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Mit viel Liebe zieht Rosa ihren Enkel gross

Pedros Eltern kümmern sich nicht um ihren Sohn. Der Zehnjährige lebt bei seiner fürsorglichen Grossmutter, die mit wenig Geld auskommen muss. Unsere Leser können mithelfen, dass für Pedro und weitere Kinder aus schwierigen familiären Situationen ein Weihnachtswunsch in Erfüllung geht.
Rosa spielt mit ihrem Enkel Pedro «Eile mit Weile». (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Rosa spielt mit ihrem Enkel Pedro «Eile mit Weile». (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Wenn seine Schulgschpänli im Unterricht oder auf dem Pausenplatz von Mama und Papa erzählen, wird es für Pedro (Name geändert) schwierig. Dazu kann und will er nichts erzählen. Denn sein aus Marokko stammender Vater und seine Mutter, gebürtige Spanierin, haben und wollen keinen Kontakt mit ihrem Sohn. «Dann erzähle ich halt von meiner Abuela, meinem Grossmami», sagt der 10-Jährige verhalten und fixiert mit seinen dunklen Augen die Tischplatte. Pedro lebt bei seiner Grossmutter Rosa (Name geändert) in einer einfachen Mietwohnung in einem Stadtluzerner Aussenquartier. Sie hat die Sorge und die Erziehung übernommen und erfüllt diese Aufgabe mit spürbarer Liebe und Hingabe.

Das Schönste im Leben

Rosa deutet auf das Foto ihrer Tochter – Pedros Mutter – auf der Kommode im Wohnzimmer und sagt zur Journalistin: «Wissen Sie, ich verstehe meine Tochter nicht. Ein Kind ist doch das Grösste und Schönste im Leben, und als Eltern tut man alles für sein Kind.» Nach längerem Schweigen sagt Pedro, er sei manchmal sehr traurig. «Ich denke oft an Mama und Papa. Es wäre schön, wenn sie hier wären.» Seine Grossmutter meint, wenn ihr Enkel erwachsen sei, werde er seine Eltern vielleicht selber fragen können, warum sie ihn im Stich gelassen haben. «Jetzt ist es meine wichtigste Aufgabe, für Pedro zu sorgen, und ich mache das sehr gerne», fährt sie energisch fort und legt fürsorglich den Arm um ihren Enkel.
Nur zögerlich erzählt die 50-Jährige, sie sei vor rund 30 Jahren als junge Spanierin in die Schweiz gekommen. Hier hat sie zwei Töchter und einen Sohn geboren. Von ihrem Ehemann lebt sie seit einiger Zeit getrennt.

Schwer zu ertragen

Vor sieben Jahren stand eines Tages Pedros Mutter vor ihrer Türe, brachte ihren in Spanien geborenen, damals dreijährigen Sohn zu seiner Grossmutter. «Ich dachte, das sei für zwei, drei Wochen Ferien», sagt sie. Doch Pedro wurde nicht wieder abgeholt. Seine Mutter lebt heute in Spanien mit einem neuen Partner. Den Aufenthaltsort von Pedros Vater wissen weder Rosa noch die Luzerner Behörden; er zahlt auch keine Alimente. «Ich verstehe das alles nicht. Und es ist für mich schwer zu ertragen, dass meine Tochter sich nicht um ihren Sohn kümmert», sagt Rosa.

Ein Handy liegt nicht drin

Dennoch ist sie eine lebensbejahende Frau geblieben. Sie ist stolz, dass sie trotz kleinem Budget finanziell immer gerade so knapp über die Runden kommt. Nur muss sie Pedro ab und zu erklären, dass sie ihm nicht jeden Wunsch erfüllen kann. «Ein Handy liegt nicht drin, auch wenn in Pedros Klasse praktisch alle Kinder eines haben», nennt sie ein Beispiel. Bei nötigen Anschaffungen, etwa von Winterkleidern, und bei unerwarteten Ausgaben habe sie grosse Probleme.
Schon lange wünsche sich Pedro ein Velo und ein Pult, sagt seine Grossmutter. «Natürlich kann er seine Hausaufgaben am Esstisch machen. Ich würde mich aber sehr freuen, wenn er in seinem Zimmer seinen eigenen Tisch hätte.» Rosa hat gestaunt und sich gefreut, als ihr Pedros Beiständin gesagt hat, sie reiche genau für diese zwei nachvollziehbaren Kinderwünsche ein Gesuch bei der LZ-Weihnachtsaktion ein. «Ich wusste nicht, dass es so etwas gibt. Ich finde es eine sehr gute Sache, dass die Zeitungsleser an Menschen denken, denen es finanziell nicht so gut geht. Wenn auch wir Hilfe erhalten, möchte ich von Herzen danken.»
Schweigsam sitzt Pedro bei diesem Gespräch dabei. «Ich gehe gerne in die Schule», erzählt der Drittklässler. In Mathematik sei er sehr gut, und überhaupt habe er gute Noten, sagt seine Grossmutter stolz. Sein Lieblingsfach? Neben der Mathematik ist es die Handarbeit. Ja, wirklich Handarbeit, nicht etwa Werken. Zum Beweis legt er der Journalistin spitzbübisch lachend eine bunt gehäkelte Schildkröte auf den Tisch.

Fussball-Idole

Fussballer will er werden, wenn er gross ist – und schon heute ist das Fussballspielen mit Freunden Pedros grosses Hobby. Bei diesem Thema ist der aufgeweckte Bub in seinem Element. Er holt ein vollgeklebtes Fussballer-Heftli und zeigt der Journalistin seine Idole, buchstabiert geduldig deren Namen: Der Goalie Iker Casillas von Real Madrid und der Stürmer David Villa vom FC Barcelona, und zudem sei er auch noch Fan des Clubs Valencia. Bei Länderspielen schlage das kleine Fussballerherz natürlich immer für Spanien, bemerkt seine Grossmutter lachend.
Ihr Enkel schaut sie strahlend an und erzählt, dass seine Abuela 2010 anlässlich der Fussball-WM mit ihm das Spiel Schweiz gegen Spanien vor dem KKL in Luzern angeschaut habe. «Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet die Schweiz gegen Spanien gewinnen würde. Es war trotzdem super. Und Spanien ist ja doch Weltmeister geworden», sagt Pedro.

Arbeit wäre wie Lottogewinn

Welche Wünsche hat Rosa? «Für mich brauche ich nichts», sagt sie bescheiden. Gut, sie schiebe eine Zahnbehandlung schon lange vor sich her. Das sei im Moment einfach zu teuer. Was ihr viel wichtiger wäre: «Ich suche dringend eine Arbeit, und zwar möchte ich putzen gehen. Ideal wären etwa 40 Prozent, aber nur am Vormittag, wenn Pedro in der Schule ist.» Damit könnte sie das Budget ein wenig aufbessern. «Eine solche Arbeit wäre für mich wie ein Lottogewinn.» Sie betont, dass sie am Nachmittag, wenn Pedro heimkomme vom Unterricht, zu Hause und für ihn da sein wolle.

Verlieren muss er noch lernen

Sie hätten es gut miteinander, sagen Pedro und seine Abuela, mit der er zwischendurch ein paar Sätze Spanisch spricht. «Bei schönem Wetter gehen wir oft nach draussen, oder wir spielen hier miteinander.» Zum Beispiel Eile mit Weile. Mit grosser Aufmerksamkeit sitzt Pedro am Tisch und möchte unbedingt gewinnen. Er «vergitzlet» fast, als er eine ganze Weile warten muss, bis er endlich eine Fünf würfelt und «raus» kann. «Das Verlieren muss er noch lernen», sagt Rosa. Zärtlich schaut sie ihn an. «Pedro hat ein grosses Herz. Ich liebe ihn wie meinen Sohn.»

Ruth Schneider

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