NEUES BUCH: Prominente tanken Kraft im Kloster Einsiedeln

Prominente gehen ein und aus im Kloster Einsiedeln. Bruder Gerold Zenoni beschreibt in seinem Buch «Treffpunkt Kloster Einsiedeln – Persönlichkeiten und das Stift Einsiedeln» eindrücklich, was 41 berühmte Menschen nach Einsiedeln führte.

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Das Kloster Einsiedeln. (Bild Remo Nägeli/Neue LZ)

Das Kloster Einsiedeln. (Bild Remo Nägeli/Neue LZ)

In dem neuen Buch, das nächste Woche erscheint, hat Bruder Gerold in den vergangenen Jahren «während spannenden Begegnungen hoch interessante Interviews» geführt. «Das schönste dabei ist, dass ich diese Persönlichkeiten ganz nah kennen lernen – und auch vieles von ihnen lernen durfte», zieht Bruder Gerold erfreut Bilanz.

Sepp Blatter etwa ist ein sehr treuer Klosterbesucher. «Bis fünfmal im Jahr pilgere ich nach Einsiedeln und decke mich mit Kerzen ein. Es ist ein Zufluchtsort par excellence», erzählt der Fifa-Präsident, der jeden Tag betet. Schon als 12-Jähriger sei er das erste Mal da gewesen: «Ich reiste mit der Südostbahn, und in der Schule hatten wir dann ein Bild von dieser Zugsfahrt zu zeichnen», erinnert sich Blatter noch ganz genau.

Vor 25 Jahren, als Papst Johannes Paul II während seines Schweiz-Besuches zweimal im Kloster Einsiedeln übernachtete, war Zenonis Mitbruder, Pater Wolfgang, ständig ganz nah am 2005 verstorbenen Kirchenoberhaupt. Der respektabel grosse Schlafraum wurde von «Legatenzimmer» auf «Papstzimmer» umgetauft. «Wir rissen einen alten Kachelofen raus und richteten auf Wunsch des Papstes ein eigenes Bad ein», erinnert sich Pater Wolfgang. «Die Fenster mussten zusätzlich mit drei Zentimeter dickem Panzerglas versehen werden, die Bewachung übernahm die Schweizergarde.» Johannes Paul habe «sehr wenig» gegessen: «Das angeforderte Frühstücksei kam unberührt zurück.» Er sein indes ein «sehr netter, freundlicher Mann» gewesen.

Mit der aus Österreich stammenden Zürcher Gesellschaftsjournalistin Hildegard Schwaninger ist Bruder Gerold von Rapperswil nach Einsiedeln gewandert. «Schon zweimal habe ich eine Fusswallfahrt dahin unternommen», erinnert sich die ehemalige Klosterschülerin. «Pilgern hat für mich mit dem Wunsch zu tun, Gottes Gnade zu erflehen, seine Gunst zu erhalten.» Das Kloster Einsiedeln sei für sie ein «bedeutender» Ort, wo sie immer wieder hinkehre. Ihr Sohn Philipp sei zudem von Alt-Abt Georg Holzherr getauft worden. «Katholisch sein ist für mich richtig», sagt Schwaninger. «Ich nehme mir Freiheiten, bin aber keine renitente Katholikin. Ich stosse mich an absurden Regelungen Roms und bedaure etwa, dass meine geschiedene Cousine nicht mehr zur Kommunion darf.» Papst Benedikt XVI, der als Kardinal früher einmal Gast im elterlichen Hotelbetrieb in Österreich war, sei für sie «wie ein Vater», den man liebe, aber dem man «nicht unbedingt» gehorche. Wer unter all den Promis würde sie denn am liebsten interviewen? «Den Papst», erklärt Schwaninger.  

Wallfahrten hat Daniel Vasella nie gemacht. Aber der Novartis-Chef ist Beirat im Kloster Einsiedeln und will damit «vor allem Abt Martin Werlen und dem Kloster helfen». Als er zum ersten Mal nach Einsiedeln kam, habe er erst mal den «Platz, die Kirche und die ganze Anlage» auf sich einwirken lassen. «Die Stiftskirche ist ausserordentlich schön, wenn ich auch gestehen muss, dass mich das Schlichte der romanischen Architektur mehr anzieht als das Üppige des Barocks», erzählt Vasella, der seinen ersten Stundenlohn von 50 Rappen als Ausläufer bei «Franz Carl Weber» verdiente. Warum suchen viele Manager Klöster auf? Vasella: «Etwa um eine Auszeit einzuschalten. Da mag der Wunsch nach Besinnung, nach innerer Ruhe und die Suche nach dem Essentiellen dazu gehören.»

Keine «PR-Fritzen» nötig
Als Studentin schon pilgerte Judith Stamm, die in Zürich aufwuchs, nach Einsiedeln. «Nach der Zugfahrt bis Wädenswil folgte der nächtliche Fussmarsch», erinnert sich die frühere Luzerner CVP-Nationalrätin. «An einem der verschiedenen Posten las ich einen meditativen Text vor. Und am anderen Tag war es dann Ehrensache, dass wir pünktlich zu den Vorlesungen erschienen.» Auch eine Dankwallfahrt habe sie später einmal nach Einsiedeln gemacht, denn ihre Mutter habe schon gesagt: «Es braucht einen Weg und Zeichen, um Dank abzustatten.» Stamm ist fasziniert vom Benediktinerorden: «Das ist ein multinationales Unternehmen, da müssen sich keine 'PR-Frizten' um 'Corporate Identity' kümmern. Viel übrig hat sie für die Anziehungskraft des Einsiedler Gnadenbildes auf andere Religionen: «Dass dieses Bild für die Tamilen die Göttin Kali repräsentiert, finde ich fabelhaft. Religiöse Inhalte übersteigen sowieso die Konfessionen.»

Skisprung-Überflieger Simon Ammann hat das Eisniedeln durch den Sport kennen gelernt. «Ich war einen Sommer lang intern im Kloster, pendelte aber nach Wattwil in die Schule», erinnert er sich. «Das war aufwendig. Zudem habe ich mit dem schönen Ort immer mehr angefreundet. Toll sind die Schanzen, und Einsiedeln ist vielseitig.» Das Kloster habe ihm immer «grossen Eindruck» gemacht: «Wenn man in diesen enorm langen Gänge umhergeht, ist das rein schon vom Akustischen her etwas Spezielles, Ehrwürdiges.» Ammann erinnert sich an die Geschichte vom früheren Skispringer Stephan Zünd, die ihm Abt Martin Werlen einmal erzählte: «Zünd sagte zum damaligen Pater Martin, dass er ins Kloster käme, wenn er keine Olympiamedaille mache.» Schmunzelnd fügt Ammann an: «Ich bin diese Art Wette nie eingegangen. Das war mir zu heikel.» Zünd, der nie eine Medaille aber vier Weltcupsiege holte, ist heute übrigens nicht im Kloster, sondern Mitarbeiter einer Bank in Liechtenstein?

André Häfliger/Neue LZ

HINWEIS
«Treffpunkt Kloster Einsiedeln». Herausgeber: Kloster Einsiedeln. Verlag: Gamma Druck & Verlag, Altdorf. Bezugsquelle: klosterladen@kloster-einsiedeln.ch – oder ab nächster Woche im Buchhandel.