NEPAL: Ärztepaar inmitten des Bebens

Müde von ihrem Einsatz in einem Ohren-Camp fuhren Mercedes und Hans Peter Ogal am Samstag zum Flughafen dann wurden sie vom Erdbeben überrascht.

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Nepalesische Soldaten nehmen Hilfsgüter in der Nähe des Bezirks Gorkha in Empfang. Dort befand sich das Epizentrum des Bebens vom Samstag. (Bild: AP/Wally Santana)

Nepalesische Soldaten nehmen Hilfsgüter in der Nähe des Bezirks Gorkha in Empfang. Dort befand sich das Epizentrum des Bebens vom Samstag. (Bild: AP/Wally Santana)

Silvia Camenzind

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind etwa acht Millionen Menschen von dem schweren Erdbeben in Nepal betroffen. So viele Menschen, wie die Schweiz Einwohner hat. Unter ihnen waren auch Mercedes und Hans Peter Ogal. Die beiden Ärzte aus Brunnen wurden nach einem humanitären Einsatz auf dem Weg zum Flughafen vom Erdbeben überrascht.

Das grosse Warten

«Wir waren rund hundert Meter vom Haupteingang vom Flughafen entfernt. Wir sassen im Taxi, mitten auf der Strasse», erzählt die Brunner Kinderärztin Mercedes Ogal. Zuerst hätten sie und ihr Mann während der Fahrt nicht realisiert, was los war. Sie hatten an einen Unfall gedacht, dann wurde das Auto während rund 90 Sekunden geschüttelt. Mercedes Ogal sah eine Kuh, die sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Sie sah Autos, die es ineinanderschob, und Menschen, die aus dem Flughafengebäude flohen. Danach kam die Angst vor Nachbeben, das grosse Warten auf den Abflug, das Schlafen im Freien, eine Nacht vor dem Hotel, die darauffolgende vor der Schweizer Botschaft.

Patienten auf später vertröstet

Seit gestern Vormittag ist das Brunner Ärztepaar wieder zu Hause. Müde und erleichtert. Mercedes und Hans Peter Ogal reisten 2013 zum ersten Mal mit dem Brunner Hals-Nasen-Ohren-Arzt Lukas Eberle in ein «Ear Camp» nach Nepal. Vom 14. bis 22. April waren die beiden Ärzte wieder in Nepal im Einsatz, diesmal in Rolpa, in einer der ärmsten Regionen im Mittelwesten. Sechs Ärzte waren im Einsatz, an drei Operationstischen wurde bis in die Nacht hinein nonstop operiert. Es konnten 1108 Patienten behandelt werden. 111 Menschen wurden an den Ohren operiert, einige dieser Operationen waren lebensrettend. 639 Hörtests und 317 Hörgeräteanpassungen wurden gemacht. So sehr sich das Ärzteteam einsetzt, der Strom von Menschen, die eine Behandlung nötig hätten, reisst während der Dauer eines solchen Camps nie ab. 146 Patienten, bei denen eine Operation erforderlich gewesen wäre, wurden medizinisch behandelt, mussten jedoch aus Kapazitätsgründen auf das Ear Camp im Herbst verwiesen werden. Der Brunner Hals-Nasen-Ohren-Arzt Lukas Eberle engagiert sich seit Jahren in Nepal. Seine Stiftung finanzierte das jüngste Ohren-Camp mit über 15 000 Franken.

Material für Nothilfe gepackt

Während die Ogals nach den Anstrengungen im intensiven Ear Camp vor dem Flughafen vom Erdbeben überrascht wurden, bepackten andere des Teams kurz entschlossen die Fahrzeuge mit neuem Material, um im Bezirk Gorkha, dem Epizentrum des Erdbebens, sofortige Hilfe zu leisten.