MURI: Gehen die Primarschüler bald schwimmen?

Die Gemeindeversammlung hat sich bereits für die Einführung von Blockzeiten und Schwimmunterricht ausgesprochen. Eine IG hat 662 Unterschriften für ein Referendum gesammelt.
Gegen den Schwimmunterricht und die Blockzeiten in Muri wurde das Referendum ergriffen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 22. März 2013))

Gegen den Schwimmunterricht und die Blockzeiten in Muri wurde das Referendum ergriffen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 22. März 2013))

Vier Lektionen Unterricht am Morgen während fünf Schultagen: die grossen Blockzeiten. Mit den zusätzlichen Lektionen will die Schule Muri für alle Kinder der Unterstufe alternierend Schwimmunterricht im Hallenbad Ottenbach ZH anbieten. Des Weiteren erhalten die Schüler zwei zusätzliche Schulstunden, die zur Vertiefung des Unterrichtsstoffes genutzt werden können. Diese Projektidee würde jährlich rund 120 000 Franken kosten. Bereits an der Gemeindeversammlung im vergangenen November wurde darüber abgestimmt. Mit 176 Ja- und 109 Nein-Stimmen wurde die Einführung beschlossen.

Die IG pro Murianer Familie sammelte Unterschriften dagegen: «Wir haben in Gesprächen bemerkt, dass viele Murianer doch nicht mit dem Abstimmungsresultat einverstanden sind», erläutert Petra Senger von der IG. Am 18. Dezember überreichte die IG der Gemeindekanzlei total 662 gültige Unterschriften. Damit kommt die Einführung der Blockzeiten für die Unterstufe mit Schwimmunterricht und zusätzlichen Unterrichtslektionen am 4. März an die Urne.

Momentan läuft deshalb im «Freiämter» eine Serie, in der ein Komitee, zusammengesetzt aus dem Gemeinderat und der Schule Muri, im Vorfeld über die Referendumsabstimmung informiert. Die Idee zum Unterricht in Blockzeiten an der Primarschule sei als Reaktion auf geänderte gesellschaftliche Bedürfnisse gedacht, schreibt das Komitee. Weiter verweist es darauf, dass eine Mehrheit der Kantone die Blockzeiten bereits heute praktizieren.

Situation heute: Randstundenbetreuung

Heute gibt es ein freiwilliges und kostenloses Betreuungskonzept, mit welchem die unterrichtsfreien Stunden am Morgen abgedeckt werden. Diese «kleinen Blockzeiten mit Randstundenbetreuung» führte der Souverän auf das Schuljahr 2012/13 ein. Die Kindertagesstätte Wichtelburg übernimmt die Betreuung der Schüler. Fünf Jahre nach der Einführung zeige eine Analyse, dass das Angebot sehr viel weniger genutzt werde als ursprünglich angenommen, weiss das Komitee. Dies führe zu «unverhältnismässig hohen Betreuungskosten pro Kind». Die Einführung von umfassenden Blockzeiten komme aber nicht in Frage, da diese bereits von einem Initiativkomitee 2011 gefordert und damals vom Volk verworfen worden seien. Ein weiterer Punkt, der für die vorliegende gemeindliche Projektidee spreche, sei die Einführung des Lehrplans 21. Mit diesem werden «die Blockzeiten im ganzen Kanton obligatorisch eingeführt», ist bei der «Freiämter»-Serie zu lesen. Die Ortsparteien FDP, CVP und SP schliessen sich der Meinung des Gemeinderats an und werben mit einem gemeinsamen Flyer. Dort steht: «Hand aufs Herz: Es gibt keinen vernünftigen Grund, gegen Blockzeiten mit Schwimmunterricht zu stimmen.» Doris Gasser, Co-Präsidentin der SP Muri, sagt: «Mit einer Ablehnung der Blockzeiten geben wir ein rückwärts gerichtetes Zeichen.» So könne für Familien das Vorhandensein von Blockzeiten ein wichtiges Argument sein, in eine Gemeinde zu ziehen. «Muri sollte ausserdem als fortschrittliche und aufgeschlossene Gemeinde wahrgenommen werden», meint sie weiter. Die vorgeschlagene Lösung beurteilt die FDP in ihrer Medienmitteilung «als zeitgemäss und kostenvernünftig». Der CVP Präsident Felix Köpfli schaut über die Kantonsgrenzen hinaus. Zug kenne die Blockzeiten mit 27 und 28 Lektionen in der Unterstufe. «Wir in Muri haben ‹nur› 20 und 21 Lektionen, also ein Drittel weniger. Für mich ist dieser Zustand schon länger nicht mehr haltbar. Mit neu zirka 24 Lektionen könnte diese Lücke auf ein vernünftiges Mass reduziert werden», führt er aus.

Die IG pro Murianer Familie sieht das anders: «Wir sind der Meinung, dass Muri ein gut funktionierendes und familienfreundliches Schul- und Betreuungsmodell hat», sagt Petra Senger. Weiter spreche die Kürzung der Halbklassenlektionen dagegen. Die IG wünsche sich einen «sanften Einstieg in die Primarschule» und die Organisation des Schwimmunterrichts in Ottenbach sei keine gute Lösung, so ein Auszug aus den Argumenten der IG gegen die Einführung der Blockzeiten.

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

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