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17 Jahre lang leitete Walter Würsch das Nidwaldner Brockenhaus

Der Chef des Brockenhauses Nidwalden geht in Pension. Viel hat er in dieser Zeit erlebt mit Dingen. Vor allem aber schätzte er den Kontakt mit den Menschen.
Marion Wannemacher
Walter Würsch begutachtet ein Möbelstück im Brockenhaus Nidwalden. (Bild: Marion Wannemacher (Stans, 28. September 2018))

Walter Würsch begutachtet ein Möbelstück im Brockenhaus Nidwalden. (Bild: Marion Wannemacher (Stans, 28. September 2018))

Mundgeblasenes von der Glasi, Haushaltswaren, Möbel, Gestelle voller Bücher, Kleider auf 700 Quadratmeter. Für die einen ein Eldorado zum Stöbern, für die anderen eine Möglichkeit, um halbwegs über die Runden zu kommen. Das ist Walter Würschs Reich – zumindest im Moment noch. Am 5. Oktober lädt er gute Kunden und Mitarbeiter ein zum Abschiedsapéro. Würsch geht in Pension – «mit einem lachenden und einem weinenden Auge», wie er sagt.

Vor 17 Jahren sattelte der gelernte Schreiner um und wurde Leiter des Brockenhauses. Handwerkliches Geschick war eine der Voraussetzungen. Damals lief das Brockenhaus noch unter der Flagge vom «Werkplatz Nidwalden» und befand sich in Buochs in der Nähseydi. Heute ist es Teil des interkantonalen Programms für Nid- und Obwaldner Arbeitslose «Job-Vision» und bietet bis zu 22 Teilzeitern eine Beschäftigung.

Nicht jeder ist motiviert für seine Arbeit

Keine einfache Aufgabe. «Manchmal ist es eine Herausforderung, alles unter einen Hut zu bringen», weiss der gebürtige Emmetter, der heute in Ennetbürgen wohnt. «Vielleicht nimmt mancher Arbeitslose widerwillig am Beschäftigungsprogramm teil. Bei ihm kommen finanzielle und private Probleme möglicherweise zusammen. Jemanden in dieser Situation zu motivieren ist nicht einfach». Vielleicht fühle sich der eine oder andere auch als Arbeitsloser ausgestellt. Etwa 50 Mitarbeiter pro Jahr arbeitete Walter Würsch zuletzt ein.

«Das Spannendste an meiner Stelle hier war der Kontakt mit Menschen», erzählt Walter Würsch. Und die Kunden schätzen ihn und das Brocki. «Ein Besuch hier ist für mich einfach etwas zum Runterfahren», erzählt Elisabeth Odermatt aus Beckenried, die gerade auf einen Sprung hereingekommen ist. Den Chef selbst findet sie «kompetent und freundlich».

In 17 Jahren hat dieser einiges gesehen und auch einen Wandel wahrgenommen: «Die Qualität der Waren hat zugenommen, wir bekommen sehr gute Sachen», hat er festgestellt. Was im Brocki landet, ist ein Spiegel der Gesellschaft: «Es zeugt von unserem Wohlstand», sagt er.

Auf der anderen Seite sei doch auch schön, dass Sachen an andere weitergegeben werden, die sie sich sonst nicht leisten könnten, findet er. Angenommen wird nur, was intakt, sauber und wiederverkaufbar ist.

Zurzeit ist jedoch das Brockenhaus so gut bestückt, dass Würsch einen vorübergehenden Annahmestopp verhängen musste. «Das ist mir gar nicht Recht», sagt er, wenn er Menschen abweisen müsse, die gute Ware bringen wollten.

Das Erbstück war bereits verkauft

Walter Würsch mag selbst gern einige der Dinge, die in seinem Brockenhaus verkauft werden. «Jeder Gegenstand hat eine Geschichte. Durchs Weiternutzen steigt seine Wertschätzung. Das ist wie ein Leben, das weiter geführt wird», philosophiert er. Sein persönliches Lieblingsstück, das er hier erworben hat, ist ein klassischer Beizentisch, der dem Umbau des Restaurants Linde in Stans zum Opfer gefallen war.

Beim Abholen von Haushaltsauflösungen hat der Brockichef bereits einiges erlebt. Nicht jeder definiert so klar, was wirklich zum Brocki soll. Umso empörter fiel der Anruf einer Frau aus, dass ein Erbstück missverständlicherweise abgeholt worden sei. «Der Stuhl hatte bei uns noch am gleichen Tag einen Abnehmer gefunden und war weg. Wir konnten nichts mehr machen», berichtet er.

Pralinen gab es dagegen von jener deutschen Familie aus Ennetbürgen, die erst hier in der Schweiz die Einrichtung Brockenstube kennen gelernt hat. Auf einer Karte an Walter Würsch lobt sie: «Das ist eine tolle Sache, wir waren oft begeistert. Sie haben Ihrer Stube einen ganz besonderen Geist und ein Flair eingehaucht, der wird uns künftig fehlen.»

Und tatsächlich: Wo findet man schon im Brocki eine «Kafi-Eggä» oder dreimal im Jahr Konzerte. «Mit der Pensionierung von Walter Würsch geht eine Ära zu Ende», sagt Rolf Forster, der Leiter von Job Vision. «Der junge Nachfolger wird anders sein, das ist aber auch eine Chance, ich freue mich für beide.»

Walter Würsch jedenfalls hat jetzt Zeit für seine Passion, das Jagen. Und damit es ihm nicht langweilig wird, hat er geplant, als privater Schreiner Servicearbeiten im Wohnbereich zu übernehmen. «Gar nichts tun, das liegt mir einfach nicht», sagt er.

Buschi & Anni, Irische Folkmusik am Donnerstag, 15. November, im Brockähuis Nidwalden, Türöffnung 18 Uhr, Beginn 19 Uhr, Eintritt frei.

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