MISSBRAUCH: Kloster Einsiedeln arbeitet Vergangenheit auf

Vor wenigen Tagen erhalten hunderte Ehemalige dicke Post vom Kloster Einsiedeln: Ein Brief, unterschrieben von Abt Martin Werlen. Ein neues Opfer hat sich bereits gemeldet.

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Kloster Einsiedeln. (Bild Erhard Gick/Neue SZ)

Kloster Einsiedeln. (Bild Erhard Gick/Neue SZ)

Wie Blick.ch am Samstag auf ihrer Homepage meldete, erhielt die ehemalige Schülerin Sandra H.* (31) letzte Woche einen nicht alltäglichen Brief. Darin richtet sich Abt Martin Werlen vom Kloster Einsiedeln an alle ehemaligen Schülerinnen und Schüler und bittet sie, sich zu melden falls sie «durch Fehlverhalten von Mitgliedern der Klostergemeinschaft in ihrere Würde nicht respektiert wurden».

Sandra H., Schülerin zwischen 1991 und 1998, hat keine negativen Erlebnisse durchgemacht. Sie begrüsst aber den Brief: «Das Kloster vertuscht jedenfalls nichts, sondern will alles aufarbeiten», sagt sie gegenüber Blick.ch. Das läge gewiss an Abt Martin Werlen, der einst ihr Religionslehrer war, vermutet sie. Sein Denken sei moderner als bei anderen Geistlichen.

Erstes Opfer meldet sich
Das Kloster hat schon vor einem Monat für die Aufarbeitung von Übergriffen eine unabhängige externe Untersuchungskommission eingesetzt. Sie besteht aus drei Rechtsanwälten. Komissions-Mitglied Richard Kälin zu Blick.ch: «Bereits am 19. April hat sich ein Opfer bei der Untersuchungskommission gemeldet.» Dieser Fall werde nun in der Untersuchungskommission behandelt und dann entschieden, was damit geschehe.

Im Brief an die Ehemaligen heisst es weiter: «Bei Bedarf wird die Kommission weitere Fachleute – vorab psychologische ausgebildete Personen – beiziehen. Ziel sei, so das Kloster, nebst der Schaffung von Transparenz auch eine «so weit als mögliche Wiedergutmachung» und die Sicherstellung der Glaubwürdigkeit sein.

Im Kloster Einsiedeln und seiner Stiftsschule hatten seit den siebziger Jahren fünf Geistliche sexuelle Übergriffe auf Schüler begangen. In einem Fall kam es zu einer sexuellen Handlung; bei den anderen vier Fällen handelte es sich um «Berührungen und unangebrachte verbale Äusserungen», wie Abt Martin Werlen sagte.

* Name von der Redaktion geändert

ig