Abstimmung

Hauchdünnes Ja in Emmetten: Gemeinderat muss sich hinter Langsamverkehrsplanung machen

Der Abschnitt zwischen Sagendorf und Hattig-Hostatt braucht ein Trottoir – findet Anwohnerin Olivia Käslin. Nun hat ihre Initiative die Hürde an der Urne genommen – gegen den Willen des Gemeinderates.

Matthias Piazza
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Olivia Käslin ist mit ihrer Tochter Ladina unterwegs auf der Seelisbergstrasse ohne Trottoir.

Olivia Käslin ist mit ihrer Tochter Ladina unterwegs auf der Seelisbergstrasse ohne Trottoir.

Bild: PD (Emmetten, 14. Oktober 2020)

Das war knapp: Mit 51,8 Prozent (269 Ja zu 250 Nein) haben die Emmetter am Sonntag die Initiative der Bürgerin Olivia Käslin gutgeheissen. Damit muss sich der Gemeinderat an die Planung eines Trottoirs oder einer anderen geeigneten Lösung auf dem rund 500 Meter langen Abschnitt zwischen Sagendorf und Hattig-Hostatt machen.

«Ich bin sehr positiv von diesem, wenn auch knappen, Resultat überrascht. Ich rechnete eher mit einem Nein», sagt Olivia Käslin zu ihrer erfolgreichen Initiative. «Ich denke, die Emmetter haben erkannt, dass es eine Lösung auf dieser stark ­befahrenen Seelisbergstrasse braucht, vor allem um die Sicherheit der Kinder und Velofahrer zu erhöhen. Das kann ein Trottoir, ein Feldweg oder sonst eine geeignete Langsamverkehrsverbindung sein.»

Zum Abstimmungserfolg hätten wohl auch die vielen Emmetter beigetragen, die sie in ihrer Kampagne mit Flyern und Plakaten unterstützt hätten, ist Käslin überzeugt.

Die Mutter eines dreieinhalbjährigen Buben und eines zweijährigen Mädchens, die im Hattig-Hostatt-Quartier wohnt, findet die jetzige Situation für die gut 40 Erwachsenen und 12 Kinder des Quartiers unzumutbar. Auf dem Weg ins Dorf müssen die Fussgänger ihren Weg auf einem schmalen Grasstreifen zwischen der stark befahrenen Strasse und dem Zaun suchen. «Vor allem für die Kinder ist der Schulweg gefährlich und je nach Stundenplan ist das Postauto auch keine Option. Auch für Erwachsene ist der Weg nicht ungefährlich, gerade bei Nebel oder im Winter bei Schnee.»

Doch sei sie sich bewusst, dass es bis zur Realisierung noch ein langer Weg sei, auch wenn der Kanton als Besitzer der Strasse schon seine Bereitschaft zur Mitarbeit signalisiert habe. Allenfalls muss auch der Landrat noch seinen Segen geben.

Gemeinderat will sich sofort an die Arbeit machen

«Die Sicherheit für Kinder ist unbestritten wichtig. Mit der Zustimmung ist nun klar, dass der Öffentlichkeit die Verantwortung übertragen wird», sagt Gemeindepräsident Toni Mathis zur angenommenen Initiative, die der Gemeinderat zur Ablehnung empfahl. Dies unter anderem mit der Begründung, die Kosten seien unverhältnismässig hoch für das kleine Quartier.

Doch sei nach diesem breit abgestützten Entscheid an der Urne klar, dass der Gemeinderat sich umgehend an die Arbeit mache, um den Bürgerwillen umzusetzen. Wegen der breiteren Abstützung verlagerte der Gemeinderat das Geschäft von der Gemeindeversammlung an die Urne. «Ich habe eine hohe Achtung vor einer solchen Bürgerinitiative. Das zeigt, dass die direkte Demokratie funktioniert», so Mathis.

Bei der Umsetzung geht Mathis von einem zweistufigen Verfahren aus, bei dem man sich in einem ersten Schritt um das Projekt und in einem zweiten Schritt um die Finanzierung kümmere. Erfreut sind sowohl Olivia Käslin als auch Toni Mathis über die für Emmetten überdurchschnittlich hohe Stimmbeteiligung von rund 50,3 Prozent.