Alois Bissig kandidiert als «Wilder» für den Nidwaldner Nationalratssitz

Die CVP Ennetbürgen hat sich kürzlich gegen eine Nationalratskandidatur des früheren Regierungsrats Alois Bissig entschieden. Nun steht fest: Bissig tritt gegen SVP-Mann Peter Keller mit einem überparteilichen Komitee im Rücken an.

Romano Cuonz
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Alois Bissig tritt mit einem überparteilichen Komitee als Nidwaldner Kandidat für den Nationalrat an. (Bild: Romano Cuonz, Ennetmoos, 3. Juni 2019)

Alois Bissig tritt mit einem überparteilichen Komitee als Nidwaldner Kandidat für den Nationalrat an. (Bild: Romano Cuonz, Ennetmoos, 3. Juni 2019)

«Ich bin überzeugt, dass man der Bevölkerung bei wichtigen Wahlen immer eine echte Auslese präsentieren sollte», sagt der 62-jährige frühere Nidwaldner CVP- Regierungsrat Alois Bissig. Und bei dieser Meinung bleibt er auch, nachdem er von seiner Ennetbürger Ortspartei mit 17 zu 11 Stimmen eine Absage erhalten hat. Bissigs Kommentar dazu: «Es gab an dieser Versammlung keine für mich nachvollziehbaren Argumente gegen eine eigene Kandidatur.»

Allein die Begründung, dass es sehr schwierig würde, den Sitz des von breiten Bevölkerungskreisen getragenen SVP-Mannes Peter Keller anzugreifen, sei für ihn nicht stichhaltig genug. «Der Nidwaldner CVP müsste es doch ein Anliegen sein», so Bissig, «im Bundesparlament die kompromissbereite Mitte mit valablen Kandidaten zu stärken.» Ob es nun der CVP-Mutterpartei gefällt oder nicht: Bissig wird im Oktober als Kandidat für den Nationalrat antreten. «Dazu haben mich nach der Absage meiner Partei viele Bürgerinnen und Bürger ermutigt», hält er fest. Und so wird nun ein zehnköpfiges überparteiliches Nominationskomitee unmittelbar nach den Pfingsttagen den Wahlvorschlag bei der Nidwaldner Staatskanzlei einreichen. Ihre Unterstützung hätten ihm darin namhafte Nidwaldner – teils auch Mitglieder des Landrats – von der FDP, den Grünen und der CVP zugesichert.

Kämpft da David gegen Goliath?

Die Chance, als «Wilder» gegen Peter Keller mit einer starken Partei im Rücken zu gewinnen, ist sehr klein. Dies weiss auch Alois Bissig. Dennoch ist er – trotz der Nichtwiederwahl zum Regierungsrat vor sechs Jahren – bereit, zu einer neuen politischen Ausmarchung anzutreten. «Ich habe es mir gut überlegt und auch meine Familie steht dabei voll hinter mir», sagt Bissig. Und er glaubt, auch einige Trümpfe gegen Peter Keller ausspielen zu können. «Als Nationalrat würde ich mich in Bern der CVP-Fraktion anschliessen und mit ihr, im Interesse des Landes und unseres Kantons, nach Kompromissen ringen», sagt Bissig.

Kantonalpartei zeigt sich überrascht

Vor allem würde er sich nie einer ideologisch geprägten Parteistrategie verpflichten. Gefragt nach einer Selbsteinschätzung, sagt Bissig: «Ich politisiere pragmatisch und kompromissbereit, bin es mir als Berggänger gewohnt, mit einem Ziel vor Augen Schritt für Schritt vorwärtszugehen.» Menschen würden an den Folgen ihres Tuns und ihrer Taten gemessen und nicht an ihren guten Absichten. Eben deshalb glaubt er – als David gegen Goliath – seine Chance zu bekommen. Und wie reagiert die kantonale CVP auf den Entscheid ihres Parteimitglieds Alois Bissig, auch ohne ihren Segen anzutreten? Parteipräsidentin Therese Rotzer zeigte sich auf Anfrage überrascht und stellte dann fest: «Wenn Alois Bissig trotz Absage seitens der Ortspartei Ennetbürgen antreten will, ist das sein persönlicher Entscheid.» Weitere Kommentare gab sie nicht ab.

Für die eidgenössischen Parlamentswahlen im Oktober sieht das Vorgehen der CVP Nidwalden so aus: Ortsparteien können bis zum 30. Juni Vorschläge für Kandidaten einreichen. Darüber, ob die Partei im Oktober mit dem einen oder der andern antreten wird, hätte ein allfälliger kantonaler Parteitag im Sommer zu entscheiden. Bislang hat allerdings noch keine Ortspartei einen Vorschlag eingereicht. Alois Bissigs wilde Kandidatur aber steht – weil von der Ortspartei Ennetbürgen abgelehnt – für die CVP Nidwalden grundsätzlich nicht zur Diskussion. Und dennoch: Darüber, wie man bei einer so ungewöhnlichen Ausgangslage vorgehen will, wird der CVP- Parteivorstand wohl erneut Diskussionen führen müssen.

Völlig gelassen reagierte auf Anfrage der bisherige Amtsträger Peter Keller (SVP) auf die neue Ausgangslage. «Ich nehme diese Herausforderung zu einer echten Wahl demokratisch an», sagt er. Und meint dann: «Ich kann ja nicht gegen mich selber antreten, nur um eine Wahl zu ermöglichen.»

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