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MURI: Als elf Ärzte für eine Region ausreichten

Der Freiämter Ärzteverband feiert sein 150-jähriges Bestehen. Obschon sich seit 1867 eine Menge verändert hat, sind einige Ziele und Herausforderungen gleich geblieben.
Der Aderlass ist zur Gründungszeit des Freiämter Ärzteverbands und noch lange danach ein Allerheilmittel. (Bild: Festschrift Freiämter Ärzteverband)

Der Aderlass ist zur Gründungszeit des Freiämter Ärzteverbands und noch lange danach ein Allerheilmittel. (Bild: Festschrift Freiämter Ärzteverband)

Es waren andere Zeiten: Als der Freiämter Ärzteverband (FÄV) gegründet wurde – unter einem sperrigen Namen –, erhielt an der Universität Zürich die erste Frau in der Schweiz die Doktorwürde verliehen. 1867 war das, seither hat sich nicht nur in Bezug auf die Feminisierung einiges getan. Waren im Gründungsjahr elf Ärzte im FÄV organisiert, sind es 150 Jahre später deren 169, nicht mehr Berufstätige eingerechnet. Die 120 heute angeschlossenen Praxen sind auf elf Ortschaften verteilt, damals waren es elf Praxen in sechs Siedlungen. Nur in den grösseren Gemeinden Muri, Wohlen und Bremgarten gab es durchgehend mindestens eine Praxis, die Standorte Bünzen, Hägglingen und Hermetschwil waren nur vorübergehend.

Das alles und noch viel mehr steht in der lesenswerten, da kurzweiligen und auch kritischen Festschrift, die anlässlich des Jubiläums erschienen ist. Die vier Autoren Urs Pilgrim, Albert Bihr, Paul Beuchat und Peter Käch konnten die Geschichte dank «lückenlos vorhandener Protokolle» nachvollziehen.

Kürzlich informierte der FÄV über den – nicht öffentlichen – Jubiläumsanlass vom 2. September. Dass diese Orientierung in Muri stattfand, ist nicht zufällig: 1908 wurde hier das Kreisspital eröffnet, das den Freiämter Ärzten stets als naheliegender Ort zur Fortbildung diente – und als Möglichkeit zum gemeinsamen Speis und Trank, wie die Festschrift ausführt. Weiterbildung und Geselligkeit sind zwei Ziele, die der FÄV damals wie heute verfolgt. Darüber hinaus haben sich die Herausforderungen verändert, wie aus der Festschrift hervorgeht: Im 19. Jahrhundert wurde die Kindersterblichkeit von fast 50 Prozent während der ersten zehn Lebensjahre gewissermassen in Muri als gottgegeben hingenommen, und der Aderlass galt als Heilmittel gegen verschiedene Krankheiten. Heute sind es die zahlreichen administrativen Vorgaben, der Ärztemangel auf dem Land – und vor allem die Finanzen. «Die ärztliche Einzelpraxis wird es schwer haben, die Leistungen kostendeckend zu erbringen», heisst es dazu unter an­derem.

Teure Geburtshilfe

Die Höhe der Tarife ist fast seit der Gründung des FÄV ein Dauerthema. Die ersten schriftlich überlieferten Beträge datieren von 1877. Im «Sternen» in Wohlen wurde beispielsweise festgelegt: Arztbesuche im Wohnort des Mediziners kosteten 1 Franken, und für «ärztliche Zeugnisse fürs Militär» waren 2 Franken zu entrichten. Kinder kamen einen übrigens schon damals teuer zu stehen: «Geburtshilfl. Verrichtungen» schlugen mit 25 Franken zu Buche.

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Hinweis: Die Festschrift kann zum Preis von 7 Franken an den folgenden Orten bezogen werden: Bremgarten: Buchhandlung Furrer. Muri: Muri Info, Papeterie Huber & Sohn.

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