Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

MUOTATHAL: Eklat in Schwyzer Alpkäserei

Die Chemie zwischen dem Betriebsleiter der Alpkäserei Pragel-Bödmeren und vier Milchlieferanten stimmt seit Jahren nicht mehr. Die Vorwürfe sind happig. Nun hat der Betriebsleiter gekündigt – erneut.
Der Schein trügt: In der Alpkäserei Pragel-Bödmeren brodelt es, die Zukunft ist wegen sturer Zulieferer ungewiss. (Bild: PD)

Der Schein trügt: In der Alpkäserei Pragel-Bödmeren brodelt es, die Zukunft ist wegen sturer Zulieferer ungewiss. (Bild: PD)

Toni Holdener ist eidgenössisch diplomierter Käsermeister und führte während acht Jahren eine grosse Alpkäserei im St. Galler Weisstannental. Er hatte bei Antritt der Stelle am Pragel eigene Rezepturen im Sack, die bei den Konsumenten sehr gut ankamen. «Nur die Qualität überlebt im hart umkämpften Markt», nennt er sein eigentliches Erfolgsrezept. Die zahlreichen regionalen und nationalen Auszeichnungen würden von seinem hohen Qualitätsstandard zeugen.

So weit, so gut. Im Sommer 2012 macht Holdener aber eine unliebsame Entdeckung: Ihm fiel auf, dass die abgelieferte Milch nicht die Menge Käse hergab, die sie sollte. Eine Überprüfung ­zeigte, dass ein Lieferant die Milch mit Wasser gestreckt hatte. Das Missgeschick passierte im Zusammenhang mit dem Reinigungsprozess der Melkanlage, wie Holdener aufzeigen konnte.

Betriebsleiter fühlt sich im Stich gelassen

Doch in den folgenden beiden Sommern wiederholte sich die- se Unregelmässigkeit. Holdener stellte den Lieferanten zur Rede und verständigte auch den ­Vorstand der Käserei. «Das Schlimmste für mich war, dass der Vorstand nicht hinter mir stand. Es ging ja immer nur um die Qualität der Milch und darum, einen geregelten Arbeitsablauf im Betrieb sicherzustellen», stellt Toni Holdener klar. Weil die Differenzen unüberbrückbar schienen, kündigte er vor drei Jahren schon einmal. Doch die Älpler, die hinter ihm standen, konnten ihn dazu bewegen, weiterzumachen. Holdener bestand darauf, dass alle die Vorgaben des Milchkaufvertrags unterschreiben und befolgen, in dem die Qualität und die Milchlieferzeiten festgehalten sind.

Doch die Qualitätsprobleme wiederholten sich, meist mit ­denselben Milchlieferanten. Ein schwerwiegender Fall im Sommer 2017 brachte das Fass zum Überlaufen: Einer hatte den Rohstoff zu lange bei sich gelagert und die versteckte Milch ohne Holdeners Wissen in der Alp­käserei abgeladen, sodass der ganze Sud von 3800 Litern unbrauchbar wurde. Holdener meldete den Vorfall dem Vorstand, vermisste dann aber eine eindeutige Stellungnahme von dieser Seite. Das Vertrauen war erschüttert, sodass er kündigte.

Krisensitzung musste abgebrochen werden

«Wir hatten viele ‹chibige› Sitzungen», sagt Othmar Reichmuth, Kassier der Genossenschaft Alpprodukte Pragel-Bödmeren und derzeit Landammann des Kantons Schwyz. «Wir haben darauf hingearbeitet, dass es für alle Parteien tragbare Lösungen gibt. Leider ist es jetzt zum Eklat gekommen, was wir sehr bedauern. Natürlich haben wir Fehler gemacht – im Nachhinein ist eine Beurteilung immer einfacher», sagt Reichmuth, der als damaliger Geschäftsführer der Oberallmeindkorporation Schwyz Gründungsmitglied der Genossenschaft ist.

Im Dezember 2017 wurde Holdener an einer Sitzung der Milchlieferanten persönlich massiv angegriffen. «Sie warfen mir vor, die schwere Erkrankung meiner Frau als Druckmittel einzusetzen. Das konnte ich nicht mehr wegstecken», erzählt Toni Holdener. Der Vorstand blieb stumm. Der Wortwechsel zwischen den zwei Fraktionen der Genossenschaft wurde so laut, dass die Sitzung abgebrochen werden musste.

Weil sich niemand auf eine Stellenausschreibung meldete, gelangte der Vorstand erneut an Holdener. Bis zur ausserordentlichen Versammlung am 5. Februar dieses Jahres hatten 10 der 14 Milchlieferanten die neuen vom Vorstand ausgearbeiteten Vertragsbestimmungen unterzeichnet. Die Opponenten weigerten sich aber, Hand zu bieten. Damit war für Holdener definitiv klar: Ein weiterer Alpsommer kommt für ihn nicht in Frage.

«Schade, wir waren gerne auf der Pragelkäserei», sagt er. «Ein generelles Problem ist, dass von einigen Lieferanten der Genossenschaftsgedanke nicht gelebt wird.» Es seien vor allem vier Älpler, die gegen ihn arbeiteten. «Statt am gleichen Strick zu ziehen und die Alpmilch möglichst gut zu verarbeiten und zu ­vermarkten, war ich für diese vier wie ein Überlaufgefäss. Sie brachten mir ihre Milch, wenn wir selber schon zu viel hatten und die Käsekeller voll waren. Als ich jedoch Milch hätte brauchen können, um die grosse Nachfrage von Coop und die weitere Kundschaft zu befriedigen, stellten sie sich quer. Mit solchen Leuten teile ich meinen Alltag nicht mehr», erklärt er seinen Schlussstrich unter das Thema Pragelkäserei

Franz Steinegger

zentralschweiz@luzernerzeitung.ch

Dank Qualitätsbewusstsein und guter Vermarktung konnte Toni Holdener jährlich 38 Tonnen selbstproduzierten Käse verkaufen. (Bild: PD)

Dank Qualitätsbewusstsein und guter Vermarktung konnte Toni Holdener jährlich 38 Tonnen selbstproduzierten Käse verkaufen. (Bild: PD)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.