MUOTATHAL: Zwei Einbrüche in einer Woche erlebt

Sie hat Bombenanschläge in Bogotá, Malaria an der Elfenbeinküste und Einbrüche in Johannesburg überlebt: Monika Gwerder arbeitet für die Schweizer Botschaft. Bald folgt der nächste Einsatz.

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«Es ist immer beruhigend zu wissen, dass ich jederzeit in die Schweiz zurückkann», sagt Monika Gwerder. (Bild: Andrea Schelbert / Neue SZ)

«Es ist immer beruhigend zu wissen, dass ich jederzeit in die Schweiz zurückkann», sagt Monika Gwerder. (Bild: Andrea Schelbert / Neue SZ)

«Es gibt keine Zufälle im Leben. Was für dich bestimmt ist, kann man nicht aufhalten.» Mit dieser Einstellung lebt Monika Gwerder. Sie besitzt eine mentale Stärke, ein Urvertrauen, das ihr abenteuerliches Leben sicher einfacher macht. Monika Gwerder ist seit 1989 für die Schweizer Botschaft tätig. Die 51-Jährige geniesst zurzeit ihre Ferien in Muotathal. Zwar spricht sie nur ungern über gefährliche Situationen. Doch gegen Ende des Gesprächs erzählt die Muotathalerin doch von einigen Erlebnissen. Schon bei ihrem ersten Einsatz in Bogotá/Kolumbien wurden mehrere Bombenanschläge verübt. «Zweimal war ich ganz in der Nähe, als Bomben explodiert sind. Solche Situationen machen mir nichts aus. Ich bin keine ängstliche Frau», sagt die Muotathalerin dazu. Dass sie an der Elfenbeinküste zweimal an Malaria erkrankt ist, sagt sie ganz beiläufig.

Kriminalität in Südafrika

Monika Gwerder ist nicht schnell aus der Ruhe zu bringen. Vom bewaffneten Einbruch in Johannesburg erzählt sie mit ruhiger Stimme. «Ich lag im Bett, als ich plötzlich Stimmen und Schritte wahrgenommen habe. Einen kurzen Moment verspürte ich Angst, doch ich habe sofort auf den Panik-Button gedrückt.» Darauf sei der Alarm losgegangen, und die Einbrecher hätten sich aus dem Staub gemacht. Wenige Minuten später tauchte die Sicherheitspolizei auf. Bereits eine Woche später sei erneut eingebrochen worden. «Ich bin wütend geworden», erklärt Gwerder. Wieder habe sie den Knopf gedrückt, wieder seien die Einbrecher verschwunden. «Darauf hat mir der Hausbesitzer auf meinen Wunsch einen elektrischen Zaun ums Haus gebaut. So hatte ich Ruhe.» Die Kriminalität in Südafrika sei damals schlimm gewesen. Dies führte zu besonderen Massnahmen: Wenn Monika Gwerder nachts mit dem Auto nach Hause kam, fuhr sie erst an ihrem Haus vorbei und kontrollierte, ob sich niemand in den Büschen versteckt hatte. Erst wenn dies nicht der Fall war, kehrte sie um und fuhr in ihre Garage. «Vielleicht sehe ich die Gefahren weniger oder will sie nicht wahrhaben», sagt die Botschaftsangestellte auf solche Situationen angesprochen. Gefahren gebe es letztlich überall auf der Welt. «Man darf das Glück einfach nicht herausfordern.»

«Das hat mich geprägt»

Natürlich erlebt Monika Gwerder bei ihren Einsätzen, die jeweils zwei bis vier Jahre dauern, hauptsächlich positive Sachen. Sie schwärmt von Indien, wo sie von Januar 2011 bis Ende 2012 gastierte. «Indien war faszinierend und zugleich anstrengend. Diese Massen von Leuten, der ständige Krach, das Chaos und der Dreck! Man konnte nirgendwohin, ohne dass man von Hunderten von Menschen umgeben war.» Über 1,2 Milliarden Menschenleben auf dem Subkontinent. Und die Gegensätze von Armut und Reichtum sind kaum in einem anderen Land grösser: «Ein sehr reicher Mann hat in Mumbai für sich und seine 4-köpfige Familie ein 29-stöckiges Haus gebaut. Und unmittelbar daneben schlafen arme und invalide Menschen auf der Strasse», erzählt Gwerder. Die Muotathalerin hat beeindruckt, wie in Indien Hindus, Moslems, Christen, Buddhisten und viele andere Religionsgruppen grösstenteils friedlich zusammenleben. «Das hat mich geprägt.» Mit der Armut habe sie gelernt umzugehen. «Ich war fast immer in Entwicklungsländern tätig. Ich tue, was ich kann, doch die Welt verändern kann ich nicht. Indien hat mir auch gezeigt, dass die Inder die Armut anders auffassen als wir Europäer. Sie beklagen sich nicht und sind vielfach zufrieden.» Das habe ihr geholfen, solche Situationen zu akzeptieren.

Doch wie nimmt eine Schweizerin, welche die letzten 24 Jahre ihres Lebens grösstenteils im Ausland verbracht hat, die Schweiz wahr? «Sicher sind mir die vielen Privilegien, die wir in der Schweiz haben, noch bewusster geworden. Ich schätze Sachen, die bei uns in der Schweiz selbstverständlich sind.» Monika Gwerder deutet auf das Glas Wasser, das auf dem Tisch steht. «Solches Wasser aus der Quelle kann ich sonst nirgendwo trinken. Auch die Luftqualität, die Ruhe und das organisierte Leben in der Schweiz schätze ich. Ich habe im Ausland oft korrupte Situationen erlebt. Hier in der Schweiz hingegen bekommt man gewisse Sachen einfach, weil man ein Recht darauf hat und nicht weil man dafür Schmiergeld bezahlt.» Mehr Gerechtigkeit auf der Welt ist darum ein grosser Wunsch von Monika Gwerder. Fragt man sie, ob sie sich vorstellen könne, wieder in der Schweiz zu leben, antwortet sie: «Es ist immer beruhigend zu wissen, dass ich jederzeit in die Schweiz zurückkann. Im Moment möchte ich aber nicht in der Schweiz leben. Ich bin zu unruhig, es wartet noch so viel auf mich, das ich sehen möchte.»

Andrea Schelbert