Neuheim
Im Lager herrscht Hochstimmung trotz Hochwasser

Das Sommerlager der Jubla Neuheim ist sprichwörtlich ins Wasser gefallen. Doch das engagierte Leitungsteam hat sich davon nicht unterkriegen lassen.

Laura Sibold
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Die Einladung auf die «Yellow» entschädigte die Jugendlichen der Jubla Neuheim für die wetterbedingte Ungemach.

Die Einladung auf die «Yellow» entschädigte die Jugendlichen der Jubla Neuheim für die wetterbedingte Ungemach.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 15. Juli 2021)

Während es ununterbrochen regnet und der Pegel des Zugersees langsam steigt, befindet sich die rund 50-köpfige Gruppe der Jubla Neuheim endlich «am Schärme». Auf dem Gastschiff Yellow essen die Mädchen und Buben ihre Sandwiches. Viele tragen noch Regenhosen, sind sie doch zuvor von Neuheim nach Zug gewandert. Die Fenster beschlagen vor lauter Feuchtigkeit, während der Regen unbeirrt an die Scheiben trommelt.

«Wir haben das Beste aus der Situation gemacht», sagt Michèle Obrist. Sie leitet gemeinsam mit Melanie Rölli das zweiwöchige Sommerlager der Jubla Neuheim und war in den vergangenen Tagen besonders gefordert. Am Samstagabend überschwemmte ein heftiges Gewitter ihren Lagerplatz in Oberrickenbach, die Zelte mussten abgebrochen werden. Die Kinder wurden von der Feuerwehr evakuiert, schlugen ihr Nachtlager in einer Zivilschutzanlage auf und wurden am nächsten Tag nach Hause geschickt.

Mehr Hochwasser-Bilder aus dem Lagerdraht:

Lager zu Hause weitergeführt

«Es wäre fahrlässig gewesen, auf dem Lagerplatz zu bleiben, nur um dann zwei Tage später wegen Hochwasser erneut evakuiert zu werden», ist Melanie Rölli überzeugt. Doch statt sich dem Unwetter ganz zu beugen, passte das Leitungsteam sein Programm an und führte es in Neuheim weiter. Ob Spiele in der Turnhalle, Filmabend, Schnitzen im Wald oder Olympiade mit Blachenvolleyball und Kochlöffel-Unihockey – den Kindern scheint’s zu gefallen, auch wenn jedes von ihnen die Nacht zu Hause verbringt.

Als es noch trocken war.

Als es noch trocken war.

Bild: PD

«Dieses Lager ist megacool, wir haben trotz Regenwetter in Bikini und Badehosen eine Poolparty gemacht. Und das Übernachten im Bunker war ein richtiges Abenteuer», schwärmt die zwölfjährige Mia Huwyler.

«Mir hat am besten gefallen, dass ich bei der Feuerwehr mitfahren durfte»

wirft Ruben Elsener (9) ein. Sein Freund Ben Lussi findet es derweil ganz gut, dass das Lager nun im Dorf weitergeführt wird. «Ich hatte auf dem Zeltplatz am Ende keine trockenen Kleider mehr. Und geduscht habe ich auch nicht so oft, weil das Wasser so kalt war», gesteht der Neunjährige.

Grosse Unterstützung aus dem Dorf

Ganz unvorbereitet hat das Unwetter die Schar nicht getroffen. Bereits vor dem Lager hatte die Jubla Neuheim ein internes Krisenteam gebildet, das sich mit Hagel und Hochwasser befasste. Wirklich damit gerechnet, dass man den Zeltplatz verlassen müsse, habe zwar niemand, räumt Michèle Obrist ein.

«Im Nachhinein hat uns diese sorgfältige Planung aber geholfen, und das ganze Leitungsteam packte mit an.»

Die beiden Lagerleiterinnen sind überzeugt: Ohne die grosse Unterstützung aus dem Dorf hätte das Sommerlager nicht weitergeführt werden können. «Viele Eltern und Freunde halfen uns beim Abbau des Zeltplatzes und die Feuerwehr bei der Evakuation. Pfarrei und Gemeinde stellten uns schnell und unkompliziert Räumlichkeiten zur Verfügung. So können wir die letzte Lagernacht doch noch alle zusammen verbringen und in der Turnhalle übernachten. Für diese spontane Hilfe möchten wir uns herzlich bedanken», sagt Melanie Rölli.

Ebenso spontan findet die Rundfahrt mit dem Gastschiff Yellow auf dem Zugersee statt. Kapitän Guido Simmen las in der «Zuger Zeitung», dass die Jubla Neuheim ihr Lager anpassen musste, und lud die Schar kurzerhand aufs Schiff ein. «Das ist noch cooler, als mit der Feuerwehr zu fahren», sagt Ruben Elsener, während die «Yellow» vom Ufer ablegt.

Das Programm wurde kurzfristig angepasst - mit Spiel und Sport.

Das Programm wurde kurzfristig angepasst - mit Spiel und Sport.

Bild: PD

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