Mit Verstand und Herz bei der Sache

Stabsübergabe an der Spitze des Beirates, der die Vergabe der Spendengelder der LZ-Weihnachtsaktion sorgfältig prüft: Klaus Fellmann übergibt das Präsidium an Urs W. Studer – und erinnert sich an bewegende Augenblicke.

Drucken
Teilen
Drei Männer zeigen Herz (von links): Der neue Beiratspräsident Urs W. Studer, Stiftungsratspräsident Erwin Bachmann und Klaus Fellmann. (Bild: Jakob Ineichen / Neue LZ)

Drei Männer zeigen Herz (von links): Der neue Beiratspräsident Urs W. Studer, Stiftungsratspräsident Erwin Bachmann und Klaus Fellmann. (Bild: Jakob Ineichen / Neue LZ)

Die LZ-Weihnachtsaktion bereits im Spätsommer? Ja, gestern fand im Rahmen der Stiftungsrats- und der Beiratssitzung ein offizieller Führungswechsel statt. 13 Jahre hat Klaus Fellmann (70) aus Dagmersellen im Beirat gewirkt, elf davon als Präsident. Gestern übernahm der scheidende Luzerner Stadtpräsident Urs W. Studer (62) diese Führungsaufgabe.

1999 trat der Luzerner Gesundheits- und Sozialdirektor Klaus Fellmann aus der Politik zurück: «Es war immer mein Wunsch, nach dem Weggang aus dem Regierungsrat in Non-profit-Organisationen tätig zu sein. Ich habe in meinem Leben von der Gesellschaft viel Vertrauen und Chancen erhalten und wollte ihr auch wieder etwas zurückgeben.»

Telefon beim Zmittag

Die Mitarbeit im Beirat der LZ-Weihnachtsaktion habe für ihn stets ein Privileg und nicht etwa eine Last bedeutet. Mit einem Schmunzeln fügt er an: «Als Gegenleistung wird man in diesem ehrenamtlich tätigen Gremium nicht finanziell reich, aber die vielen Kontakte mit Hilfesuchenden und mit Spendern haben mich menschlich umso mehr bereichert.»

Als Beispiel schildert Klaus Fellmann einen Telefonanruf während eines Mittagessens im Dezember 2010. Aus dem Telefon klingt eine aufgeregte Frauenstimme. Klaus Fellmann macht sich auf eine Reklamation gefasst. «Weit gefehlt: Die Rentnerin war ausser sich vor Freude, weil sie von der LZ-Weihnachtsaktion einen Beitrag von wenigen hundert Franken zur Überbrückung einer Notlage durch ungedeckte Krankheitskosten erhalten hatte. Sie war glücklich wie eine Prinzessin, und ich vermute, kein Banker empfindet je solche Gefühle bei der Entgegennahme seiner Boni.»

Rasch helfen

Berührt haben Klaus Fellmann bei den Hilfsgesuchen speziell jene für Familien und Einzelpersonen, die nach einem jähen Schicksalsschlag oder durch Krankheit in existenzielle Not gerieten. «Da war es mir immer ein Anliegen, dass wir nach Prüfung der Sachlage sehr rasch mit einem Überbrückungsbeitrag helfen können, denn rasche Hilfe ist doppelte Hilfe.» Am Herzen liegt Klaus Fellmann auch die Hilfe im Berggebiet. «Hier können die Spender mithelfen, die zum Teil sehr alten und beengten Wohnverhältnisse von Bergbauernfamilien zu verbessern.»

In den 13 Jahren seines Wirkens im Beirat, also von der LZ-Weihnachtsaktion 1999 bis zur letztjährigen, hat das Gremium rund 18 000 Hilfsgesuche behandelt (Spendentotal: rund 23 Millionen Franken). Dahinter steckt Knochenarbeit: Denn alle Hilfsgesuche werden vom Beirat sorgfältig und mit grossem Zeitaufwand geprüft – ehrenamtlich.

Mit Kompetenz und Herz

Klaus Fellmann, der die Sitzungen mit 14 Sozialfachleuten aus allen Zentralschweizer Kantonen souverän leitete, schwärmt von diesem Gremium, das mit Sachkenntnis, Sozialkompetenz und Herz an die Arbeit gehe. Dafür zollt er seinen Beiratskolleginnen und -kollegen «meine besondere Anerkennung und Wertschätzung». Denn «Spendengelder zu verteilen, die einem treuhänderisch anvertraut sind, ist eine anspruchs- und verantwortungsvolle Aufgabe». Legendär sind Fellmanns Aufrufe zu Beginn der Beiratssitzungen, neben dem Verstand auch das Herz sprechen zu lassen. «Stimmt», sagt er, «denn trotz Vergabe-Richtlinien gibt es einen Ermessensspielraum. Und da habe ich mich, wenn immer möglich, auf die Seite der Hilfesuchenden gestellt.»
Klaus Fellmann hat ein feines Gespür für finanzielle und menschliche Not: «Bei ihm spürt man in jedem Augenblick seine hohe Sozialkompetenz, seine Bodenhaftung und seine innere Verbundenheit zu Menschen, die nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens stehen», sagt Stiftungsratspräsident Erwin Bachmann. Und: «Klaus Fellmann kann auch sehr gut andere Menschen für die Nöte und Anliegen von Hilfesuchenden sensibilisieren.»

«Grosses Vertrauen»

Wie erklärt sich der scheidende Beiratspräsident den grossen Erfolg der LZ-Weihnachtsaktion? «Ausschlaggebend ist nach meiner Meinung vorab das grosse Vertrauen der Spenderinnen und Spender, dass ihr Geld dank seriöser Prüfung gut eingesetzt wird.» Weitere Gründe seien neben der regionalen Verankerung «die hohe Transparenz und das hervorragende Verhältnis zwischen Spendeneingang und Ausschüttung an Hilfesuchende».

Stichwort Spenden: «Es ist einfach fantastisch, wie viele treue Spender wir in der ganzen Zentralschweiz haben.» Klaus Fellmann freut sich über die zahlreichen privaten Sammelaktionen von Vereinen, Jugendgruppen, Firmen: «Gerne habe ich solche Anlässe besucht, als Musikliebhaber auch grossartige Benefizkonzerte.»

Mit Blick auf die Zukunft sagt Klaus Fellmann, die LZ-Weihnachtsaktion sei trotz gut ausgebautem Sozialwesen weiterhin nötig, «denn es braucht neben der staatlichen Hilfe auch private Hilfe». Das gelte für zahlreiche wertvolle gemeinnützige Institutionen. «Ich bin allen dankbar, die sich engagieren.» Müsste die Aktion modernisiert werden, zum Beispiel mit Events? Fellmann winkt ab: Gerade der unspektakuläre Auftritt und die Berichte in unserer Zeitung über Situationen, wo solidarische Hilfe nötig ist, kämen offensichtlich bei den Spendern an. Ist Solidarität nicht ein altmodischer Begriff? «Solidarität und Hilfsbereitschaft sind heute, da vielfach nur noch von Gewinnmaximierungen und Steuersenkungen für Reiche die Rede ist, zeitlose Begriffe für eine Gemeinschaft mit Augenmass.»

Klaus Fellmann ist mit seinen 70 Jahren fit und unternehmungslustig und diskutiert gern über Tagespolitik. Er wird weiterhin in zwei lokalen Stiftungen in Dagmersellen wirken und hat künftig wieder etwas mehr Zeit zum Lesen und zum Wandern und Reisen mit seiner Frau Rita. Und dann sind da noch vier Enkelkinder Julia, Matteo, Janis und Sebastian. «Alle kommt gerne zu uns auf Besuch», verrät ihr stolzer Grossvater.

Ruth Schneider / Neue LZ

Neues von der Weihnachtsaktion

Der Stiftungsrat der LZ-Weihnachtsaktion hat am 23. August den abtretenden Luzerner Stadtpräsidenten Urs W. Studer zum neuen Beiratspräsidenten und Nachfolger von Klaus Fellmann gewählt. Urs W. Studer ist bereits seit dem Jahr 2000 Mitglied des Beirates.

Als neue Stiftungsrätin wurde Esther Ettlin (56, Bild), Treuhänderin und ehemalige Gemeinderätin von Kerns OW ins Gremium gewählt; sie ersetzt Klaus Fellmann im Stiftungsrat und bleibt Beirätin für den Kanton Obwalden.

Weiter hat der Stiftungsrat beschlossen, künftig auch Hilfsgesuche aus dem Oberen Freiamt entgegenzunehmen (Gesuche können nicht von Privaten, sondern nur von Gemeinden und Institutionen eingereicht werden, und zwar vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2012).

Trotz der personellen Änderungen ändert sich nichts am Sinn und Zweck der LZ Weihnachtsaktion. Sie unterstützt seit 1996 Menschen in Armut und Not in der Zentralschweiz.

Unsere Zeitung berichtet jeweils von November bis Januar exemplarisch über Einzelpersonen und Familien, die unverschuldet in finanzielle Not geraten sind. Unsere Leserinnen und Leser sind grosszügig: Seit 1996 haben sie mehr als 24 Millionen Franken gespendet. Alle Hilfsgesuche werden vom Beirat sorgfältig geprüft. rs

«Wir können Hoffnung und Freude verbreiten»

Mit der LZ-Weihnachtsaktion 2012 übernimmt Urs W. Studer (62), der per Ende August als Luzerner Stadtpräsident zurücktritt, das Präsidium des Beirats. Der parteilose Urs W. Studer war bereits bisher Mitglied des Beirates sowie des Stiftungsrates. Vor seiner Wahl als Stadtpräsident im Jahr 1996 war der Jurist als Amtsgerichtspräsident tätig.

Was motiviert Sie, das Präsidium des Beirates der LZ-Weihnachtsaktion zu übernehmen?
Urs W. Studer: Die LZ-Weihnachtsaktion hat sich zwischenzeitlich als eigentliches Hilfswerk für die Region Zentralschweiz etabliert. Die Grossherzigkeit vieler ermöglicht ihr, mit finanziellen Beitragsleistungen Menschen, die mit und unter uns leben, zu unterstützen. Wenn ich hierzu etwas beitragen kann, mache ich das sehr gerne.

Wie kamen Sie als Stadtpräsident in Kontakt mit Armut und Not?
Studer: Einesteils in meiner Sprechstunde für Stadteinwohnerinnen und -einwohner, andernteils auch durch Stadtratsgeschäfte, wo gestützt auf die Akten Not und Armut immer wieder erkennbar durchschimmern.

Welche Ziele setzen Sie sich als neuer Beiratspräsident?
Studer: Es braucht keine neuen Ziele. Vielmehr will ich wie bereits mein Vorgänger und Kollege Klaus Fellmann dafür besorgt sein, dass die Gesuche rasch und verantwortungsvoll entlang der Vergaberichtlinien entschieden werden. Damit können wir durch finanzielle Hilfe etwas Licht, Hoffnung und Freude um die Weihnachtszeit herum verbreiten.

In welchen weiteren Organisationen engagieren Sie sich nach Ihrem Ausscheiden als Stadtpräsident?
Studer: Mit Datum von heute ist vorgesehen, dass ich im Vorstand des Vereins Schweiz Tourismus verbleibe und designierter Präsident des neu gegründeten Trägervereins Luzerner Kantorei bin. Überdies habe ich mich bereit erklärt, im Stiftungsrat des Verkehrshauses der Schweiz mitzuwirken und bin darüber hinaus Präsident des Alterswohn- und -pflegeheims «Landgut Unterlöchli» am nordöstlichen Stadtrand Luzerns.

Interview: Ruth Schneider