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Abbruchhaus in Stans gibt nochmals alles

Bevor die Abbruchmaschinen auffahren, lebt ein Haus am Stanser Neuweg richtig auf. Alles, was noch gebraucht werden kann, wird vorher entfernt und die Wände werden zur kreativen Freifläche für kleine und grosse Künstler.
Philipp Unterschütz
Das Haus am Neuweg 1a in Stans wird abgerissen. Es darf derzeit auch von Sprayern des Vereins P28 benutzt werden. Hier gibt Manuel Lucadamo seinem Werk den letzten Schliff. (Bild: Philipp Unterschütz, 27. September 2018))

Das Haus am Neuweg 1a in Stans wird abgerissen. Es darf derzeit auch von Sprayern des Vereins P28 benutzt werden. Hier gibt Manuel Lucadamo seinem Werk den letzten Schliff. (Bild: Philipp Unterschütz, 27. September 2018))

Ein letztes Mal sorgt das Mehrfamilienhaus am Stanser Neuweg für mannigfache Freude und blüht nochmals richtig auf. Wenn es am 8. Oktober das Zeitliche segnet, um einem Neubau Platz zu machen, dann geht es in einem farbenfrohen, frischen Kleid - und viele seiner Bestandteile finden anderorts ein neues Leben. Denn anstatt das Gebäude einfach mit dem Abbruchhammer dem Erdboden gleichzumachen und dann den Schutt zu rezyklieren, gingen die über 80-jährigen Besitzer auf Anregung ihrer Mieterin Theres Odermatt einen neuen Weg, der Beachtung verdient.

«Hinter der Aktion steckt die Idee der Nachhaltigkeit», erzählt Theres Odermatt, die 18 Jahre lang am Neuweg gewohnt hat. «Im Haus hat es so viel Baumaterial, Teile oder Maschinen, die weiter genutzt werden können. Das sollte man nicht einfach entsorgen.» Mit dem Einverständnis der Besitzer fotografierte, beschrieb und vermass Theres Odermatt alles Brauchbare und stellte es auf eine Internet-Plattform zum Verkauf oder Abholen. «Die Resonanz war riesig, es ist sehr gut gelaufen. Für vieles gab es Mehrfachanfragen.» Mittlerweile wurden Parkettböden, Balkongeländer, Sonnenstoren, eine Wendeltreppe, Kühlschränke, Waschmaschinen, Tumbler, Dachziegel, Verbundsteine, Steinplatten und Rosenstöcke aus den vier Wohnungen und dem Garten abgeholt.

Theres Odermatt hat die Aktion zwar viel Arbeit beschert. «Aber mir war es einfach sehr wichtig, dass die Sachen weiter genutzt werden. Die Reaktionen der Interessenten und des ganzen Umfelds inklusive der Nachbarschaft sind sehr positiv und zeigen, dass die Nachfrage für so etwas vorhanden ist.»

Hier dürfen Kinder endlich mal eine Wand anmalen

Doch nicht nur die neuen Besitzer von Baumaterial und Maschinen freuten sich über ihre Schnäppchen. Die Wände des Hauses boten grossen und kleinen Künstlern eine willkommene Fläche zum Ausleben ihrer Kreativität.

Theres Odermatt, die als Schulleiterin im Schulzentrum Turmatt tätig ist, kam die spontane Idee: «Warum nicht Zimmerwände von Schulkindern bemalen lassen?» Der Geistesblitz wurde von verschiedenen Lehrpersonen ebenso spontan und mit Begeisterung aufgenommen. Schlussendlich griffen über 80 Schulkinder am Neuweg zu Pinsel und Farbe. «Eltern kennen es. Zuhause muss man die Kinder oft davon abhalten, die Wände zu bemalen. Hier konnten sie sich mal richtig ausleben.»

Das Haus am Neuweg 1a in Stans wird am 8. Oktober abgerissen. Vorher wird alles brauchbare Material demontiert und verkauft oder verschenkt. Zudem darf das Haus von Sprayern des Vereins P28 benutzt werden und Schulkinder des Schulhauses Turmatt malen darin die Wände an. (Bild: Philipp Unterschütz (Stans, 28. September 2018))
Kinder der Klassen MS 1d und 1b von Rainer Wolf und Denise Wiget bemalen eine Wand. (Bild: Philipp Unterschütz (Stans, 28. September 2018))
Keine Wand ist vor den Malereien der Kinder sicher. (Bild: Philipp Unterschütz (Stans, 28. September 2018))
Theres Odermatt, Schulzentrumsleiterin Turmatt und Initiantin der Aktion, vor einem von Schulkindern gemalten Bild. (Bild: Philipp Unterschütz (Stans, 27. September 2018))
Theres Odermatt im Gespräch mit Sprayer Manuel Lucadamo. (Bild: Philipp Unterschütz (Stans, 27. September 2018))
Manuel Lucadamo vom Verein P28 arbeitet an seinem Graffiti. (Bild: Philipp Unterschütz (Stans, 27. September 2018))
Das fertige Bild von Manuel Lucadamo, alias «Geko.» (Bild: Philipp Unterschütz (Stans, 27. September 2018))
Graffiti verzieren auch die Aussenfassade des Gebäudes. (Bild: Philipp Unterschütz (Stans, 28. September 2018))
8 Bilder

Abbruchhaus dient als «Malvorlage»

Das Turmatt-Schulhaus hat die Gelegenheit auch für das Götti/Gotte-System genutzt, bei dem jeweils ein älteres Kind für ein jüngeres die Verantwortung übernimmt und es ein Jahr begleitet. «Die kreative Mal-Aktion war ideal für die Erstbegegnungen der 3./4. Klässler mit ‹ihren› 1./2. Klässlern», erzählt Theres Odermatt.

Ideale Gelegenheit für die Sprayer des Vereins P28

Den letzten Schliff gibt bei unserem Besuch der Sprayer Manuel Lucadamo seinem grossen Bild an einer Fassade im Garten. Ein Vogel, auf dessen Rücken ein Mensch in einem Korb sitzt und den Flug steuert. «Der Kindheitstraum vom Fliegen», sagt Lucadamo lachend. Der Sprayer, der seine Bilder mit dem Künstlernamen «Geko» signiert, hat fünf Stunden daran gearbeitet. «Vorlage war das Foto eines Vogels, das ich mit dem Piloten ergänzt habe.»

Geko ist einer der acht Sprayer aus dem Stanser Verein P28, der aus Musikern, Tänzern und Sprayern besteht und 2010 ebenfalls in einem Abbruchhaus in Stans gegründet wurde. Fünf der Sprayer haben die Einladung von Theres Odermatt genutzt und das Gebäude am Neuweg mit ihren Werken verziert. «Vergängliche Kunst halt, aber das sind wir uns gewohnt.» Auch an den legalen Wänden wie an der Fadenbrücke in Buochs, beim Schulhaus Büren oder der Länderpark Unterführung würden die Kunstwerke immer wieder übersprayt. Etwa zwei Mal pro Jahr komme es vor, dass sie in Abbruchhäusern sprayen dürften. «Das sind extrem wichtige und geschätzte Gelegenheiten, um Neues auszuprobieren, zu üben oder sogar mal Workshops zu organisieren für Leute, die sich auch mal im Sprayen versuchen wollen», sagt Manuel Lucadamo, dessen Werke sonst oft im Auftrag entstehen. Es dürfte ruhig mehr solcher Chancen geben, betont er und hofft, dass das Vorgehen beim Haus am Neuweg Schule machen könnte. «Wir wollen schliesslich legale Arbeiten machen.»

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