NIDWALDEN: Zum Empfang tönte gar das Alphorn

Jean Pierre Dondelinger und Christiane Goergen aus Luxemburg sind Beckenried-Fans. Nicht in der ersten Generation.

Matthias Piazza
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Jean Pierre Dondelinger und seine Frau Christiane Goergen am Beckenrieder Ufer des Vierwaldstättersees. (Bild Corinne Glanzmann)

Jean Pierre Dondelinger und seine Frau Christiane Goergen am Beckenrieder Ufer des Vierwaldstättersees. (Bild Corinne Glanzmann)

Matthias Piazza

«Die Berge, die Landschaft, der See. Hier ist einfach alles schön», schwärmt Christiane Goergen (71), die mit ihrem Mann Jean Pierre Dondelinger (80) auf einem Bänkli im Garten des «Nidwaldnerhofs» sitzt, wo sie einquartiert sind. Der Blick schweift über den Vierwaldstättersee zur Rigi. Selbst eine Spitze der Schwyzer Mythen zeigt sich an diesem strahlend schönen Sommernachmittag. «Das schönste Dorf am schönsten See», treffe vollumfänglich zu, ist sich das Ehepaar aus Luxemburg einig.

Die Liebe zu Beckenried währt schon lange. «Seit 65 Jahren verbringe ich meine Ferien fast jedes Jahr hier», erzählt die 71-Jährige gut gelaunt. Die Liebe zum Ort hat sich sozusagen vererbt, wurde ihr praktisch in die Wiege gelegt. «Schon von klein auf verbrachte ich hier meine Ferien mit den Eltern, Grosseltern und Cousinen in einer Ferienwohnung.» Auch das Heuen und Kühemelken gehören zu ihren Kindheitserinnerungen.

Sie feiern auch den 1. August

Ihr 50-Jahr-Jubiläum als Beckenrieder Feriengast wurde mit Alphornklängen gefeiert, wie sie stolz erzählt. Seit 15 Jahren kommt ihr Mann mit: Zweimal im Jahr gehts nach Beckenried – im Frühling und im Sommer. «Den Schweizer Nationalfeiertag feierten wir oft hier», sagt Jean Pierre Dondelinger.

Ausgerüstet mit dem Tell-Pass unternehmen sie vor allem Ausflüge in der Region – mit Schiff, Bahn und Bergbahn. «Das Auto macht in der Hotelgarage Ferien», lacht er.

Der ehemalige Bahnangestellte lobt die guten Verbindungen und die Pünktlichkeit des hiesigen öffentlichen Verkehrs. Pilatus, Rigi, Flüelen, Interlaken, Andermatt: Mit den Jahren haben sie schon sämtliche bekannten Ausflugsziele in der Region mehrfach bereist. Doch von Überdruss keine Spur. Es sei immer wieder von Neuem ein Erlebnis. «Auch zum hundertsten Mal geniessen wir die Aussicht auf der Rigi», ergänzt seine Frau.

Höchster Berg ist 230 Meter hoch

Die Frage, ob sie denn die Innerschweizer Landschaft mit den Bergen und Seen unter dem Jahr vermisse, verneint sie: «Aber wir freuen uns jedes Mal, wieder zurückzukommen.» Angesprochen auf die landschaftlichen Kontraste zwischen der Innerschweiz und ihrem Heimatland, lachen die beiden, die in Howald wohnen, einem Vorort der Hauptstadt Luxemburg. «In Luxemburg ist alles flach. Der höchste Berg ist gerade mal 230 Meter hoch», erzählt er. Auch Seen gäbe es – ausser einem grossen Stausee – keine. Von der Mentalität der Schweizer zeigen sie sich beeindruckt und erinnern sich dabei an ein Ferienerlebnis im Wallis, als während eines Unwetters drei Tage der Strom und vier Tage das Wasser ausfiel. «Bald darauf räumten die Bagger den Schutt und das Geröll weg. Daran kann man sehen, wie zuverlässig die Schweizer arbeiten», zeigt er sich beeindruckt. Ansonsten habe sich das Schweizer Wetter während ihrer Ferien meistens von seiner besten Seite gezeigt.

Das Beckenried-Fieber greift in der Familie offenbar weiter um sich und erfasste auch Jean Pierre Dondelingers Schwester und ihren Mann. Bereits zum dritten Mal geniesst das Quartett seinen Aufenthalt in Beckenried gemeinsam. Auch sie sind des Lobes voll, als sie kurz zum Interviewtermin dazustossen, sprechen über die Landschaft mit den Seen und den Bergen, die freundlichen Leute, das gute Essen.

Ferienfreude trotz teurem Franken

Auch die Aufhebung des Euro-Mindestkurses trübt die Ferienfreude nicht. Erhielten die Luxemburger früher mehr Franken für einen Euro, beträgt der Kurs aktuell fast 1:1. «Die Schweiz ist sowieso teuer», relativiert Dondelinger und macht ein Beispiel. «In der Schweiz ist der Kaffee doppelt so teuer wie bei uns zu Hause. Aber damit müssen wir leben. Selbst wenns noch teurer wird, bleiben wir der Schweiz treu», sagen die Schweiz-Fans, die auch schon in anderen Landesteilen Ferien machten, so etwa im Berner Oberland.

Allerdings sei es keinesfalls so, dass sie nichts anderes von der Welt gesehen hätten als Luxemburg und die Schweiz. So gings schon mehrmals mit dem Postschiff von Bergen bis an die russische Grenze. Doch mit zunehmendem Alter verbringe man die Ferien lieber in Nidwalden, das mit dem Auto in fünf Stunden zu erreichen sei. «Solange die Gesundheit noch mitspielt, kommen wir nach Beckenried», meint er. Seine Frau stimmt ihm zu.

Sie lieben Felchen und Magronen

Lieblingsorte in der Schweiz: Der sei eindeutig Beckenried, sagen beide übereinstimmend. Aber auch vom Berner Oberland seien sie angetan.

Schweizer Lieblingsessen: Sie liebt Älplermagronen, er schwärmt von Felchenfilet und Bachforellen.
Andere beliebte Feriendestinationen: Grönland, Island.