Neue Axenstrasse
Das Projekt stockt weiterhin – «Die Verkehrssituation ist ein Trauerspiel»

Die Baubewilligung für das Projekt «A4 Neue Axenstrasse» liegt vor – jedoch ist noch eine Beschwerde hängig. Das Bundesamt für Strassen (Astra) rechnet mit der Eröffnung frühestens nach dem Jahr 2031.

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Die beiden Baudirektoren Roger Nager (links; Uri) und André Rüegsegger (Schwyz) informierten.

Die beiden Baudirektoren Roger Nager (links; Uri) und André Rüegsegger (Schwyz) informierten.

Bild: Urs Hanhart

Täglich fahren rund 16'000 Fahrzeuge, darunter zahlreiche Lastwagen, durch das Dorf Sisikon. Viele Einheimische wünschen sich aufgrund der enormen Belastung schon seit Jahrzehnten eine Umfahrung. Ein entsprechendes Projekt liegt zwar vor, kann jedoch wegen einer Beschwerde von Umweltverbänden nicht realisiert werden. Dieser Zustand dürfte noch einige Zeit anhalten.

Am Donnerstag orientierten die Verantwortlichen des Bundesamts für Strassen (Astra) sowie die Kantone Schwyz und Uri an einer Medienkonferenz in Sisikon über den aktuellen Stand in Sachen Grossprojekt A4 Neue Axenstrasse. Dieses umfasst im Wesentlichen den 2,9 Kilometer langen Morschacher Tunnel und als Herzstück den 4,4 Kilometer messenden Sisikoner Tunnel mit einer kurzen offenen Strecke dazwischen.

Die neue Axenstrasse ist ein Teil des Nationalstrassennetzes und wird von den Standortkantonen Schwyz und Uri im Auftrag des Astras ausgeführt, wobei die Investitionen von rund einer Milliarde Franken zum überwiegenden Teil der Bund trägt. Der Schwyzer Landesstatthalter und Baudirektor André Rüegsegger betonte einleitend: «Leider sind wir noch nicht so weit, wie die meisten von uns hoffen. Heute gibt es keine Breaking News. Aber gewisse Vorarbeiten können nun in Angriff genommen werden.»

Hier soll die neue Axenstrasse durchführen.

Hier soll die neue Axenstrasse durchführen.

Visualisierung: PD

Erste Arbeiten befinden sich in der Umsetzung

Rüegsegger wies darauf hin, dass das Uvek Ende April 2020 die Plangenehmigungsverfügung (Baubewilligung) für die A4 Neue Axenstrasse erlassen habe. Aufgrund einer Beschwerde von Umweltverbänden beim Bundesverwaltungsgericht sei diese jedoch noch nicht rechtskräftig. Für einige Projektbestandteile habe das Bundesverwaltungsgericht jedoch die aufschiebende Wirkung entzogen.

Konkret handelt es sich um die Baustromversorgung, Ersatzbiotope in Ingenbohl sowie Vorbereitungs- und Sicherungsarbeiten im Bereich Gumpisch. «Die Ersatzbiotope sind bereits weitgehend realisiert. Die Hilfsbrücke am Gumpisch, die den notwendigen Platz für den Bau der neuen Galerie Gumpisch schafft, wurde öffentlich ausgeschrieben, und die Arbeiten für ein Kabeltrassee zur Baustromversorgung auf der bestehenden Axenstrasse zwischen Flüelen und Dorni auf einer Länge von rund 4 Kilometern starten in rund drei Wochen», erklärte der Baudirektor.

Über die erwähnte Beschwerde hat das Bundesverwaltungsgericht noch nicht befunden. Dazu sagte Rüegsegger:

«Die ganze Axen-Strecke ist in Bezug auf Naturgefahren sehr labil und diffizil. Man muss endlich eine dauerhafte und verlässliche Lösung finden. Wir hoffen, dass bis Ende Jahr oder Anfang nächstes Jahr der Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts kommen wird.»

Er sei zuversichtlich, dass das Gesamtprojekt als bewilligungsfähig erachtet werde, fügte jedoch gleich noch an: «Die Gefahr besteht, dass das Ganze auch noch vor Bundesgericht landet, weil wir leider wenig Kooperations- und Kompromissbereitschaft von Seiten der Umweltverbände ausmachen können. Es wird gebremst, gestoppt und verhindert, was aus Sicht der Bauherrschaft und Strassenbenützer sehr ärgerlich ist.»

Ins gleiche Horn blies auch der Urner Baudirektor Roger Nager: «Es ist längst fällig, dass die Umsetzung dieses Grossprojekts an die Hand genommen werden kann. Die vorliegende Lösung ist sehr gut und liegt im nationalen Interesse. Der Kanton Uri setzt sich mit grossem Engagement für die Realisierung ein zusammen mit dem Kanton Schwyz und dem Astra.»

Der Sisiger Gemeindepräsident Timotheus Abegg kam an der Medienkonferenz ebenfalls zu Wort und nutzte dabei die Gelegenheit, seinem Ärger Luft zu verschaffen. «Wir warten nun schon seit über 50 Jahren auf die Umfahrung. Es gibt kleine Schritte, aber für uns ist das nicht schnell genug», sagte er und fügte an: «Die Einsprachen der Umweltverbände, vor allem vom VCS, sind für uns untragbar, und die Anliegen der betroffenen Bevölkerung werden nicht ernst genommen. Man versteckt sich hinter irgendwelchen Argumenten, die längst widerlegt sind. Die Verkehrssituation von Sisikon ist ein Trauerspiel. Bereits kleinste Ereignisse führen zu grossen Staus.»

Abegg appellierte an die Umweltverbände, die gerichtlichen Möglichkeiten nicht auszuschöpfen: «Sisikon erstickt seit Jahren im Durchgangsverkehr, worunter die Lebensqualität im Dorf massiv leidet. Die neue Axenstrasse würde die lange ersehnte Verkehrsentlastung bringen.»

Der Baubeginn der eigentlichen Tunnelarbeiten ist abhängig vom weiteren Genehmigungsprozess. Erst nach Vorliegen der rechtskräftigen Plangenehmigung lassen sich gemäss Guido Baggio, Vizedirektor des Astra, belastbare Aussagen zur Fertigstellung der neuen Axenstrasse machen. Im günstigsten Fall könne mit der Eröffnung nach 2031 gerechnet werden.

Sisikon erhält lärmarmen Belag

Das verkehrsgeplagte Dorf Sisikon muss noch lange auf eine Umfahrung warten

Das verkehrsgeplagte Dorf Sisikon muss noch lange auf eine Umfahrung warten

Bild: Urs Hanhart

Für das vom Durchgangsverkehr geplagte Dorf Sisikon gibt es immerhin ein Trostpflästerchen. Auf dem Gemeindegebiet wird ab dem 13. September während rund drei Wochen nämlich ein lärmarmer Belag eingebaut. Dieser Deckbelagsersatz wird ab der Kantonsgrenze zwischen Schwyz und Uri bis rund 50 Meter in den Tunnel «Kleine Galerie» vorgenommen. Verschiedene Massnahmen sollen dabei helfen, den Verkehr durch die Arbeiten möglichst wenig zu beeinträchtigen: Von Montagabend bis Freitagmorgen wird jeweils in der Nacht zwischen 20 und 5 Uhr gearbeitet. «Der neue Belag wird den Lärmpegel im Dorf Sisikon wahrnehmbar senken», versprach Astra-Vertreter Richard Kocherhans. Die Investitionskosten bezifferte er auf rund 350000 Franken.

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Verena Young

Traurig, dass dieses Projekt immer wieder verzögert wird. Die Bevölkerung in Sisikon muss noch weitere 10 Jahre unter dem enormen Verkehrslärm und grosser Verschmutzung leiden.  Da nützt auch ein neuer Flüsterbelag nichts. Da können wir nur hoffen, dass die Axenstrasse wieder öfters geschlossen wird um wieder etwas Ruhe zu haben. Die Verzögerer sind herzlich willkommen, ein paar Tage in unserem Dorf zu verbringen. Aber eben es ist nur ein kl. Dorf und hat keine grosse Relevanz.