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ARMEE: Nidwalden bleibt seine Heimat

Neuer Chef der Logistikbasis der Armee ist der Nidwaldner Thomas Kaiser. Der Bundesrat hat ihn mit der Führung beauftragt und zum Divisionär befördert.
Der Nidwaldner Thomas Kaiser ist Divisionär und neuer Chef der Logistikbasis der Armee. (Das Bild zeigt ihn als Brigadier beim Kavallerie-Denkmal auf der Lueg im Emmental.) (Bild: PD)

Der Nidwaldner Thomas Kaiser ist Divisionär und neuer Chef der Logistikbasis der Armee. (Das Bild zeigt ihn als Brigadier beim Kavallerie-Denkmal auf der Lueg im Emmental.) (Bild: PD)

Robert Hess

Den «alten» Soldaten vertraute Begriffe wie Zeughäuser oder Armeemotorfahrzeugparks werden im aktuellen Vokabular der Schweizer Armee nicht mehr aufgeführt. Seit dem 1. Januar 2004 erbringt nämlich die Logistikbasis der Armee (LBA) sämtliche Logistik- und Sanitätsleistungen für die Truppe. «Fünf Armeelogistikcenter, die wie ein modernes ziviles Logistikunternehmen organisiert und mit viel Hightech ausgestattet sind, haben unter anderem die früheren Aufgaben der Zeughäuser und Armeemotorfahrzeugparks übernommen», berichtet der 52-jährige Divisionär Thomas Kaiser. Der gebürtige Hergiswiler ist seit dem 1. Juli oberster Chef der Logistikbasis der Armee mit 3400 Mitarbeitenden, darunter 330 Lehrlinge in 25 verschiedenen Berufen. Unterstützt werden sie von rund 16 000 Milizkader und -soldaten aus der Logistikbrigade 1, welche Kaiser vor seiner Beförderung geführt hatte (siehe Kasten).

Was bedeutet Logistikbasis?

«In der Logistikbasis der Armee wird schweizweit repariert, transportiert, Material nachgeschoben, zurückgenommen und gelagert», erklärt Divisionär Kaiser. «Weiter werden Schiessplätze betrieben sowie armeeeigene Strassen und oberirdische wie unterirdische Infrastrukturen unterhalten. Auf den Waffenplätzen», so Kaiser weiter, «sorgen wir dafür, dass unsere Soldaten jederzeit und auf hohem Standard medizinisch versorgt werden. Schliesslich gehört auch die Armeeapotheke zur LBA. Sie versorgt die Armee und nötigenfalls auch die Bevölkerung mit Medikamenten, falls die ordentliche Versorgung ins Stocken gerät.»

Auch vier Spitalbataillone

In der Logistikbasis der Armee sind auch vier Spitalbataillone «zu Hause». So leistete kürzlich das Spitalbataillon 66 seinen WK in der geschützten Operationsstelle beim Kantonsspital in Stans (wir berichteten). «Jedes Spitalbataillon hält sich bereit, Zivilspitäler zu unterstützen oder irgendwo, nötigenfalls in Hallen oder Zelten, bis zu 200 Patienten zu pflegen», sagt Divisionär Kaiser. «Wir könnten den Kantonen im Notfall also innert 48 Stunden 800 zusätzliche Pflegebetten zur Verfügung stellen.» Klar ist für ihn, dass sich die Bevölkerung in einer Notlage «zu 100 Prozent auf die Armee und ihre Logistikbasis verlassen können muss und auch darf».

Armee muss sich weiterentwickeln

Thomas Kaiser hatte sich bereits in jungen Jahren für eine Laufbahn als Berufsoffizier entschieden. Trotzdem steht er voll hinter der Milizarmee in der Schweiz: «Wir rekrutieren die Kader und Soldaten aus unserer Bevölkerung und können von ihrem ausgezeichneten Bildungsniveau profitieren. Daraus ergeben sich für das Militär einzigartige Synergien», erklärt Kaiser. «Unsere ­Armee kämpft, schützt und hilft gemäss unserer Doktrin primär im Inland. Unsere Bürgersoldaten kennen also ihren Einsatzraum und das zivile Umfeld bestens. All diese Faktoren, verbunden mit einer sehr guten militärischen Ausbildung, geben unserer Milizarmee eine unglaubliche Kraft», ist Divisionär Kaiser überzeugt. Den Vergleich mit ausländischen Armeen brauche unsere Milizarmee nicht zu fürchten, sagt Kaiser aufgrund eigener Beobachtungen und Erfahrungen im Ausland.

«Wir brauchen die 5 Milliarden»

«Trotz Topkader und -soldaten bestehen Mängel, die mit der sogenannten Weiterentwicklung der Armee (WEA) behoben werden sollen», blickt Divisionär Kaiser in die Zukunft. «Wir sollten beispielsweise die Mobilmachung wieder trainieren, um notfalls sehr rasch bereit zu sein.» Zudem könne die Armee heute «bei weitem nicht alle Verbände vollständig ausrüsten, und das Material ist teilweise veraltet», berichtet Kaiser. «Die Armee muss deshalb dringend die nötigen finanziellen Mittel erhalten, das heisst mindestens 5 Milliarden Franken pro Jahr, um aus dieser Mangelwirtschaft herauszukommen», spricht der neue Chef Logistikbasis der Armee Klartext.

Nidwalden bleibt die Heimat

War die militärische Laufbahn nie ein Grund, den Wohnsitz in Nidwalden aufzugeben? – «Nein, nie, und bei diesem Nein wird es bestimmt bleiben», antwortet Divisionär Kaiser bestimmt und fährt fort: «Ich bin ein Ur-Nidwaldner mit Wurzeln in Ennetmoos. Mein Ururgrossvater flüchtete als zweijähriges Kind an der Hand seiner Mutter vor den Truppen Napoleons Richtung Mueterschwandenberg.» Sein Arbeitsplatz in Bern führt dazu, dass Thomas Kaiser sich nicht oft in Nidwalden aufhält. «Emotional ist der Kanton Nidwalden aber immer meine Heimat geblieben.»

Rückzug auf den Bauernhof

Reisen, Lesen, Natur und ein Bauernhof in den Vogesen (F) sind die Hobbys von Thomas Kaiser. Verlangt die hohe berufliche Beanspruchung nicht Abstriche bei der Freizeitgestaltung? «Die Zeit ist tatsächlich eine echte Herausforderung», antwortet er. «Aber die Zeit auf dem Bauernhof nehme ich mir einfach. Ich brauche diese Umgebung in der Natur, um abzuschalten, aufzutanken und am Montagmorgen die Arbeitswoche wieder voll Freude und Energie anzugehen.» – «Aber», so fährt Kaiser fort, «die Anzahl der Bücher, die ich irgendwann gerne lesen möchte, nimmt zu. Priorität werden sicher noch während einiger Jahre Aktenberge haben, die aber mehrheitlich ebenfalls hochinteressant sind.»

Kameradschaft – ein Lernprozess

«Ich habe meinen Beruf gewählt, weil ich das Soldatenleben und die Kameradschaft im Militär schätze», wird Thomas Kaiser in einer Publikation zitiert. Gibt es heute in der Armee noch Kameradschaft, oder müssen die Rekruten diese erst lernen? «Kameradschaft ist tatsächlich ein Lernprozess, den viele Rekruten erst in der Armee nachhaltig zu leben beginnen», sagt Kaiser. Das Militär sei eine Schicksalsgemeinschaft: «Herkunft, Hautfarbe, Religion, politische Gesinnung und so weiter sind völlig unerheblich. Die Armee ist die wohl sozialste Institution des Landes mit einer unglaublichen Integrationsleistung», ist Thomas Kaiser überzeugt. Denn extreme Herausforderungen im Militär könnten nur gemeinsam gemeistert werden. «Erlebnisse, sowohl Erfolge als auch Niederlagen, schweissen die Leute zusammen. Und es bilden sich daraus Freundschaften, die oft das ganze Leben lang halten», sagt Divisionär Kaiser. «Wenn ältere Kameraden abendelang vom Militärdienst erzählen, dann tun sie dies, weil die erfahrene Kameradschaft unvergessliche Spuren der Dankbarkeit hinterlassen hat.»

Er ist seit 1987 Berufsoffizier

rh. Thomas Kaiser, Bürger von Ennetmoos, ist 1963 geboren und in Hergiswil aufgewachsen. Am Lehrerseminar in Luzern liess er sich zum Primarlehrer ausbilden. Er übte diesen Beruf, abgesehen von Praktikumseinsätzen, aber nie aus, sondern trat nach zwei Jahren Militärdienst in das Instruktionskorps der Infanterie ein. 1990 bis 1992 führte er als Hauptmann die Nidwaldner Gebirgsschützen Stabskompanie 12 und in den folgenden beiden Jahren die Geb Schützenkompanie I/12.

Aufenthalte im Ausland

1995 war Kaiser ein Jahr UNO-Militärbeobachter in Bosnien. Ab Mitte 1996 war er unter anderem Klassenlehrer und Kurskommandant am Infanterieausbildungs­zentrum in Walenstadt, ab 1999 Teilprojektleiter im Projekt Heer der Armeereform XXI. 2001 führte er das Schweizer Kontingent der Swiss­coy im Rahmen des Kfor-­Einsatzes im Kosovo. Nach Studienaufenthalten im Ausland war Kaiser Gruppenchef im Kommando der Generalstabsschulen, zugeteilter Stabsoffizier des damaligen Generalstabschefs der Armee und ab 2007 Chef Ausbildung im Führungsstab der Armee. 2011 ernannte ihn der Bundesrat zum Kommandanten der Logistikbrigade 1. Dieses Kommando hat er im August an Brigadier Thomas Süssli übergeben.

Seit 1993 wohnt Thomas Kaiser in Fürigen/Stansstad.

Der letzte Nidwaldner Divisionär war Hugo Christen. Er leitete bis Ende 2003 die Territorial Division 9.

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