MILLIONENRAUB: Von den Tätern und Bildern fehlt jede Spur

Der millionenschwere Diebstahl zweier Picasso-Werke gibt Rätsel auf. Gründe, an den Sicherheitsvorkehrungen im Seedamm Kulturzentrum zu zweifeln, gibt es laut Polizei aber nicht.

Drucken
Teilen
Norbert Nobis, stellvertetener Leiter des Sprengel-Museums Hannover (links), uns Florian Grossmann, Sprecher der Kantonspolizei Schwyz, bei einer Medienkonferenz. (Bild Keystone//Hoefner Volksblatt Wollerau)

Norbert Nobis, stellvertetener Leiter des Sprengel-Museums Hannover (links), uns Florian Grossmann, Sprecher der Kantonspolizei Schwyz, bei einer Medienkonferenz. (Bild Keystone//Hoefner Volksblatt Wollerau)

«Wir bedauern sehr, was passiert ist und würden viel tun, um die Bilder wiederzubeschaffen, sagte Norbert Nobis am Freitag vor den Medien. Der Kurator der Sammlung des Sprengel Museums in Hannover war nach Pfäffikon abgereist, nachdem er vom Aufsehen erregenden Kunstraub erfahren hatte. Neben der Stiftung Bernhard Sprengel als Eigentümerin des einen Bildes («Verre et pichet») ist auch die Stadt Hannover durch den Diebstahl zu Schaden gekommen. Ihr gehört nämlich das zweite gestohlene Bild mit dem Titel «Tête de cheval».

Ob es sich bei den gestohlenen Werken um die teuersten in Pfäffkion ausgestellten Bilder handelt, wollte Nobis nicht sagen. Sicher aber seien die Bilder dem oberen Preissegment zuzuordnen. Die millionenschweren Bilder – zusammen haben sie einen Wert von 4,8 Mio. Franken – waren am Mittwochabend kurz nach 19 Uhr von Unbekannten aus dem Museum entwendet worden. Bis am Freitagabend fehlte sowohl von Tätern als auch von Bildern jede Spur. Die Polize geht nicht von einem zufälligen Diebstahl aus. In Blick in die Kriminalgeschichte zeigt laut dem Informationsbeauftragten der Kantonspolizei Schwyz, Florian Grossmann, dass Kunstdiebe über Mittel und Wege verfügen, ihre Bilder illegal zu verkaufen.

«Markt schwer zu überblicken»
Die Kantonspolizei Schwyz, welche die Federführung in diesem Fall hat, hat über Interpol eine internationale Fahndung eingeleitet. An der Medienorientierung richete Polizeisprecher Florian Grossmann den dringenden Appell an die Bevölkerung, verdächtige Beobachtungen von Mittwochabend sofort zu melden. Besonders interessiert die Polizei folgende Frage: Wurden am Mittwoch, 6. Februar, beim Seedamm-Kulturzentrum Pfäffikon und indessen Nähe verdächtige Personen oder Fahrzeuge festgestellt oder hat jemand spezielle Wahrnehmungen gemacht?

«Akt der Barbarei»
Nobis als Vertreter des geschädigten Museum hofft, dass die gestohlenen Bilder wieder auftauchen. Stilleben aus den 40er-Jahren (wie das Werk «Verre et pichet») wurden laut seinen Aussagen im Ggensatz zu anderen Picasso-Werken in letzter Zeit nicht mehr über Auktionen gehandelt. Der Markt indessen sei mit der fortschreitenden Entwicklung der Welt hin zum globalen Dorf kaum zu überblicken. Dennoch: «Der Verkauf gestohlener Picassos ist alles andere als einfach.» Ulrich Krempel, Direktor des Sprengel Museums, erklärte, dass es keinen Grund gebe, an den Sicherheitsvorkehrungen des Kulturzentrums zu zweifeln. Krempel sprach gegenüber der Nachrichtenagentur Deutschen Presseagentur von einem «Akt der Barbarei». Die Bilder seien zwar versichert, aber was sei Geld gegen solche Werke. Besonders ärgerlich findet er, dass die Einheit der von der Familie Sprengel aufgebauten Picasso-Sammlung zerstört sei.

Andreas Meier, Direktor des Seedamm Kulturzentrums, wollte zum Diebstahl am Freitag vor den Medien keine Stellung nehmen. Er wird die Funktion des Direktors wie geplant Ende Februar abgeben. Gestern war in Pfäffikon lediglich der Neubauteil des Kulturzentrums geöffnet. Ausgestellt werden dort rund 50 Picasso-Grafiken.

Hinweise über den gegenwärtigen Standort der beiden Picasso-Gemälde und Hinweise zur Täterschaft sind an die Kantonspolizei Schwyz, Telefon 041 819 29 29, zu richten.

Regula Kaspar-Fisler