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Altes Handwerk erhält 87-Jährigen Nidwaldner jung

Der Wolfenschiesser Sepp Christen macht etwas, was in der heutigen Wegwerfgesellschaft fast keinen Platz mehr hat: Der 87-Jährige frischt alte Sofas auf – so wie er es vor 70 Jahren gelernt hat.
Beat Christen
Sepp Christen ist auch im hohen Alter praktisch täglich zwei bis drei Stunden in seiner Werkstatt anzutreffen. (Bild: Manuela Jans-Koch (Wolfenschiessen, 19. Juli 2018))

Sepp Christen ist auch im hohen Alter praktisch täglich zwei bis drei Stunden in seiner Werkstatt anzutreffen. (Bild: Manuela Jans-Koch (Wolfenschiessen, 19. Juli 2018))

Die Schläge mit dem kleinen Hammer auf den Kopf des Antikpolsternagels erfolgen präzise. Im Abstand von zwei Zentimetern wird der nächste gesetzt, mit dem Sepp Christen die Abschlussbordüre befestigt, die beim über 100-jährigen Sofa den Übergang vom Stoffüberzug zum Holzgestell bildet. Die 87 Jahre gibt man dem rüstigen Mann nicht. «Die tägliche Arbeit in meiner Werkstatt erhält mich jung.» Sagt’s und setzt ein Schmunzeln auf.

Obwohl der Wolfenschiesser bereits seit mehr als 20 Jahren den Ruhestand geniessen könnte, trifft man ihn unter der Woche täglich zwischen zwei und drei Stunden in der Werkstatt an. «Ich nehme nur noch Arbeiten an, die mir Freude bereiten und bei denen kein Termindruck besteht.» Das alte Sofa ist so ein Auftrag. Das Erbstück einer Wolfenschiesser Familie stand schon vor 27 Jahren für eine Auffrischung in seiner Werkstatt. Jetzt hatte eine defekte Stahlfeder im Sitzbereich den Stoff durchlöchert. Ein klarer Fall für Sepp Christen.

Der Berufsstolz schwingt mit

Den alten Stoff wegtrennen, das Sofa wieder so aufpolstern, wie er es vor 70 Jahren im Lehrbetrieb in Vitznau noch gelernt hatte, und dann mit einem stilgerechten Stoff wieder überziehen. «Hier kann ich das alte, traditionelle Handwerk wieder anwenden», freut sich der Sattler-Tapezierer, und man merkt ihm dabei den Berufsstolz an.

Dass er heute einer der wenigen in der Region ist, die dieses Handwerk noch beherrschen, nimmt er mit Bedauern zur Kenntnis. «Das ist wohl eine Erscheinung unserer heutigen Wegwerfgesellschaft», glaubt er. «Aber es ist doch schön, dass es noch Menschen gibt, welche Freude an solch alten Möbelstücken wie diesem Sofa haben», fügt er an.

Kinder drückten sich am Schaufenster die Nase platt

Sepp Christen kehrte nach Lehr- und Wanderjahren bei verschiedenen Meistern 1957 nach Wolfenschiessen zurück und übernahm den elterlichen Betrieb. Direkt beim Bahnhof konnte er die Werkstatt im damals soeben fertig erstellten neuen Wohn- und Geschäftshaus nach seinen Vorstellungen einrichten. Älteren Wolfenschiessern ist das Bild noch präsent, wie er an schönen Tagen auf dem Platz vor seinem Haus Matratzen herstellte oder auffrischte. «Die Arbeit im Freien hat mir immer grosse Freude bereitet. Und ganz abgesehen davon, verzog sich der bei der Reinigung von Matratzen entstehende Staub besser als in einem geschlossenen Raum», ist Sepp Christen nicht um Anekdoten verlegen.

Der Nidwaldner hatte neben seinem Beruf noch eine zweite Leidenschaft. Generationen von Wolfenschiessern haben damals bei ihm Ski gekauft. Die Jugendlichen drückten sich ab November am Schaufenster bei der Betrachtung der Skineuheiten die Nasen platt und träumten wohl davon, auch einmal eines dieser Modelle fahren zu dürfen. Als Trost blieben ihnen Kleber verschiedener Skimarken, die Sepp Christen jeweils bereitwillig an die Kinder verteilte. Skibindungen montieren und Ski präparieren – diese Fertigkeiten hatte er sich in Engelberg beim damals legendären Sporthändler Josef Beerli, seines Zeichens Olympiasieger im Viererbob 1936 in Garmisch-Partenkirchen, angeeignet.

Sepp Christen ist, auch wenn dies der bescheidende Senior nie über sich selber sagen würde, eine Persönlichkeit, die man nicht zuletzt wegen seiner Handwerkskunst bis heute schätzt. So auch der Besitzer des von ihm eben fertig restaurierten Sofas.

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