Dreimal auf Schwiegervater eingestochen: Kriminalgericht verurteilt Bodenleger zu fünfeinhalb Jahren

Ein 27-jähriger Handwerker wollte seine Tochter bei der von ihm getrennt lebenden Ehefrau besuchen. Als sich ihm der Vater seiner Frau in den Weg stellte, kam es zum Eklat.

Roger Rüegger
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Der Besuch des jungen Mannes bei seiner Tochter stand unter einem schlechten Stern. Der 27-jährige Bodenleger reiste am 12. April 2018 mit dem Zug aus der Region Luzern ins Seetal, wo seine von ihm getrennt lebende Frau mit dem gemeinsamen Kind wohnt. Als der serbische Staatsangehörige am Zielort eintraf, stellte sich ihm der Vater seiner Frau in den Weg und machte dem Besucher klar, dass er nicht erwünscht sei. Zwischen dem Mann und der Familie seiner Frau kam es immer wieder zum Streit.

Auf dem Grundstück befindet sich ein Spielplatz mit einem Sandkasten, einer Schaukel und einer Sitzbank. Am Ort, wo sonst Kinder spielen, wurde es zwischen den beiden Männern ernst. Der ältere packte laut Anklageschrift der Luzerner Staatsanwaltschaft den Besucher am Kragen und stiess ihn nach einem Wortwechsel in ein stacheliges Gebüsch. Danach zog der jüngere ein Klappmesser. An der Verhandlung am Kriminalgericht vom 16. September, wo der Handwerker unter anderem der versuchten vorsätzlichen Tötung beschuldigt wurde, beteuerte er via albanischem Übersetzer, das Messer brauche er bei der Arbeit.

Beim Besuch setzte er die Klinge aber als Waffe ein. Er stach laut Staatsanwalt mit «einem verbotenen, einhändig bedienbaren Klappmesser» mehrere Male in Richtung des Grossvaters seiner Tochter. Der Staatsanwalt beantragte eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und neun Monaten und Landesverweis von zwölf Jahren. Der Verteidiger hingegen sah in seinem Mandanten das Kaninchen, das vor der Schlange, also dem Schwiegervater, vor Angst erstarrte. Er wollte einen Freispruch für die versuchte Tötung. Einzig für Widerhandlung gegen das Waffengesetz sei er zu bestrafen. Hier sei eine bedingte Strafe von 20 Tagessätzen zu 30 Franken und eine Busse von 200 Franken angebracht.

Das Kriminalgericht verurteilte den Beschuldigten für versuchte (eventual) vorsätzliche Tötung, einfache Körperverletzung, Drohung und mehrfache Widerhandlung gegen das Waffengesetz zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sieben Monaten. Ausserdem wird der beschuldigte für die Dauer von zwölf Jahren des Landes verwiesen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.