Absetzung des Generalvikars: Bischof Bürcher verteidigt seinen Entscheid

Bürcher macht Kopp schuldig für die aktuellen Unruhen in Kirche und Staat. Auch die Einmischung von Medien und Petitionären kritisiert er scharf.

Florian Arnold
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Peter Bürcher, Apostolischer Administrator in Chur.

Peter Bürcher, Apostolischer Administrator in Chur.

Bild: Nadia Schärli / Luzerner Zeitung

Die Absetzung von Martin Kopp als Generalvikar der Urschweiz hat hohe Wellen geworfen. Dieser hatte sich gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung» kritisch über die Bischofswahl geäussert, was der Apostolische Administrator Bischof Bürcher nicht duldete. Nicht nur die Leserbriefspalten sind seither gefüllt, sondern offenbar auch das Postfach von Bürcher. In einer Stellungnahme auf der Webseite des Bistums Chur verteidigt Bürcher nun seinen Entscheid. Die Reaktionen auf Kopps Absetzung seien positiv wie auch negativ ausgefallen.

Nicht als Privatperson gehandelt

Zwar teilt Bürcher die Auffassung vieler Katholiken, dass die Einheit der Kirche auf dem Spiel steht. Allerdings macht er Martin Kopp für die Unruhen verantwortlich. Denn dieser habe sich nicht als Privatperson oder Bürger, sondern als Delegierter des Apostolischen Administrators in eine öffentliche Debatte eingemischt. «Dafür war er von mir nicht delegiert», so Bürcher. Freie Rede gelte für ein Mitglied des Bischofsrates nur innerhalb des Rats. «Aber was dann entschieden ist, muss von allen nach aussen vertreten werden. Nur so gibt es Einheit.» Aber diese Einheit habe Kopp schon in der Vergangenheit immer wieder gefährdet, kritisiert Bürcher und liefert dazu gleich ein mehrseitiges Dokument mit gelb markierten Aussagen von Kopp, die dem Bistum missfielen.

Bürcher bedauert denn auch, mit Kopp die Zusammenarbeit eingegangen zu sein. Denn unter Bischof Vitus Huonder hatte Kopp auf sein Amt verzichtet. «Mehrere Personen haben mir damals geraten, mit allen bisherigen Mitgliedern des Bischofsrates weiterzuarbeiten, um mit ihnen ein neues Kapitel zu beginnen.» Darunter auch Martin Grichting, der nun neben dem Medienbeauftragten Giuseppe Gracia von Kopp diffamiert worden sei. Dabei hätten Grichting und Gracia «nichts anderes getan, als loyal mit dem Apostolischen Administrator zusammenzuarbeiten». Bürcher schreibt weiter: «Jene, die mit meinem Entscheid nicht einverstanden sind, bitte ich zu bedenken, dass keine Organisation der Welt auf die Loyalität ihrer Mitarbeitenden verzichten kann.» Und weiter:

«Auch unsere Kollegialregierungen in Bund und Kantonen diskutieren intern kontrovers, treten dann aber nach aussen geschlossen auf.»
Die Absetzung von Martin Kopp als Generalvikar bewegt.

Die Absetzung von Martin Kopp als Generalvikar bewegt.

Bild: Nadia Schärli

Der Bischof zieht aber nicht in allen Punkten Parallelen von Kirche und Staat: «Mediale Kampagnen und politische Druckmittel sind und bleiben in der Kirche etwas Ungehöriges, das spaltet und verletzt.» So bezeichnet er die Instrumentalisierung der Medien, des Staates und der öffentlichen Meinung (Petitionen) zur Durchsetzung der eigenen Position als «eine unselige Tradition», die mit den Zeiten von Bischof Wolfgang Haas begonnen hätten. «Die Ernennung eines Apostolischen Administrators, der das Bistum im Namen des Papstes leitet, war das Zeichen, dass jetzt Zeit ist, damit aufzuhören.» Es sei jederzeit möglich, direkt an den Bischof zu gelangen. Auch über die Mitglieder des Bischofsrats sei das möglich. Zudem gebe es die von der Kirche vorgesehenen Gremien und Räte, um sich einzubringen.

«Wer nicht in diesem Sinne sammelt, zerstreut»

Nun müsse das Wohl des Bistums und «die Findung eines neuen guten Hirten» im Vordergrund stehen. «Ein neuer Bischof, der die Zeichen der Zeit aufmerksam wahrnimmt, der die Gläubigen ermutigt, auf den Ruf Gottes und sein Wort zu hören, und der sie in der Lehre der Kirche eint.» Dies liege auch Papst Franziskus sehr am Herzen. «Es gibt in der Kirche keine Einheit, die nicht im Wort Gottes, in der kirchlichen Lehre sowie in der Einheit mit dem Papst und dem Bischof besteht. Wer nicht in diesem Sinn sammelt, zerstreut.»

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