NACHWUCHS: Schwierige Suche für Guuggen

Mehrere Guuggen im Kanton Schwyz haben Mühe, geeigneten Nachwuchs zu finden. Um abtretende Aktivmitglieder ersetzen zu können, ist Kreativität gefragt.

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Die Guuggenmusig Rampassä Schwyz veranstaltet jeden Frühling einen Info-Apéro, um für Neumitglieder zu werben. (Bild Laura Vercellone/Neue SZ)

Die Guuggenmusig Rampassä Schwyz veranstaltet jeden Frühling einen Info-Apéro, um für Neumitglieder zu werben. (Bild Laura Vercellone/Neue SZ)

«Irgendeinmal muss man den Mut haben, Stopp zu sagen.» Dazu sahen sich die Talchessler Schwyz gezwungen, als sich die Mitgliederzahl immer mehr reduzierte. Laut Renato Colombo wollte man den Verein aber nicht einfach auflösen. Deshalb haben die restlichen Mitglieder dieses Jahr einen Freizeitverein gegründet. «Den Namen haben wir beibehalten. Jetzt müssen wir nur noch schauen, welche Veranstaltungen wir planen.»

Bereits im Jahr 2004 hatten die Schwyzer Guuggen Mühe, neue Mitglieder zu finden. «Eigentlich haben wir den Stand von 55 Mitgliedern lange halten können. Plötzlich sind aber einige miteinander ausgetreten, bis wir schliesslich nur noch 20 Aktive waren», erklärt Colombo. Der Stamm des Vereins entschloss sich zu handeln und gründete den Freizeitverein. Die noch rund 16 übrig gebliebenen Mitglieder geniessen nun die Fasnacht auf andere Weise. Ohne Instrumente werden die Talchessler dennoch an einigen Umzügen, so auch in Deutschland, anzutreffen sein.

Auch andere mit Problemen
Nicht nur den Talchesslern Schwyz bereitete die Nachwuchssuche Mühe. Auch andere Guuggen müssen sich etwas einfallen lassen, um geeignete Einsteiger zu finden. «Auch wir kämpfen mit Nachwuchsproblemen respektive mit fehlendem qualitativem Zuwachs», teilt Christian Kiefer, Präsident der Notäwürger Seewen, mit. «Heutzutage ist es offenbar so, dass sich junge Menschen nicht mehr an einen Verein beziehungsweise an die damit verbundenen Verpflichtungen binden wollen», meint Kiefer. Das Problem sei somit, dass viele nach kurzer Zeit wieder austreten. Dennoch hatte die Seebner Guugge Glück: Die acht Austritte konnten mit ebenso vielen Neumitgliedern gedeckt werden, sodass der Verein nun 45 Aktive zählt.

Laut Christoph Bosshard von den Blächchutzelern Küssnacht gestaltet sich die Suche manchmal schwierig, weil es viele Guuggenmusigen gibt: «Es ist nicht einfach, in Küssnacht selber genügend Neumitglieder zu finden, da wir sehr viele Guuggen haben.» Die Blächchutzeler mussten letztes Jahr neun Abgänge verzeichnen, davon konnten sie drei Plätze wieder besetzen.

Werbung dient der Suche
Um neue Mitglieder zu finden, ist auch Kreativität gefragt. Die Bogäspeuzer von Steinen inserieren häufig oder werben in der Dorfzeitung von Steinen um Nachwuchs. «Ab und zu besuchen wir die Oberstufe, um den Verein vorzustellen», so Präsident Markus Ulli.
Auch die Muotathaler Hölloch-Pfupfer inserieren regelmässig. Mit Hilfe des Monatsblatts, das an alle Haushaltungen gelangt, wollen auch sie auf ihren Verein aufmerksam machen. «Wir versuchen so, neue Mitglieder zu motivieren», erklärt Präsident René Betschart. Doch auch er weiss, dass dies nicht immer einfach ist: «Wie es so ist bei den Jungen, manchmal ist die Fasnacht mehr in, dann wieder weniger.»
Für Urs Kessler, Präsident der Mythechroser Schwyz, ist das grosse Vereinsangebot ein Grund für den fehlenden Nachwuchs. Deshalb setzen die Mythechroser ein Werbeteam ein, um für Neumitglieder zu werben.

Junge Guugger stehen gut da
Die Hohlgass-Rassler Immensee mit 47 Mitgliedern, Urmi-Schlegel Seewen mit 57 Aktiven und die Rampassä Schwyz mit 56 Aktiven müssen sich momentan nicht um Nachwuchs sorgen. «Wir sind guten Mutes, vor allem weil wir relativ jung sind», erklärt Thomas Kesseli, Präsident der Urmi-Schlegel. Dies erleichtere den Zugang zu Jugendlichen.

Ähnlich klingt es bei den Rampassä Schwyz: «Im Moment haben wir gar keine Probleme. Unsere Guugge ist so jung wie schon lange nicht mehr», so Beata Willi, Präsidentin der Rampassä Schwyz. Dennoch sind auch die Schwyzer bemüht, neue Mitglieder anzuwerben. «Wir veranstalten jeweils im Frühling einen Info-Apéro. Dabei werden potentielle Anwärter eingeladen, und es wird über Kosten und Abläufe informiert. Dies hat sich bewährt», so Willi.

Irene Infanger/Neue SZ