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Allweg-Schwinget: «Diese Stimmung, das ist schon gewaltig»

Werner Durrer wirkt zum 25. Mal im Organisationskomitee mit. Auch wenn sich noch keine Verschleisserscheinungen bemerkbar machen – in absehbarer Zeit will der OK-Präsident kürzer treten. Und er sagt, wie es um den Stellenwert des Schwingfests steht.
Oliver Mattmann
Werner Durrer, OK-Präsident des Allweg-Schwingets in Ennetmoos,war früher selber Aktivschwinger. (Bild: PD)

Werner Durrer, OK-Präsident des Allweg-Schwingets in Ennetmoos,war früher selber Aktivschwinger. (Bild: PD)

Wenn die Schwinger diesen Sonntag auf dem Allweg zusammengreifen, geht es beim Wettstreit zwar hart, aber friedlich zur Sache. Dies war 1798 nicht der Fall, als sich französische Truppen von Napoleon mit aufständischen Nidwaldnern auf genau dieser Anhöhe einen blutigen Kampf lieferten. Auch wenn das eine mit dem anderen nichts zu tun hat, so verleiht der geschichtsträchtige Austragungsort dem Schwinget eine besondere Note. Zumindest für Werner Durrer. Der Wolfenschiesser kann auf dem Allweg ein persönliches Jubiläum feiern. Er sitzt seit 25 Jahren im Organisationskomitee, inzwischen das elfte Jahr als Präsident. «Die kulturelle Komponente, die der Franzosenüberfall dem Schwingfest verleiht, hat mir schon immer imponiert», sagt der 53-Jährige.

Natürlich war dies nicht der Hauptgrund, weshalb Durrer 1993 erstmals in verantwortlicher Funktion – als Speaker – mit dem Anlass in Berührung kam. «Ich hatte bis 27 selber geschwungen, musste wegen zwei Kreuzbandrissen hintereinander aber die Hosen an den Nagel hängen und rutschte so in die Funktionärsrolle hinein, weil mir der Sport weiter am Herzen lag.» Oder steckte damals gar eine Portion persönlicher Frust dahinter, weil der 11-fache Kranzschwinger trotz mehrerer Anläufe nie die begehrte Auszeichnung von Ennetmoos nach Hause mitnehmen konnte? «Nein», sagt Werner Durrer und muss lachen ob der Frage. «Ich habe nie einen Groll gehegt und wenn doch, hätte ich mich längst wieder versöhnt», sagt er mit einem Augenzwinkern.

Böse Erinnerungen an das Gewitter 2011

Dass ihm eine Auszeichnung praktisch vor der Haustüre verwehrt blieb, hat auch mit dem damaligen Stellenwert des Allweg-Schwingets, das heuer zum 83. Mal stattfindet, zu tun. «Zu jener Zeit gab es noch weniger Schwingfeste. Es waren in Ennetmoos mehr Spitzenleute zugegen und die Herausforderung für Mittelschwinger wie mich, vorne mitzumischen, entsprechend grösser.» Inzwischen sucht man vergebens nach den ganz grossen Namen auf der Teilnehmerliste, auch wenn sich der Schwinget mit fünf gemeldeten Eidgenossen (Mike Müllestein, Sven Schurtenberger, Andreas Ulrich, Marcel Mathis, Benji von Ah) nicht verstecken muss. Der OK-Präsident sagt zudem: «Klar ist ein starkes Teilnehmerfeld wichtig, doch bei einem Schwingfest zählt auch immer der gemütliche Charakter. Das Publikum schätzt es, dass wir ein heimeliges Fest organisieren.»

Alles andere als «heimelig» bleibt ihm die Ausgabe 2011 in Erinnerung - der bitterste Moment in der «Allweg-Karriere» von Durrer und seinen OK-Kollegen. Das Festzelt wurde von unerwartet einsetzenden Sturmböen mit Hagel weggefegt und begrub Hunderte Besucher unter sich. Wie durch ein Wunder trug niemand schwere Verletzungen davon. Auch sieben Jahre danach spricht er von einem «einschneidenden Ereignis, auch für mich als Mensch.» Er habe noch nie eine solche Massenpanik erlebt. «Es war ein Riesenschock für alle, und doch mussten wir in diesem Augenblick funktionieren.» Bei der Aufarbeitung des Vorfalls sei auch die Frage nach der Zukunft des Schwingets aufgeworfen worden. «Wir waren uns aber einig, dass es weitergehen muss.»

2011 bracht ein heftiges Gewitter das Festzelt am Allweg-Schwinget zum Einstürzen. (Bild: Franz Niederberger)

2011 bracht ein heftiges Gewitter das Festzelt am Allweg-Schwinget zum Einstürzen. (Bild: Franz Niederberger)

Der OK-Chef hofft auf einen Heimsieg

Wie lange geht es für Werner Durrer selbst noch weiter? «Das Amt bereitet mir immer noch sehr viel Freude. Das OK harmoniert und jeder leistet wichtige Arbeit, damit alles reibungslos funktioniert.» Und doch lässt er durchschimmern: «Wenn in absehbarer Zeit ein Nachfolger bereitsteht, werde ich gerne Platz machen.» Bis es soweit ist, geniesst Durrer weitere Schwingfeste an vorderster Front.

«Diese Stimmung, wenn am Morgen die Sonne aufgeht und einem wieder bewusst wird, in was für einer prächtigen Umgebung wir unser Fest austragen, das ist schon gewaltig», sagt einer, der von Beruf Wildhüter ist. Ein «Supertag» sei auch der 75. Schwinget vor acht Jahren gewesen, erzählt Durrer, angesprochen auf sein persönliches Highlight. Damals kehrten auf Einladung ehemalige Festsieger an die Stätte ihres Triumphs zurück und sogar der kurz davor zum Schwingerkönig erkorene Kilian Wenger machte dem Fest seine Aufwartung und verteilte Autogramme.

Werner Durrer (links) zusammen mit dem ehemaligen Obwaldner Schwinger Peter Imfeld. (Bild: PD)

Werner Durrer (links) zusammen mit dem ehemaligen Obwaldner Schwinger Peter Imfeld. (Bild: PD)

Wenger wird diesen Sonntag nicht in die Hosen steigen, der Nordostschweizer und der Südwestschweizer Schwingerverband dürfen heuer die Gäste stellen. Natürlich hofft Durrer auf einen Heimsieg. «Marcel Mathis hat eine durchwachsene Saison hinter sich, vermutlich ist er besonders motiviert, seinen Sieg aus dem Vorjahr hier zu wiederholen. Und Lutz Scheuber scheint gut in Form zu sein, dies bewies er mit seinem kürzlichen Erfolg am Frutt-Schwinget.» Doch der OK-Präsident könnte auch gut damit leben, wenn ein Gast den Sieg in fremde Gefilde entführen würde. «Der Beste möge gewinnen», sagt er diplomatisch. Eine solche Aussage wäre vor 220 Jahren undenkbar gewesen – damals, als sich die Nidwaldner mit vereinten Kräften gegen die französische Überhand wehrten.

Infos: www.allweg-schwinget.ch

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