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Angebote fürs Alter sind in Nidwalden zu wenig vernetzt

Fürs Altersleitbild hat der Kanton mit Gemeinden und Organisationen einen Entwurf erarbeitet. Nun lädt Regierungsrätin Michèle Blöchliger die Nidwaldner zu einer Zukunftswerkstatt ein.
Marion Wannemacher
Michéle Blöchliger in ihrem Büro. Für ihr Leben im Alter kann sie sich einen Rollatoren-Club vorstellen. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 9.10.2018))

Michéle Blöchliger in ihrem Büro. Für ihr Leben im Alter kann sie sich einen Rollatoren-Club vorstellen. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 9.10.2018))

«Wir möchten die Bevölkerung in Nidwalden auffordern, mitzudenken und mitzubestimmen: Wo wollen wir hin? Wir wollen ja nicht etwas planen, das die Bevölkerung nicht möchte oder braucht», sagt Gesundheits- und Sozialdirektorin Michèle Blöchliger, die zur Zukunftswerkstatt vom Samstag, 9. Februar, einlädt. Diese steht unter dem Titel: «So will ich im Kanton Nidwalden alt werden.» Ihr sei deshalb wichtig, dass sehr viele kommen, um die Leitsätze zu diskutieren. Eine Steuer- und eine Projektgruppe haben diese mit Unterstützung der Baudirektion erarbeitet. Darin geht es um die Bedürfnisse der über 65-Jährigen in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Gesundheitsförderung, Wohnraum, Lebensgestaltung sowie Mobilität im öffentlichen Raum und Freiwilligenarbeit.

«Koordination als erste Anlaufstelle fehlt»

«Wir haben sehr gute Angebote im Kanton wie Pro Senectute, das Demenzkonzept, das Palliativkonzept, eine sehr gut funktionierende Spitex, sehr gute Arbeit in Kantonsspital und Alters- und Pflegeheimen», konstatiert die Regierungsrätin den Ist-Zustand in Nidwalden. «Was einfach fehlt, ist eine Koordination des Ganzen», bemängelt die Regierungsrätin. Meistens eile es ja, wenn jemand beispielsweise ein Notfallbett brauche.

«An welche Anlaufstelle muss ich mich wenden?» sei dann oft die Frage. «Es braucht eine Koordinationsstelle, eventuell online oder telefonisch, eine Art ‹One-Stop-Shop›», findet Michèle Blöchliger. Damit meint sie eine Anlaufstelle, die über alle Hilfsleistungen, Service- und Pflegedienste und Unterbringungen sowie Finanzierungen Bescheid wisse und darüber informieren könne.

Die Warnung der Experten aus dem Gesundheits- und Pflegebereich wegen der demografischen Entwicklung klingt jeweils wie ein Damoklesschwert. Derzeit leben im Kanton Nidwalden 8500 über 65-Jährige, bis ins Jahr 2035 werden es 13 700 sein. Im vergangenen Jahr beschloss der Kanton die Erstellung eines aktuellen Altersleitbildes. Das letzte aus dem Jahr 1992 wurde 1997 und 2007 überarbeitet.

Betten sind zu 98 Prozent ausgelastet

Für das Leitbild liess die Gesundheits- und Sozialdirektion eine Bestandsaufnahme zur Pflegebettenplanung erstellen. Aktuell gibt es im Kanton 471 Pflegebetten mit einem sehr hohen Auslastungsgrad von 98 Prozent. Bis 2035 wird von einem Bedarf von rund 600 Pflegebetten ausgegangen. Das sei aber nur eine Prognose, betont Regierungsrätin Blöchliger. Schwerpunkte der Abklärungen waren vor allem das Thema Wohnen mit Dienstleistungen sowie die Flexibilität für verschiedene Dienstleistungen.

Genügend Lehrstellen gegen den Fachkräftemangel

Anlass zur Sorge geben vor allem der drohende Fachkräftemangel und Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Zentrumsnähe. «Wir müssen Wert darauf legen, genügend Lehrstellen im Pflegebereich zur Verfügung zu stellen und Wiedereinsteigerinnen fördern.» Nur hätten diese auch ihre eigenen Kinder zu versorgen. «Vielleicht könnte man für sie einen Mittagstisch in Alters- und Pflegeheimen einrichten», schlägt sie vor. So kehre gleichzeitig Leben ein in die Heime. Zum Thema Wohnraum sagt Blöchliger: «Der eingeschränkte Talboden ist eine Herausforderung.» Es brauche Investoren, die sich mit weniger Rendite als 6 oder 7 Prozent zufrieden gäben.

Wichtig ist der Regierungsrätin ein Umdenken in der Wahrnehmung des Alters: «Alt werden hat immer noch einen negativen ‹Groove›. Dabei sollten wir den Blick auf das Positive richten, das man durchs Älterwerden ausstrahlen darf.» Blöchliger schwärmt von Erzählcafés, in denen ältere Menschen aus ihrem Leben erzählen. «Sie haben so viel mitzugeben.» Eindruck mache ihr eine 87-Jährige, die sie im Fitnessstudio treffe. Und wie stellt sich die Regierungsrätin ihr Altwerden vor? «Ich möchte lange selbstständig leben in einer hindernisfreien Wohnung oder in einem Mehrgenerationenhaus, zentrumsnah mit verschiedenen Dienstleistungen, wo ich essen oder in ein Café gehen und Leute treffen kann. Ich könnte einen Rollatoren-Club gründen und per App auf dem iPhone den Wäschedienst bestellen oder das Essen, wenn ich mal nicht ausgehen möchte.»

«So will ich im Kanton Nidwalden alt werden», Samstag, 9. Februar, Turmatthalle Stans, 9 bis 11.30 Uhr. Anmeldung bis 30. Januar 041 610 76 09 bei Pro Senectute, Mehr Infos hier

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