach Muotathal. (Bild: Andreas Z'Graggen)

Es ist eine Besonderheit: In und vorab um den Flecken Schwyz gibt es rund 30 Herrenhäuser, Hofstätten genannt. Im Unterschied zu den Aristokraten in Luzern und Bern, Freiburg und Solothurn, die im Winter in ihrem Stadtpalais und im Sommer auf ihren Landsitzen logierten, bewohnte der Schwyzer Herr seine Hofstatt das ganze Jahr über. Entsprechend imposant war der schlossähnliche Auftritt nach aussen und zeitgemäss luxuriös - die meisten dieser Häuser wurden im 16. und 17. Jahrhundert erbaut - die Innenausstattung. Einige dieser Hofstätten sind besonders eindrücklich, wie das «Ital-Reding-Haus», das «Feldli», die «Schmiedgass», die «Waldegg» oder das «Im Grund». In der Regel gehörten dazu ein Landwirtschaftsbetrieb mit Pächterhaus, Stallungen, Weideland und natürlich eine Kapelle. So auch heute noch «im Grund».

Familienstammsitz seit 450 Jahren

Das prächtige Herrenhaus «im Grund» steht östlich von Schwyz, auf dem Weg nach Muotathal. Durch Erbfolge geriet die Liegenschaft an Ritter und Landammann Caspar Ab Yberg. 1592 errichtete er an Stelle des einstigen Holzbaus ein neues Wohnhaus. Es wurde zum Stammsitz der Familie Ab Yberg. Vieles ist wohl wie einst, auch die Ab Ybergs wohnen noch dort - seit über 450 Jahren.

Zusammen mit den von Reding gehören die Ab Ybergs zu den einst mächtigsten Familien des alten Landes Schwyz. Bereits Konrad I. war 1291 Landammann und als solcher Mitbegründer der Eidgenossenschaft. Zu den bedeutendsten Ab Ybergs gehörte Johann Sebastian, Hauptmann in spanischen Diensten und im 17. Jahrhundert gleich dreimal Landammann. Ein anderer herausragender Ab Yberg war Georg Franz, der als Hauptmann unter Prinz Eugen von Savoyen für das Haus Habsburg gegen die Türken focht. Theodor Ab Yberg, ebenfalls Landammann, nahm als Kommandant der Schwyzer Truppen am Sonderbundskrieg teil (1847).

Dass in der alten Eidgenossenschaft die Macht beim Volk lag und die damalige Schweiz eine Art Bauernrepublik war, ist ein Mythos. Selbst in den Landsgemeinde-Ständen wie Schwyz herrschte eine kleine, zudem immer weniger durchlässige Führungsschicht von Patriziern oder Aristokraten. Sie bestand aus jenen Familien, die es verstanden, sich über die Jahrhunderte die Landesämter zu sichern. Eine wichtige Machtbasis war das Klientel-System, gestützt von der Kirche. Das grosse Geld machten diese Aristokraten als Offiziere in oft eigenen Kompanien oder Regimentern, die für fremde Herren in den Krieg zogen.

Mehrmals umgebaut

Zurück zum Landsitz «im Grund»: Dieser ist verschiedentlich umgebaut worden. So erhielt er sein heutiges Walmdach anstelle des ursprünglichen Mansarddaches erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Geblieben sind der rechteckige Grundriss mit den ostwärts gelagerten Ökonomiegebäuden und der von Mauern und zwei fünfeckigen Pavillons umfriedete Hofgarten. Im Innern finden sich schöne Wand- und Deckentäfer im Régence-Stil, ein zierlicher Rokoko-Kachelofen und ein blauer Turmofen. Im nördlichen Dachgiebel prangen noch immer die Allianzwappen Ab Yberg-Epp und Ab Yberg-Bäsi.

Sohn müsste sich umbenennen

Grossartig ist die im 16. Jahrhundert erbaute Hauskapelle, in der die männlichen Nachkommen des Geschlechts beigesetzt wurden. Der jetzige Besitzer der Hofstatt «im Grund», Alois Ab Yberg, dessen Vater auch Landammann war, bewohnt das Haus zusammen mit seiner betagten Mutter, seiner Schwester und seinem Sohn. Dieser trägt allerdings einen anderen Namen. Wenn er bei Volljährigkeit nicht entscheidet, sich fürderhin Ab Yberg zu nennen, stirbt das bedeutende Schwyzer Geschlecht aus.

HINWEIS:
Weitere herrschaftliche Landsitze aus der Zentralschweiz auf www.luzernerzeitung.ch/serien