MODE: Faire Kleider, designt in Schwyz

Die Marke ZRCL vertreibt nachhaltig genähte Kleider. In 22 Läden gibt es die bereits zweite Kollektion des Schwyzer Alleinunternehmers Kilian Wiget zu kaufen.

Carole Gröflin
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Er will schon bald ins Ausland expandieren: Kilian Wiget (31) aus Schwyz zeigt seine neue Kollektion. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Er will schon bald ins Ausland expandieren: Kilian Wiget (31) aus Schwyz zeigt seine neue Kollektion. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Carole Gröflin

«Hallo, ich bin Kili», sagt ein junger Mann und streckt die Hand aus. Er trägt Brille mit dickem schwarzem Rand, eine braune Hose einer gängigen Skateboard-Marke, blaue Sneakers und ein schwarzes T-Shirt. Auf dem Shirt steht in weisser Schrift «We are ZRCL» – frei übersetzt etwa «Wir sind der Kreis» – geschrieben. Das Outfit eines typischen jungen Mannes halt. Doch Kilian Wiget unterscheidet sich von der Norm: Er hat sein T-Shirt selbst designt und wird noch diesen Frühling die Fabrik in Litauen besuchen, in der das Shirt gefertigt wird.

Der 31-Jährige ist Kopf der Kleidermarke ZRCL (englisch für «Kreis»). Diese wurde eigens gegründet, um nachhaltig und fair produzierte Shirts in der Schweiz zu verkaufen. Eine Expansion ins nahe Ausland ist in Planung.

Er weiss, was bei Jungen ankommt

Seit rund zehn Jahren ist Wiget Verkäufer von Streetstyle-Mode. Erst war er im Doodah in Zug und Luzern tätig, seit vier Jahren arbeitet er im «3SIXTY» in Schwyz. Er weiss also, was bei den Jungen gut ankommt, welche Farben und Designs gefallen. Den Entschluss, seine eigene Marke ins Leben zu rufen, fasste er dann auch während der Arbeit vor zwei Jahren: «Als ich hörte, dass die Marke Twothirds – eine nachhaltige Kleidermarke aus dem Baskenland – den Vertrieb in der Schweiz einstellte, begann ich mich zu fragen, unter welchen Bedingungen denn all die anderen Marken ihre Kleider herstellen», erinnert sich Wiget.

Kreislauf nachverfolgen

Mit Bestürzung musste Wiget bald feststellen, dass es erschreckend wenige Infos zu den Produktionsbedingungen der anderen Marken herauszufinden gab. Auf der Suche nach einer Firma, die fair und nachhaltig Kleider herstellen lässt, stiess er bald auf die in Rotkreuz ansässige Remei AG. Das Unternehmen koordiniert etwa die Kleiderproduktion für die Coop-Naturaplan-Kleiderlinie. «Nach Gesprächen mit den Verantwortlichen war für mich klar, dass ich gerne meine eigene Marke lancieren will», sagt Wiget. Hierfür reduzierte er sein Pensum und machte sich daran, eine erste Kollektion zu entwerfen. 900 Männer-T-Shirts in drei Farben umfasste diese und ging im letzten August in den Verkauf. Der Verkauf war ein voller Erfolg, 800 Stück konnte er davon bereits absetzen. 22 Läden bieten seine Kleidung an. Der Clou bei seinen Produkten: Mittels einer eingenähten Nummer kann dank eines Remei-Tools der Produktionskreislauf nachverfolgt werden. So ist für den Konsumenten ersichtlich, in welcher Fabrik das Shirt produziert wurde.

Werbung via Crowdfunding

Wiget selber ist im letzten November nach Indien gereist und hat die Produktionsstätte von Remei und die Bio-Re-Stiftung besichtigt. «Es tat gut zu sehen, wo und unter welchen Umständen die Baumwolle für meine Kleider angebaut wird», erinnert sich Wiget. Mit dabei hatte er auch seine Fotokamera. Entstanden sind Bilder auf dem Baumwollfeld und in der Fabrik, auf welchen die Menschen Schilder hochhalten mit der Botschaft: I made your clothes. «Die Leute wollen heute wissen, woher ihre Kleidung kommt. Ich bin stolz, ihnen diesen Service bieten zu können.» Ein unbedrucktes ZRCL-Shirt kostet 39 Franken, ein bedrucktes 49 Franken. «Die Preise sind bewusst so gewählt, damit ich mit den üblichen Streetstyle-Marken konkurrenzfähig bin.»

Für den Marken-Start hat er auf unkonventionelle Art geworben: Via Crowdfunding hat er über 17 000 Franken gesammelt, wobei lediglich 10 000 Franken das Ziel war. Zum Dank hat er unter anderem fremde Spender bei sich zu Hause bekocht oder T-Shirts mit limitierten Designs angeboten. «Die Aktion hat Spass gemacht und viel dazu beigetragen, dass die Marke ZRCL über mein Netzwerk hinaus bekannt wurde.»

Der Erfolg zeigt, dass er mit seiner Idee auf dem richtigen Weg ist. Bisher gibt es ZRCL nur für Männer zu kaufen. Dies aus einem einfachen Grund: «Ein Männer-T-Shirt ist das wohl unkomplizierteste Kleidungsstück», so Wiget. «Deshalb wollte ich erst dort den Geschmack treffen.» Doch sei eine Frauen-kollektion auch schon angedacht. Derzeit sind seine Kleider sehr minimalistisch: Gerade Schnitte und schlichte Designs zieren die Shirts. «Da ich aus dem Verkauf komme, habe ich punkto Design noch Nachholbedarf», erklärt Wiget. Doch zuerst gehts jetzt an den Verkauf der zweiten Kollektion.

Hier gibts faire Mode zu kaufen

Konsumcin. Diverse Läden und Boutiquen bieten in der Zentralschweiz ökologische und fair produzierte Mode an. In Luzern wird man etwa beim Kleiderladen Glore fündig: Dort werden ausschliesslich Kleider von Marken vertrieben, die fair gehandelte und ökologisch nachhaltige Produkte herstellen. Zuger kommen im Niione-Natur-Laden auf ihre Kosten: Alle Textilien dort sind nach ökologischen Kriterien produziert und zu fairen Preisen verkauft. Zudem werden auch Kosmetik, Duftessenzen, Spielwaren und Papeterie-Artikel feilgeboten. Weitere Geschäfte können mit dem Fair Fashion Finder aufgespürt werden. Die Schweizer Website ermöglicht es Konsumenten, faire Mode schnell zu finden.

Hinweis: Den Einkaufsguide für faire Mode finden Sie unter www.getchanged.net