ATOM-ENDLAGER: Wellenberg: Freut sich die Regierung zu früh?

Nidwalden und Obwalden schliessen aus einer neuen Studie, dass der Wellenberg von der Liste möglicher Atomendlager-Orte gestrichen werden muss. Da ist auch Interpretation im Spiel.

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Die Beurteilungsmatrix mit den 6 Standorten, 13 Faktoren und 3 Meinungen: Der Standort Wellenberg weist am meisten hellgrüne und gelbe Felder auf. (Tabelle BFE, siehe für Details die unten stehenden Links)

Die Beurteilungsmatrix mit den 6 Standorten, 13 Faktoren und 3 Meinungen: Der Standort Wellenberg weist am meisten hellgrüne und gelbe Felder auf. (Tabelle BFE, siehe für Details die unten stehenden Links)

Die Ergebnisse der sicherheitstechnischen Überprüfung der sechs möglichen Standorte für ein geologisches Tiefenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle durch das Eidgenössische Nuklearsicher­heitsinspektorat (Ensi) bestärken die beiden Regierungungen «in ihrer Überzeugung, dass der Wellenberg aus der Standortsuche entfallen muss», wie es in einer Medienmitteilung heisst – aus den bekannten Vorbehalten demokratischer Art und auch aufgrund des erwarteten negativen Einflusses auf die Tourismusregion Engelberg. Das Ausscheiden aus dem Verfahren soll spätestens Mitte 2011 am Ende von Etappe 1 per Bundesratsentscheid erfolgen, wenn es nach den beiden Regierungen geht.

«Weniger» oder «deutlich weniger»?
Die Frage stellt sich, ob diese Forderung nicht verfrüht ist. Im Gutachten wird zwar grundsätzlich festgehalten, dass Gebiete mit ruhigen Lagerungsverhältnissen (Tafeljura mit den Standortgebieten Südranden und Zürcher Weinland) gegenüber Gebieten erhöhter (Jura-Südfuss) oder starker (Wellenberg) Tektonisierung insgesamt als «geeigneter» beurteilt werden. Dies findet auch in einer Beurteilungsmatrix mit 13 sicherheitstechnischen Kriterien seinen Niederschlag, in welcher der Standort Wellenberg im Vergleich am meisten «bedingt günstig» (gelb) und «günstig»-Prädikate (hellgrün) erhält.

Die ebenfalls beigezogene Kommission für nukleare Sicherheit (KNS) geht noch einen Schritt weiter und spricht davon, dass der Wellenberg «deutlich weniger geeignet» sei als die anderen Standorte. Auf diesen Passus – der jedoch weder in das 200-seitige Gutachten noch in die Medienmitteilung gefunden hat – berufen sich denn auch die Nidwaldner und Obwaldner Regierungen.

Keine Eignung als «Rangliste»
Laut dem Ensi eignet sich die Tabelle generell «nur beschränkt» für einen Vergleich zwischen den Standortgebieten. «Das Ableiten einer Rangliste unter den Standortgebieten auf der Basis der Tabellen ist wegen der Verschiedenheit der 13 Kriterien und wegen unterschiedlichem Kenntnisstand nicht sinnvoll», heisst es im Gutachten.

Wie geht es nun weiter? Das Gutachten des Ensi wird der KNS zur Stellungnahme vorgelegt. Die Stellungnahme der KNS, die das Uvek und den Bundesrat in grundsätzlichen Fragen der nuklearen Sicherheit berät, wird in rund zwei Monaten erwartet. Sobald die KNS-Stellungnahme und damit alle behördlichen Gutachten vorliegen, erstellt das BFE einen Ergebnisbericht. Dieser wird in eine dreimonatige Anhörung bei Kantonen, Nachbarstaaten, Parteien und Organisationen geschickt und dem Bundesrat voraussichtlich Mitte 2011 vorgelegt. Der Bundesrat entscheidet dann, welche Standortgebiete im Sachplan festgelegt werden und damit im weiteren Auswahlverfahren in Etappe 2 verbleiben. Bis die Nagra schliesslich die Rahmenbewilligungsgesuche für die Lager einreichen kann, wird es voraussichtlich 2019.

scd