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Wegen angeblichem Auftragsmord: Albtraum eines Nidwaldner Unternehmers nimmt kein Ende

Seit bald zwei Jahren sitzt ein Immobilienunternehmer in Auslieferungs- respektive Untersuchungshaft. Die Justiz wirft ihm vor, an einem Auftragsmord beteiligt gewesen zu sein. Nur: Handfeste Beweise für diese Anschuldigung liegen offenbar keine vor.
Thomas Heer
Das Regierungsgebäude in der kosovarischen Hauptstadt Pristina. (Bild: Petrit Prenaj/EPA)

Das Regierungsgebäude in der kosovarischen Hauptstadt Pristina. (Bild: Petrit Prenaj/EPA)

Andere Länder, andere Sitten, lautet eine simple Erkenntnis. Und das trifft auch auf den Kosovo zu. Im Vergleich zur Schweiz, so macht es jedenfalls den Anschein, gelten zumindest im Bereich des Medienrechts völlig andere Grundsätze. Über Gerichtsverfahren wird selbstverständlich auch im Kosovo ausführlich berichtet. Auffallend dabei: Es scheint nicht unüblich, dass Namen von Beschuldigten oder gar Zeugen vollständig genannt werden. Und dies unabhängig davon, ob es sich bei den Genannten um Personen von öffentlichem Interesse handelt oder nicht. Ein ähnliches Vorgehen hätte in der Schweiz für die Verantwortlichen ziemlich sicher ein juristisches und vermutlich ziemlich teures Nachspiel zur Folge.

Anklage stützt sich auf Aussagen eines Freundes

Über den Fall, des seit vielen Jahren in der Schweiz lebenden Kosovaren, dem in seiner Heimat ein Auftragsmord zur Last gelegt wird, berichten die Medien vor Ort in regelmässigen Abständen. Wer sich diese, in albanischer Sprache gehaltenen Beiträge übersetzen lässt, kommt zur Erkenntnis: Die Basis, auf der sich die Anklage gegen den Kosovo-Nidwaldner stützt, ist dünn. Denn in den Medienberichten finden sich keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass unverrückbare Beweise gegen den Angeschuldigten vorliegen.

Das heisst, es gibt gemäss kosovarischen Presseberichten keinerlei schriftliche Dokumente, beispielsweise E-Mails, welche eine Tatbeteiligung des Angeklagten untermauern würden. Auch verfügt das Gericht offenbar auch nicht über abgehörte und aufgezeichnete Gespräche, die den Tatverdacht erhärten.

Neben dem Immobilienkaufmann aus dem Kanton Nidwalden stehen im Kosovo im Zusammenhang des Auftragsmordes drei weitere Personen unter Anklage. Die Justiz stützt sich auch auf einen Zeugen, der sich als guter Freund des Ermordeten ausgibt. Diesem Freund soll der Getötete vor seinem Ableben Folgendes gesagt haben: «Sie werden mich töten. Es tut mir leid, dass er die Leute dafür bezahlt, was passieren wird.» Das Opfer will also gewusst haben, dass ihn der angeklagte Nidwaldner Unternehmer – im Zitat mit «er» erwähnt – aus dem Weg räumen lassen will. Zur Tat kam es im Sommer des Jahres 2014, nachdem der später Ermordete in einen Hinterhalt gelockt wurde. Die Mörder, so scheint es zumindest, sind den Behörden bekannt und stehen auch vor Gericht.

Zurück aber zum inhaftierten Kaufmann: Diesem soll das Mordopfer rund 200 000 Franken geschuldet haben. Das kann durchaus sein, da der in die Schweiz Eingewanderte finanziell dazu in der Lage gewesen wäre. Nur: Gibt es für diesen Geldverleih einen Vertrag, eine schriftliche Abmachung oder sonst etwas Handfestes? Stützt man sich auf die örtliche Medienberichterstattung, liegt nichts dergleichen vor.

Der Albtraum des in Nidwalden lebenden Mannes dauert nun bereits knapp zwei Jahre. Mitte 2017 wurde der Angeschuldigte von den Schweizer Behörden in Auslieferungshaft gesetzt. Diese Zeit verbrachte er auch in der Justizvollzugsanstalt in Lenzburg. Danach kam es zur Überstellung. Eine Verurteilung oder ein Freispruch: Das liegt möglicherweise noch in weiter Ferne. Oder geht es schlussendlich einfach darum, den Nidwaldner-Kosovaren mürbezumachen, damit er sich irgendeinmal «freikauft.» Diese Theorie jedenfalls äusserte einmal ein Anwalt, der den Unternehmer in der Schweiz in zivilrechtlichen Belangen berät.

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