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«Nicht mein Problem!»

Einblicke
Werner Keiser, Dipl. Übersetzer
Werner Keiser, dipl. Übersetzer.

Werner Keiser, dipl. Übersetzer.

Ich weiss es nicht mehr so genau, wann dieser lieblose Ausspruch inflationäre Züge angenommen hat, allzu lange ist es nicht her. Vermutlich stammt er von Krimi- oder Gangsterfilmen. Er zeigt auf, wie man sich heutzutage schnodderig von den Sorgen und Nöten des geknickten Gegenübers möglichst rasch distanzieren möchte. «Nicht mein Problem», das ist Ausdruck davon, dass wir nicht mehr die Fähigkeit besitzen, jemandem richtig zuzuhören oder gar aus der Patsche zu helfen. Zur Freude honorarberechtigter Psychiater, Psychologen und anderer «Berufungs»-Gattungen. Krisen können vielfältiger nicht sein: ein verdorrtes Konto, etwas mehr unangenehme Briefpost als üblich, ein dramatischer Krankheitsfall oder Unfall in der Familie, plötzlicher Verlust eines geliebten Menschen, Knatsch am Arbeitsplatz, Jobverlust.

Ich kenne eine Frau, die Unvorstellbares durchgestanden hat: Ehemann früh verloren, selber an Krebs erkrankt, Kind an Krebs erkrankt, Grosskind nach Geburt gestorben. Ich frage mich, wie diese Heldin die Schicksalsschläge gemeistert hat. Wahrscheinlich mit Freunden, die sie nicht nur mit «Oh je!» -Seufzern trösteten. In welcher gravierenden Situation Sie sich auch befinden, Hiob oder die Psalmen sind recht hilfreich. Hiob, wer ist denn das? Mit einem Google-Klick sind Sie dabei!

«Die wahren Helden sehen nicht wie Helden aus» (Tennessee Williams). Nur wer selber Wunden hat, kann andere hei­len. Heute hat diese Frau wieder einen Partner und tolle Grosskinder. Irgendwann, das ist in der Natur der Sache, flacht jede schwierige Situation wieder ab.

Als Jugendlicher lässt man sich locker zu der scherzhaften Aussage bewegen: «Ich hätte viele Lösungen, aber mir fehlen die Probleme.» Bei älteren Menschen mit Schlangengruben-Erfahrung nehmen Herausforderungen gerne zu. «Das ist dein Problem!» «Das ist nicht mein Problem!» Solche Aussagen sind ganz einfach daneben.

Es gibt eine einfache, aber wirkungsvolle Methode, es besser zu machen. Aber nicht, wie bei Hiob, dessen Freunde ihn anfänglich trösten wollten, ihn aber schliesslich arg beschuldigten. Die Lösung heisst: zuhören. Mit einem Gesprächsanteil von 70:30, wovon dem Drangsalierten 70 zustehen sollten, und logischerweise unter dem Siegel der Verschwiegenheit, das ist ein viel versprechender Anfang.

Werner Keiser, dipl. Übersetzer

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

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