Mein Thema
Pharisäer

Reflexionen über die eigene Haltung

Andreas Baumann
Andreas Baumann
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Andreas Baumann, ref. Pfarrer

Andreas Baumann, ref. Pfarrer

Wer weiss schon, wer die Pharisäer wirklich waren? Sie werden in den Evangelien als die Gegner von Jesus dargestellt. Sie beobachteten ihn genau, wie er es mit dem Sabbatgebot hielt, und fassten schon bald den Entschluss, ihn zu verurteilen (Markus 3, 6). Sie sind quasi die «Bösen». Sie halten pauschal hin als Beispiel einer gesetzlichen Frömmigkeit, welche die Nächstenliebe vernachlässige, selbstgerecht und deswegen heuchlerisch sei. «Pharisäer» ist zum Schimpfwort geworden. Eure «Gerechtigkeit» soll weit besser sein als ihre, sagte Jesus (Matthäus 5, 20).

Doch ich frage mich beim Lesen dieser Texte oft: Auf welcher Seite nun stehe ich selbst? Auf der Seite Jesu oder doch nicht ehrlicher der Pharisäer? Ist denn nicht bereits die Haltung «ich nicht, aber die Anderen» bereits «pharisäisch»? Wenn ich andere verurteile, ohne dabei bei mir selbst zu schauen? Das Böse kommt von innen her, nicht von aussen, sagte selbst Jesus. Christsein bedeutet Selbsteinsicht: Richte nicht, damit du dich dabei nicht selbst mitrichtest. Wenn wir zu schnell urteilen und verurteilen, ohne erst zu verstehen und uns selbst zu hinterfragen, kann es passieren, dass wir schnell selbst als «Pharisäer» dastehen.

Andreas Baumann
Ref. Pfarrer, Emmen-Rothenburg
andreas.baumann@ reflu.ch