MELCHSEE-FRUTT: Frutt soll überschaubar bleiben

Hermann Bob Gelzer (68) verbrachte im Winter 1959 seine ersten Ferien auf der Frutt. Seither hat ihn das Obwaldner Hochtal nicht mehr losgelassen.

Robert Hess
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Bob-Steuermann Beat Hefti reagiert auf den Personal-Mangel im Schweizer Nationalkader. Der Appenzeller ruft eine Bob-Trophy ins Leben, mit der er potenzielle Anschieber sucht. (Bild Robert Hess)

Bob-Steuermann Beat Hefti reagiert auf den Personal-Mangel im Schweizer Nationalkader. Der Appenzeller ruft eine Bob-Trophy ins Leben, mit der er potenzielle Anschieber sucht. (Bild Robert Hess)

Robert Hess

«Ich hatte Glück, dass die Eltern meines Schulfreundes Ernst auf der Frutt ein Ferienhaus besassen», blickt der Lenzburger zurück. «Als Zwölfjährige standen wir 1959 nämlich vor der Prüfung zum Eintritt in die Bezirksschule», erzählt er, «und die Eltern von Ernst luden mich zu meinen ersten Winterferien auf der Frutt ein, damit wir uns gemeinsam auf die Prüfung vorbereiten konnten. Wir Buben genossen damals die Ferien zwar mehr als die Bücher», meint Gelzer heute augenzwinkernd, doch schliesslich glückte beiden der Übertritt.

Lehrpersonen ausbilden

Hermann Bob Gelzer von seinen Freunden Bob genannt – studierte nach der Matura Psychologie und Zoologie in Basel und Bern. Später war er in der Lehrerausbildung tätig, zuletzt als Dozent und Ressortleiter Schulleitung und Schulqualität an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er ist verheiratet, Vater von zwei erwachsenen Kindern und seit sechs Jahren pensioniert.

Vielfältig ist Gelzers musikalische und künstlerische Tätigkeit. Er wirkt seit Jahren als Bassist in verschiedenen Musikformationen mit und führt seit 1997 im alten Fabrikgebäude der Wisa Gloria in Lenzburg ein eigenes Maleratelier.

Ein Stück Frutt-Geschichte

Seit seinen ersten Ferien ist Bob Gelzer im Winter und Sommer regelmässig auf der Frutt anzutreffen. «Anfangs war ich vor allem mit meinem Freund Ernst auf der Frutt», berichtet er. Die Skilifte damals noch ohne Schlepplift zu erreichen – stellten ihren Betrieb jeweils über den Mittag ein. «Wenn wir eine warme Suppe haben wollten, nahmen wir den letzten Erzegglift vor der Mittagspause und fuhren mit den Ski auf die Tannalp», erinnert er sich. «Dort offerierten Ernsts Eltern eine Tagessuppe, anschliessend fuhren wir mit dem steilen Tannalplift wieder hoch und zurück ins Frutter Skigebiet.»

Zum Neujahrsdiner aufgespielt

Später seien Skilager auf der Tannalp hinzugekommen, erzählt Gelzer weiter, «und unvergessliche Ferien im Kernser Skihaus mit Freunden sowie Freundin Lisbeth, die heute meine Frau ist». 1963 gründete Gelzer mit Kollegen eine Musikformation. «Wir waren recht erfolgreich, und als Tanzmusik konnten wir dreimal im Hotel Reinhard aufspielen, zweimal zum legendären Neujahrsdiner mit internationalen Gästen», erinnert Gelzer an längst vergangene gesellschaftliche Höhepunkte auf der Frutt.

Mit seinen beiden Kindern entdeckten Bob und Lisbeth Gelzer später Melchsee-Frutt auch im Sommer. Wanderungen, Bräteln, Faulenzen am See gehörten zum Familienprogramm. «Und heute kommen unsere Kinder bereits mit ihren Kindern auf die Frutt.» Vor einigen Jahren konnte die Familie im «Alpina» eine kleine Wohnung kaufen und ist deshalb nicht mehr abhängig von Ferienwohnungen und Hotelzimmern.

Was dem Stammgast gefällt!

«Wir geniessen im Sommer die vielen Wandermöglichkeiten, die Blumenpracht im Frühsommer und das herrliche Panorama», so der Stammgast. Im Winter ist er regelmässig auf der Langlaufloipe anzutreffen oder auf der Skipiste mit den Grosskindern. «Mir gefallen besonders auch das ‹Posthuis›, der Lachs vom Bergrestaurant Erzegg, der Fruttlizug, die neue Gondelbahn, die Schneesicherheit, die günstigen Saisonpreise, die IG Melchsee-Frutt-Freunde, der Bratchäs vom Werni und allgemein die Freundlichkeit aller.» Gelzer begrüsst auch die «stetige, sorgfältig geplante und umweltverträgliche Weiterentwicklung des Tourismusangebotes».

Brauchen «Schneeparadies» nicht

Froh ist Bob Gelzer, wenn die massive Bautätigkeit der vergangenen vier Jahre ein Ende nimmt und ein Aufenthalt auf dem Sitzplatz im Sommer wieder ohne Baulärmbegleitung möglich ist. Nach wie vor bedauert er, dass der Balmeregg-Sessellift vor einigen Jahren den Betrieb eingestellt hat. Weiter wünschte sich Gelzer, dass der Föhn auf der Hochalp weniger bläst, für Junge am Abend mehr Unterhaltungsmöglichkeiten angeboten werden und auf das sogenannte Schneeparadies verzichtet wird. «Melchsee-Frutt sollte bleiben wie es ist, familiär und überschaubar», sagt der Stammgast aus Lenzburg, «der Erfolg hängt doch nicht von möglichst vielen Pistenkilometern ab!»

Hinweis

In unserer Sommerserie «Stammgäste» erzählen uns Leute aus nah und fern, weshalb sie seit vielen Jahren in unserer Region Ferien machen. Abonnenten finden die Beiträge auch unter www.obwaldnerzeitung.ch/serien