MUOTATHAL: Touristengruppe muss im Hölloch übernachten

Im Hölloch ist eine achtköpfige Expedition nach einem Wassereinbruch eingeschlossen. Die Männer einer Touristengruppe sind wohlauf. Noch ist nicht klar, wann sie ins Freie können. Es könnte Dienstag werden. Oder auch später, je nach Regen.
Ein Blick ins Hölloch. (Archivbild: Philipp Schmidli)

Ein Blick ins Hölloch. (Archivbild: Philipp Schmidli)

Am Samstagmorgen begab sich im Muotathal eine Gruppe von acht Männern unter Leitung eines diplomierten Höhlenführers auf eine Zweitages-Biwak-Expedition ins Hölloch. Am frühen Sonntagmorgen konnten die Männer wegen eines Wassereinbruches die Höhle nicht mehr über den Hauptausgang verlassen. Ein Bach war übergeschwappt.

Die acht eingeschlossenen Männer aus der Deutschschweiz im Alter zwischen 25 und 55 Jahren befinden sich zurzeit in einem hochwassersicheren Biwak. Die Einsatzkräfte der Rettungskolonne Muotathal der Speleo-Secours Schweiz wurden aufgeboten.

Vier Männer machten sich am Sonntag auf dem Weg zu den unverletzten Eingeschlossenen, um diese zu betreuen. Für die routinierten Höhlenspezialisten war es über einen alternativen Eingang möglich, ins Biwak zu gelangen. Der Touristengruppe aus der Deutschschweiz will man diesen anspruchsvollen Rückweg nicht zumuten. Die Rettungskräfte werden vorderhand bei der Achtergruppe im Biwak bleiben.

Nur sechs Grad warm

Die Einsatzleitung, einquartiert im Feuerwehrgebäude Muotathal, steht in Kontakt mit den Männern im Biwak und deren Angehörigen. Es lässt sich momentan nicht abschätzen, wann die Eingeschlossenen das Hölloch wieder verlassen können.

Der Weg nach draussen ist knapp drei Kilometer lang. Zwar sei es in der Höhle nur gerade sechs Grad warm, die Männer aber hätten genug Material bei sich und seien gut versorgt, so Rettungseinsatzleiter Franz Auf der Maur. Die Einsatzkräfte brachten Akkus für die Stirnlampen mit.

An eine Rettung in der Nacht ist jedenfalls nicht zu denken. Es könnte Montag oder Dienstag werden, bis der Wasserpegel genügend gesunken ist. Allenfalls wird es noch später. Laut den neusten Wetterprognosen dürfte es weiterhin regnen. Das ist kein gutes Zeichen. Die Einsatzleitung wird die Lage in 12-Stunden-Schritten neu beurteilen.

Das Hölloch im Muotathal gilt als eines der grössten Höhlensysteme der Welt. Immer wieder werden Höhlenbesucher eingeschlossen – meistens im Winter, der sich des tiefen Wasserstandes wegen am besten für Expeditionen eignet. 1952 war eine Gruppe von Höhlenforschern ganze zehn Tage eingeschlossen – der damals 18-jährige Lothar Kaiser blickte vor einem Jahr für unsere Zeitung zurück («Als ich rauskam, war die Welt eine andere»).

pd/gh/sda


Kommunikation dank Höhlen-SMS

Mit der eingeschlossenen Gruppe kann nicht direkt gesprochen werden. Es gibt keinen Funkempfang in der Höhle. Da kommt eine relativ neuartige Technologie wie gerufen. Mit der Achtergruppe kann über einen sogenannten Cave-Link kommuniziert werden, eine Art SMS für Höhlensysteme.

Das Gerät wurde von Felix Ziegler entwickelt. Cave-Link schickt und empfängt schwache Stromstösse durch den Fels, Buchstabe für Buchstabe. Die Reichweite ist begrenzt, dank Repeatern ist das Hölloch aber im Wesentlichen verlässlich erreichbar.

Das Hölloch nahm in der Cave-Link-Einführung eine Pionierrolle wahr. Vor etwa 10 Jahren wurde hier das System als Premiere eingeführt und kommt seither in aller Welt zum Einsatz. gh

Über diese Cave-Link-Geräte ist man mit den Eingeschlossenen in Kontakt. (Bild: Geri Holdener, Bote der Urschweiz)

Über diese Cave-Link-Geräte ist man mit den Eingeschlossenen in Kontakt. (Bild: Geri Holdener, Bote der Urschweiz)

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