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MÜHLAU: «Meine Bilder sind ungenau und voller Fehler»

Im Wohnhaus von Lehrer Stefan Diethelm findet am 25. August bereits die dritte Vernissage statt. Ausgestellt werden grossformatige Aquarelle und Acrylbilder einer Ostschweizer Künstlerin.
Der Gastgeber Stefan Diethelm und die Künstlerin Edith Thurnherr vor einer ihrer Stadtansichten in Acryl. (Bild: C)

Der Gastgeber Stefan Diethelm und die Künstlerin Edith Thurnherr vor einer ihrer Stadtansichten in Acryl. (Bild: C)

Ein reduzierter, geradliniger Neubau, Sichtbeton und Holz, spärlich möbliert, das Wohngeschoss offen bis unters Dach: Das Einfamilienhaus von Stefan Diethelm in Mühlau stellt eine ideale Galerie für die grossformatigen Bilder der Ostschweizer Künstlerin Edith Thurnherr dar. In kraftvollen Farben gehalten, strahlen ihre Aquarelle und Acrylbilder eine solch körperliche Lebendigkeit aus, dass sie fast dreidimensional wirken und den Betrachter sofort in ihren Bann ziehen. Es sind eingefangene Augenblicke, die eine Vielzahl an Geheimnissen bergen, welche sie erst nach und nach preisgeben. Mit jedem Blick entdeckt man neue Details, Nuancen und Stimmungen.

«Ich arbeite möglichst frei», erklärt Edith Thurnherr. «Kunst ist für mich nicht starr, sondern lebendig und veränderbar.» Es zieht sich also schon mal eine von der Schwerkraft mit überschüssiger Farbe gezogene Spur über die Leinwand, was überhaupt nicht stört, eher im Gegenteil. «Solche Schleier regen die Fantasie an. Meine Bilder sind ungenau und voller Fehler in Bezug auf Perspektive und Darstellung. Das geschieht aber ganz bewusst, es gibt dem Betrachter die Möglichkeit der eigenen Interpretation», betont die Malerin. Sie ist zeit ihres Lebens kreativ gewesen, hat Bilder und Skulpturen hergestellt. «Ich bin ein Schöngeist. Ich liebe schöne Dinge und bin immer auf der Suche nach dem Erhabenen, das die Seele berührt.» Die gelernte medizinisch-technische Praxisassistentin bildete sich an Kursen im In- und Ausland weiter. Als Autodidaktin gestaltete sich für sie die Suche nach Ausstellungsmöglichkeiten schwierig, für ihr künstlerisches Empfinden jedoch erwies sich ihr Werdegang als Vorteil: «Ich wurde nicht geformt nach schulischen Mustern und konnte meine Kreativität deshalb frei entfalten.»

Dennoch ist die talentierte Künstlerin mit ihren Werken weit herumgekommen. Sie hat bereits in der Schweiz, Deutschland, Holland, England und Schottland ausgestellt und Preise gewonnen. Mit der eigenen Erfahrung und der Kritik von aussen ist sie gewachsen. An Kursen gibt sie ihr Wissen weiter.

Die verwelkende Vergänglichkeit

Die Motive ihrer Aquarelle sind Blumen, Landschaften, Stillleben und Städte. Wobei sie nicht nur das blühende Leben relativ naturalistisch darstellt, sondern auch die verwelkende Vergänglichkeit. Städte wie New York bannt Thurnherr in Acryl. Die abstrakten Bilder sind manchmal mehrteilig, wie durch eine Weitwinkelkamera eingefangen und zusammengesetzt. Der Bruch ist reizvoll, beruhigt das Auge, denn hier pulsiert das Leben in fast verwirrender Vielfalt zwischen Verkehrschaos und schillernden Leuchtreklamen in der matten Dämmerung oder am helllichten Tag. Es sind Bilder, die man sich gern ins Wohnzimmer hängt. Kraftvolle Werke, die vom Sofa aus einen Blick in die weite Welt gewähren, voller Tiefe, beruhigend und anregend zugleich. Die Farben für ihre Acrylbilder mischt Thurnherr selbst. Sie fügt dem Acrylbinder Farb- und Glimmerpigmente bei, die das Licht reflektieren und immer wieder neue Effekte erzielen.

«Es ist für mich ein Luxus, wenn ich für zwei bis drei Wochen schöne Bilder um mich haben kann und Kunstinteressierte in meinem Haus willkommen heissen darf», erklärt der Gastgeber Stefan Diethelm. Manchmal diskutiere er dabei mit wildfremden Menschen über Gott und die Welt. «Die Bilder leben, erzählen in der Nacht ganz andere Geschichten als am Tag. Das ist toll, ich komme mir dann ganz wichtig vor», gesteht er mit einem Augenzwinkern. Die beiden bisherigen Ausstellungen seien sehr er­folgreich verlaufen, die Besucher ­seien von weit her gekommen und hätten viele Bilder gekauft. Diethelm hat seit seiner Kindheit ein waches Interesse an Kunst aller Art. Von jedem der Maler, die bei ihm ausgestellt haben, besitzt er ein Werk. «Sie sind für mich die Erinnerung an eine schöne Zeit.»

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch

Hinweis

25. August* Vernissage, ab 19 Uhr; 26. August*, 17 bis 21 Uhr; 27. August, 15 bis 19 Uhr; 1., 2., 8. und 9. September*, 18 bis 21 Uhr, oder auf Anfrage (*Künstlerin anwesend) www.watercolour.ch und www.fugodiethelm.ch.

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