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NIDWALDEN: «Nidwaldner Deutsch ist reinste Poesie»

Schönes «Stanser Deutsch» sei wie Musik, sagt Felix Stöckli. Mit seinen Geschichten will er helfen, zur Mundart Sorge zu tragen.
Romano Cuonz
Der Stanser Mundart-Autor Felix Stöckli blättert in einem seiner Bücher. (Bild Romano Cuonz)

Der Stanser Mundart-Autor Felix Stöckli blättert in einem seiner Bücher. (Bild Romano Cuonz)

«In Nidwalden ist es Brauch und Ordnung, dass der Lehrer in der Schule Hochdeutsch spricht», postuliert der Stanser Mundartautor Felix Stöckli (78). Doch im gleichen Atemzug fügt er mit einem schelmischen Lächeln hinzu: «Aber ich ha s Glick: ich bi Religionslehrer und darf ai i dr Schuel eso rede, wem r de Schnabel gwachse-n-isch.» Dass er als einer der wohl bedeutendsten «Gralshüter» des Stanser Dialekts überhaupt damit begann, Texte und Geschichten in Mundart zu schreiben, kommt einem kleinen Wunder gleich. «Als Knabe durfte ich nämlich zu Hause gar nicht Nidwaldner Dialekt reden, ebenso wenig wie mein Vater, der in Stans Bahnhofvorstand war», gesteht Stöckli. «Meine Mutter mit deutscher Abstammung wünschte dies nicht, weil sie unsere Mundart grob und bäuerisch fand.» So hat denn der Stanser Bub Felix die Mundart weder als Mutter- noch als Vatersprache gelernt. Viel mehr bei seinen Schulkameraden und auf einem Bauernhof, wo er in der Freizeit gerne und viel mithalf. Auch später, als er im Churer Priesterseminar St. Luzi vier Jahre Theologie studierte, sprach er wohl eher noch Latein als Nidwaldner Dialekt.

«Scharihiender» gackern in Mundart

Seine Mundart habe er erst mit der Zeit entdeckt, erzählt der spätere Sekundarlehrer, Katechet und kirchliche Gemeindeleiter Felix Stöckli. «Als ich zusammen mit ein paar Kolleginnen und Kollegen das erfolgreiche Lokalkabarett ‹Scharihiender› gründete, schrieben wir vorerst noch hochdeutsche Nummern.» Davon aber seien sie «gleitig» abgekommen. «Wir spürten, wie Mundart aufs Publikum im ‹Chäslager› viel direkter wirkte», erinnert sich der frühere Kabarettist. Ihm sei klar geworden: «Die Stanser Mundart ist mein ureigenes Idiom und ein stimmiges Sprachrohr zu Zuhörern.»

Ausgleich zum Beruf

Auch habe er gespürt, wie das Schreiben von witzigen und bissigen Mundartgedichten und -geschichten ein vorzüglicher Ausgleich zu seinem eher ernsten kirchlichen Beruf war. «Auf der Kanzel konnte ich ja nicht Dampf ablassen!» schmunzelt Stöckli. Die Vorzüge des Stanser Dialekts aber – gerade auch fürs Kabarett – könne er nicht genug rühmen: Er rede gerne in Bildern, sagt er. Und: «Är isch nid schlächt im Stäiriäre, Stäi, wo nid sälte träffid, aber käini beesartige Biilä gänd. Är isch nid ruich, aber chreftig und nahrhafd wiäs täglich Brood.»

Und der Mann, der in der Mundart bald alle Register zu ziehen verstand, wurde zum eigentlichen Dialektkenner: Die Musik des Stanser Dialekts liege im Tonfall und in Doppellauten wie ui, ai und oi. Ein bisschen Ironie stehe ihm nicht schlecht an. Und dann folgt eine Liebeserklärung, wie man sie schöner nicht formulieren könnte: «I der Stanser Mundart uifwachse, das häissd Muisig i d Wiäge und uf d Zunge-n-ubercho, das häisst vo Muisig umgä und sälber volle Muisig sii.»

«Sirippili» oder «ärdige Wii»?

Natürlich gebe es Leute, denen Nidwaldner Deutsch zu urchig oder gar zu rau sei, sinniert Felix Stöckli. Und er urteilt: «Das sind äbe die Mäntsche, wo lieber es Siripili suifid as än ärdige Wii, wo lieber es Griespäpili ässid as ä rässe Bärgchäs.» Wer Mundart rede, dürfe Kerniges und Bodenständigkeit nicht scheuen. Er sei aber überzeugt: «Im Nidwaldner Deutsch gibt es keine Prosa, da ist alles Poesie.» Selbst in einer Geschichte müsse diese Sprache «tschederle wenes tifigs Bächli». Ja, für ihn sei seine Mundart wie Musik, und Musik habe er unglaublich gerne. Das spürt man, wenn man seine Erzählungen liest.

Als der «Beobachter» 1984 einen Wettbewerb unter dem Titel «Ein Volk schreibt Geschichten» ausschrieb, reichte Stöckli die Mundarterzählung mit dem vielsagenden Titel «Wunderscheeni Dissonanze» ein. Unter lauter hochdeutschen Kurzgeschichten wurde diese Erzählung über ein altes verrunzeltes Weibchen, welches das Handwerk – oder Mundwerk – der Leichenbeterin aus dem Effeff verstand, für die hochkarätige Anthologie ausgewählt.

Etwas nachdenklich wird der längst pensionierte Laientheologe, wenn man ihn auf die Zukunft der heimischen Mundart anspricht. Heute wisse jeder, dass man grosse Sorge dazu tragen müsse, dass in einer fluktuierenden Grossgemeinde wie Stans Mundart nicht «uisglootsched» und «verwässered» werde. Genau dies habe er mit seinen Versen, Liedern und Geschichten all die Jahre zu tun versucht. Aber Stöckli kennt sein Stans zu gut, als dass er nicht wüsste: «Der mundartliche Einheitsbrei, der mehr und mehr um sich greift, lässt sich wohl kaum mehr verhindern.» Umso grösser ist die Freude bei ihm und seiner Frau Margrit, wenn sie Schulkinder an ihrem Haus an der «Nägili-Gasse» vorbeigehen sehen und hören, wie diese durchaus noch «Tipfili und Strichili» setzen!

Hinweis

In unserer Sommerserie «Wie redsch dui?» treffen wir verschiedene Leute aus Ob- und Nidwalden, die den Dialekt ihrer Gemeinde mit Stolz und Freude pflegen. Bereits erschienen: Heidy Gasser aus Lungern (15. 7.), Josef Hess aus Engelberg (25. 7.), Schüpferi-Meitli aus Buochs (29. 7.). Abonnenten finden die Beiträge auch unter www.nidwaldnerzeitung.ch/serien

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