MUOTATHAL: Der Patient ist zu dick für die Röhre

Der Güdelmontag ist in Muotathal jeweils der Tag der Schnitzelbänke. Auch gestern lasen und sangen die Fasnächtler aus diesem Dorf-Sündenregister.

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Muotathaler Fasnächtler singen vor dem Restaurant Schönenboden in Bisisthal ihre «Schnitzulbank». (Bild Bert Schnüriger/Neue SZ)

Muotathaler Fasnächtler singen vor dem Restaurant Schönenboden in Bisisthal ihre «Schnitzulbank». (Bild Bert Schnüriger/Neue SZ)

Es ist eine fröhliche Runde, die sich an diesem Güdelmontagmorgen im Bisisthaler Restaurant Schönenboden trifft. Bei Schwyzerörgelimusik und Naturjodel sitzen kostümierte junge Männer hinter Kaffeegläsern und bringen sich in Stimmung: die Fasnachtsgesellschaft Muotathal. Sie startet hier ihre Schnitzelbanktour durch die grosse Gemeinde. Das Restaurant Schönenboden fast zuhinterst im Thal haben die Fasnächtler heute erst nach einer kilometerlangen Fahrt zwischen meterhohen Schneemauern und durch dichtes Schneetreiben erreicht.

Draussen im Schnee
Um halb elf kommt für die jungen Männer der Auftritt draussen vor dem Restaurant. Da warten schon etwa 60 einheimische Zuhörer im Schnee. Zunächst tritt jetzt der Täfeliträger in Aktion: Ein Mann hält an einem Stecken eine Bildtafel in die Höhe, auf der selbst gezeichnete Illustrationen zu den Sprüchen zu sehen sind, die mit viel «Jupeidii und jupeidaa» zu Schwyzerörgelibegleitung jetzt von den kostümierten Männern gesungen werden. Die Fasnächtler zeigen mit ihren Stöcken auf die entsprechende Illustration und tragen ihr Dorf-Sündenregister vor. Und weil vielleicht nicht alle Zuhörer die Spässe verstanden haben, wird die «Schnitzulbank», wie sie hier heisst, nachher noch vorgelesen – diesmal ohne «jupeidii und jupeidaa».

Radio zersägt
Da ist etwa die Rede von einem, der im Spital im Computertomografen hätte geröntgt werden sollen, aber zu dick war für die Röhre. An einen anderen Ort hätten sie ihn dann eingewiesen, «die lustige Chöge: Im Tierspital hed er due dur d? Röhre dure möge.»

Ein anderer Einheimischer war offenbar mit dem Radioprogramm unzufrieden. Er rückte seinem Radiogerät mit Bajonett und Hammer zu Leibe und konnte es trotzdem nicht zum Schweigen bringen. Abhilfe schaffte erst ein anderes Werkzeug: eine Säge. Wenn Muotathaler feiern, dann richtig. So ging es auch bei einem Abschlussfest der zweiten Muotathaler Fussballmannschaft hoch her. Laut der Schnitzelbank allerdings hat man dabei «übertribe, i dere Beiz isch nümme viel ganz blibe.»

Zu viel getrunken
Ansonsten ist in der diesjährigen «Schnitzulbank» viel die Rede von Leuten, die letztes Jahr zu tief ins Glas geschaut hatten und von dessen Folgen oder von nächtlichem Unfug. Oder von jener Frau, die einen Mann per SMS anfragte, ob sie in dieser Nacht in seinem Bett noch Platz fände. Beim Erwachen war der Mann dann etwas «verläge, es isch die Lätz füdliblutt binem zueche gläge.»

Missgeschicke
Nach dem vormittäglichen Auftritt in Bisisthal tragen die Fasnächtler ihre Reime am Güdelmontagnachmittag auch an mehreren Orten im Ried und im Dorf Muotathal vor. Welchen Personen all die geschilderten Missgeschicke passierten, verrät die Muotathaler Schnitzelbank nicht. «Die Leute merken jeweils trotzdem, wen wir damit meinen», sagt einer der Fasnächtler zur Neuen SZ. Überhaupt sei es jedes Jahr eine grosse Arbeit, eine «Schnitzulbank z? dichte. Aber d? Lüüt wüssid nachher öppis z? prichte.» Am Ende der Schnitzelbank heisst es, dies genüge «jetz wider fürnes Jahr. Was mer prichtet hend, isch meh oder weniger wahr.»

Bert Schnüriger