Porträt

Alessandra Keller ist ambitioniert: «Ich bin nicht weit weg von der Weltspitze»

Die Mountainbikerin aus Ennetbürgen bereitet sich auf die neue Saison vor. Sie hofft auf den verspäteten Saisonstart.

Ruedi Wechsler
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Alessandra Keller beim Weltcup-Rennen in Andorra 2019.

Alessandra Keller beim Weltcup-Rennen in Andorra 2019.

Bild: PD

Soeben kommt Alessandra Keller von einem zweistündigen Rundflug zurück. Die Tour de Suisse aus der Vogelperspektive hat sie tief beeindruckt. Ein Sponsor ermöglichte ab Basel dieses unvergessliche Erlebnis. «Einmal mehr hat sich bestätigt, wie vielseitig und einzigartig unser Land ist», erzählt sie.

Sie hat dank des Sports schon viel erlebt und fast die ganze Welt bereist. Das polysportive Talent versuchte es früher mit Langlauf, Leichtathletik, Schiessen, Biathlon oder Eishockey. 2009 trat sie dem RMC Kerns – Kägiswil (heute RMC Obwalden) bei. Bereits vier Jahre später gewann Keller mit erst 17 Jahren den U-19-Weltmeistertitel in Südafrika.

Ihre Vorbilder sind Roger Federer und Peter Sagen

Seit letztem Herbst ist die Ennetbürgerin Profisportlerin. Ihre Vorbilder sind Roger Federer und Peter Sagan. Angetan ist die 24-Jährige von Teamsportlern. Diese hätten beeindruckende Charaktere und übernehmen Leadership im Team. Die maximale wettkampfmässige Herzfrequenz liegt bei Alessandra Keller bei 195. Durchschnittlich sind es zwischen 175 und 180. «Da es an den Rennen meist nur kurze Abfahrten gibt, sinkt der Puls fast nie», erzählt sie und macht einen Vergleich der Intensität zu einem Renneinsatz: «Ich benötige im Rennrhythmus auf dem Rennrad von Ennetbürgen auf den Bürgenstock 20 Minuten. Dann geht es Vollgas weiter via Stansstad und Büren über den Sender zurück nach Ennetbürgen.»

Das meint Alessandra Keller zu:

– Ennetbürgen: Mein Lieblingsort. Sehr gutes Trainingsgebiet. Bin stolz, Nidwaldnerin zu sein.
– Kollegi Stans: Habe dort die Matura gemacht und den Grundstein für mein Leben gelegt.
– Ralph Näf: Ich schätze ihn sehr als Teammanager. Ich kann viel von seinen Erfahrungen und Fähigkeiten als ehemaliger Spitzenfahrer profitieren.
– Nino Schurter: Vorbildfunktion für die Jungend und den ganzen Mountainbike-Sport. Nino beherrscht diesen Sport wie kein Zweiter.
– Teammechaniker: Er arbeitet im Hintergrund, ist ein wichtiges Puzzleteil und hat eine zentrale Rolle im ganzen Konstrukt.
– Lenzerheide: Hier gewann ich 2018 den U-23-WM-Titel. Coole und vielseitige Strecke. Unglaubliche Atmosphäre.
– Pharmazie: Ich habe an der ETH in Zürich studiert und das Studium zu Gunsten des Spitzensports unterbrochen.

Der abrupte Saisonabbruch hat Keller in das Grundlagentraining des Winters zurückversetzt. Das fiel ihr überhaupt nicht schwer. Sie fühlt sich immer top motiviert und nützt das Traumwetter und die herrliche Landschaft vor der eigenen Haustür.

Keller will Medaillen an Grossanlässen

Nach der Verletzung im letzten Jahr – sie hatte beide Hände nach einem Sturz gebrochen – freut sich Keller extrem auf die neue Saison und fühlt sich sehr gut vorbereitet. Das vor zwei Jahren gesteckte Ziel, sämtliche Schweizer Pässe abzustrampeln und alle Schweizer Seen zu umrunden, konnte sie daher forcieren. So wurden zum Beispiel diesen Frühling alle Buckel im Jura, Zürcher Oberland oder in der Ostschweiz bezwungen. Sie schwärmt:

«Ich lerne somit auch die Schweiz noch viel besser kennen.»

Sehr wohl fühlt sich die Nidwaldnerin auch in Kanada, ihre Lieblingsstrecke liegt in Andorra. Sitzt sie mal nicht auf dem Zweirad, sind im Kraftraum Rumpf- und Beinübungen angesagt. Ebenso gehören Mentaltraining, Regeneration, Beweglichkeit, Gleichgewicht und Fahrtechnik dazu. Im Herbst sind fünf Weltcup-Rennen und die WM geplant. Das kurzfristige Ziel ist die Olympiaqualifikation Tokio. Mittelfristig sind es Medaillen an Grossanlässen wie der WM oder den Olympischen Spielen.

Alessandra Keller war im Jahr 2018 die Weltnummer 4 bei der Elite im Cross-Country. Da es keinen Verletztenstatus gibt, fiel sie kurzfristig zurück. «Ich bin nicht weit weg von der Weltspitze. Ab den Top-15 hat man die Chance, Rennen zu gewinnen, denn die Dichte an der Spitze ist hoch. Die Pandemie hat gezeigt, in welch privilegiertem Land wir leben. Mit Solidarität haben wir die Krise gut gemeistert», sagt sie. Viele ihrer Konkurrentinnen waren über Monate zu Hause eingesperrt. Sie wünscht sich in Zukunft zufriedene Menschen mit einer Passion in ihrer Sparte und Zufriedenheit mit dem, was man hat.

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