Mordfall Boi: Prozess ohne Öffentlichkeit

Die Verhandlung gegen den jungen Aargauer, der im August 2009 in Sessa TI eine damals 17-jährige Schwyzerin mit einem Holzscheit erschlagen hat, findet vor dem Jugendgericht Baden statt. Zum Prozess ist die Öffentlichkeit nicht zugelassen.

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Aarau. Das Jugendgericht ist deshalb zuständig, weil der Beschuldigte zur Tatzeit erst 16 Jahre alt war. Die Hauptverhandlung werde voraussichtlich im Laufe des ersten Quartals 2013 stattfinden, teilte das zuständige Gericht am Dienstag mit. Über den Verlauf des Prozesses und das Urteil wird erst nach Abschluss der Verhandlung orientiert.

Der heute 19-Jährige war im Oktober letzten Jahres von der Jugendanwaltschaft des Kantons Aargau wegen Mordes angeklagt worden. Zudem fordert die Jugendanwaltschaft in ihrer Anklageschrift die Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt auf unbestimmte Zeit und eine ambulante Behandlung.

Der Schweizer soll zur Höchststrafe im Jugendstrafrecht verurteilt werden, nämlich zu einem Freiheitsentzug von vier Jahren. Die Strafe und die Massnahme enden gemäss Jugendstrafrecht mit Vollendung des 22. Altersjahrs des Täters.

Es gilt jedoch als kaum wahrscheinlich, dass der Mann dann freikommen wird. Danach könne eine fürsorgerische Freiheitsentziehung beantragt werden, hatte es von Seiten der Aargauer Staatsanwaltschaft im Oktober geheissen.

Geständnis rund ein Jahr nach der Tat

Der Angeklagte hatte Mitte 2010 in der Untersuchungshaft die Tat gestanden. Er gab zu, das Mädchen mit einem Holzscheit erschlagen zu haben. Die menschlichen Überreste des Opfers waren im Juni 2010, erst zehn Monate nach dem Verschwinden, in Sessa TI aufgefunden worden.

Die Vietnamesin aus dem Kanton Schwyz war seit August 2009 als vermisst gemeldet. Sie war damals mit dem Zug ins Tessin gefahren anstatt nach Zürich, wie sie ihren Eltern angekündigt hatte. Dort trafen sich das Mädchen und der Jugendliche erstmals. Sie kannten sich bereits seit etwa zwei Jahren aus dem Internet aus Chats und Online-Spielen sowie von Telefongesprächen.

Nach der Tat hatte der Jugendliche die Leiche einige Meter über den Waldboden geschleift und hinter Sträuchern versteckt. Er nahm einige Gegenstände des Opfers an sich, darunter das Handy. Darauf ging er in die Ferienwohnung seiner Eltern zurück, wo er sich nichts anmerken liess.

Der Jugendliche wurde am 23. Juni 2010 an seinem Wohnort im Aargau verhaftet. Aufgrund ausgewerteter Handy-Daten hatte die Polizei den Schweizer bereits im August 2009 befragt. (sda)