MURI: Offener Austausch über Cannabiskonsum

Zum vierten Mal fand das Elterncafé in der Schule Muri statt. Thematisiert wurde der Cannabiskonsum – und wie mit den Jugendlichen Lösungen gefunden werden können.
Nicht nur Alkohol trinken und fahren ist verboten. Auch Drogenmissbrauch führt zu Ausweisentzügen.Bild: Keystone

Nicht nur Alkohol trinken und fahren ist verboten. Auch Drogenmissbrauch führt zu Ausweisentzügen.Bild: Keystone

Pubertät ist für viele Jugendliche und deren Eltern keine einfache Zeit; Stress- und Konfliktpotential sind hoch. Und besonders in dieser Entwicklungszeit ist der eine oder andere Jugendliche geneigt, Drogen auszuprobieren. Dieser Problematik ist sich die Schule Muri bewusst, da sie immer wieder mit Cannabis auf dem Schulgelände in Kontakt gerät. «Ein gemeinsamer Blick von Eltern und Lehrern auf die Jugendlichen ist uns wichtig, deswegen möchten wir mit diesem Forum Raum für Austausch schaffen», sagt Tom Weber, Stufenleiter Bezirksschule Muri. Passend dazu fand daher am Dienstagabend das Elterncafé statt, bei dem eine Expertenrunde über die Schwierigkeiten und möglichen Lösungsansätze spricht.

Das stösst auf reges Interesse, zahlreiche Eltern finden sich in der Aula des Bezirksschulhauses ein. «Die wichtigste und erfolgreichste Methode ist, Schüler zu sensibilisieren, Konsequenzen aufzuzeigen und eine gemeinsame Haltung gegen das Kiffen einzunehmen», berichtet Weber aus Erfahrung. Die Schule Muri hat verschiedene Massnahmen getroffen, um gegen den Cannabiskonsum vorzugehen. So fanden Durchsuchungen der Polizei in der Schule statt, Gespräche mit Eltern und Jugendlichen wurden geführt und ein gemeinsames Wissen über die Folgen vom Kiffen hergestellt. «Mit diesen Massnahmen konnten wir etwas bewirken, die Brisanz von Cannabis an unserer Schule ist abgeflaut», meint Weber.

Jugendstrafrecht greift schon früh

Leicht sei dies jedoch nicht, so der Stufenleiter. Die Herausforderungen lägen darin, herauszufinden, was die Fakten sind, falsche Anschuldigungen zu vermeiden, abzuklären, wie dramatisch die Umstände tatsächlich seien und in wessen Zuständigkeit sich das Kind befindet. Eine wichtige Unterstützung, um gefährdete Jugendliche auszumachen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen, ist dabei das Kompetenzzentrum für Schulsozialarbeiter Muri. «Wichtig ist, dass ich in meiner Rolle als Vertrauensperson bleibe und vor allem den Dialog mit den Jugendlichen suche», berichtet Martin Schneider, Leiter des Zentrums. Bereits im Alter von zehn Jahren unterliegen Kinder dem Jugendstrafrecht. «Viele Jugendliche überrascht das und sie sind sich über die Folgen des Cannabiskonsums nicht bewusst», meint Simon Bachmann von der Jugendpolizei Muri. Aufklärung sei daher ein wichtiger Punkt, betont auch er.

Vernachlässigt werden, dürfe ebenso die Prävention nicht. Denn statt eine Lösung zu finden, wenn der Konsum schon stattgefunden hat, wäre es laut den Verantwortlichen wünschenswert, dass es gar nicht erst dazu kommt. «Zu wenig Anerkennung durch die Eltern und Stress führen bei Jugendlichen oftmals zu Ersatzlösungen wie Drogenkonsum, Essstörungen oder Mediensucht», weiss Bettina Pelosi von der Suchtprävention Aargau. Jugendliche probierten gerne aus, handelten öfter unvernünftig. «Wenn ein Kind das Gefühl hat, anerkannt und geliebt zu werden, ist das Risiko geringer, dass es zum Joint greift», erklärt die Expertin. «Eine stabile Eltern-Kind-Beziehung ist entscheidend», bestätigt auch Martin Schneider vom Kompetenzzentrum. Und selbst wenn der Jugendliche gekifft haben sollte, dann sei es doch wichtig, gemeinsam das Problem zu lösen, Empathie zu zeigen, und das Kind wahrzunehmen, findet Pelosi.

Ein Elterncafé am Dienstagabend also, welches informiert, Ängste nimmt, Lösungen aufzeigt und in einem anschliessenden Apero die Gelegenheit für Austausch bietet.

Vanessa Varisco

redaktion@zugerzeitung.ch

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