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Solidarität ade?

Gedanken über das Zusammenleben in schwierigen Zeiten

Hansruedi Kleiber
Hansruedi Kleiber
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Hansruedi Kleiber Präfekt der Jesuitenkirche Luzern

Hansruedi Kleiber Präfekt der Jesuitenkirche Luzern

Seit einiger Zeit ist der Ton in unserer Gesellschaft rauer geworden. In Wirtschaft und Politik verhärten sich die Positionen. Viele Menschen leiden darunter. Am Arbeitsplatz wird mit weniger Personal und in kürzerer Zeit als früher immer mehr verlangt. Mobbing ist an der Tagesordnung, und die Kliniken für Burn-out-Patienten sind randvoll. Die Polarisierung der Gesellschaft, das Auseinanderdriften und die Verhärtung der Meinungen gefährden den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Solidarität und Gemeinwohl scheinen zu blossen Worthülsen zu verkommen.

Doch nein! Die neue Gehässigkeit hat nicht das letzte Wort. Wer genau hinschaut, entdeckt da und dort Wohlwollen, Anerkennung, Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit. Bei aller Individualisierung zeigt sich gerade auch in schwierigen Zeiten, dass Einstehen für andere, Nachbarschaftshilfe und Sorge um das Wohlergehen des Nächsten vielen Mitbürgern echte Anliegen sind. Manche fragen nicht mehr bloss: «Was bringt mir das?», sondern: «Was kann ich für den anderen tun?» Es gibt also trotz allem Hoffnung. Sensibilität und Bereitschaft zum Engagement für eine menschlichere Welt und Gesellschaft sind keine Luftblasen.

Hansruedi Kleiber
Präfekt der Jesuitenkirche Luzern
hansruedi.kleiber@kathluzern.ch

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