Sie sind eng überwacht: Auch die Zentralbahn-Gleise schwitzen

Die Verantwortlichen sind an Hitzetagen besonders wachsam. Trotzdem sind Störungen nicht auszuschliessen.

Matthias Piazza
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Was die SBB planen, hat die Zentralbahn hier im Wilrank auch: hell angemalte Schienen.Bild: Dominik Wunderli (Oberdorf, 24. Juli 2019)

Was die SBB planen, hat die Zentralbahn hier im Wilrank auch: hell angemalte Schienen.Bild: Dominik Wunderli (Oberdorf, 24. Juli 2019)

Die Hitzewelle Ende Juni bleibt wohl einigen Zentralbahn-Pendlern nicht nur wegen der hohen Temperaturen von über 30 Grad im Gedächtnis. Gleich an zwei Tagen in derselben Woche gab es Verspätungen auf dem Netz der Zentralbahn (ZB). Teilweise fielen auch Züge aus. «An etwa fünf Stellen wurden die Schienen zeitweise bis 70 Grad heiss. Sie dehnten sich aus, es kam zu sogenannten Gleisverdrückungen», erklärt Anfrage ZB-Geschäftsführer Michael Schürch. In Kurven entstehen Querkräfte und das Gleis dehnt sich nach aussen aus.

«Die Züge konnten die Stelle nur langsam befahren, was Verspätungen zur Folge hatte. Weil wegen der Bauarbeiten beim Bahnhof Horw nur ein Gleis befahrbar war, mussten wir auch ein paar Züge ausfallen lassen.» Die betroffenen Gleise mussten an den entsprechenden Stellen aufgetrennt und verlascht werden. Neu verschweisst werden die Gleise erst wieder nach der Hitzeperiode.

Laserzug hilft bei 
der Überwachung mit

Falls beim einen oder anderen langjährigen Pendler der Eindruck entstanden ist, dass sich solche Vorkommnisse häuften, liegt er damit laut Michael Schürch richtig. «Seit vielen Jahren werden die Schienen nahtlos verschweisst, damit es nicht mehr holpert, wenn der Zug über die Stelle fährt.» Der höhere Fahrkomfort habe aber den Preis, dass sich die Schienen, sollte es mehrere Tage hintereinander über 35 Grad heiss sein, ausdehnen.

Da es keinen Spielraum mehr gibt, kommt es eben zu Verdrückungen. Auch wenn die ZB das Wetter nicht beeinflussen kann, schaut sie nicht einfach tatenlos zu. Streckenwärter behalten die Gleise im Auge, um bei allfälligen Verdrückungen Alarm zu schlagen. Auch die Fink-Komposition, die mit sechs Lasern auf der Wagenunterseite ausgerüstet ist, hilft bei der Überwachung des Gleiszustandes mit. Die Laser vermessen alle 25 Zentimeter die Schienen millimetergenau und prüfen damit, ob sie noch in ihrer Position sind.

Zeichnet sich eine solche Verdrückung ab, versuchen Bahnarbeiter diese mit Kühlen durch Wasser abzuwenden. Da es an heissen Tagen jederzeit und überall auf dem knapp 100 Kilometer langen Streckennetz zu Verdrückungen kommen könne, seien Beeinträchtigungen des Bahnbetriebes jedoch nie ausgeschlossen, hält Michael Schürch fest.

Die SBB, die ebenfalls mit hitzebedingten Problemen an ihren Gleisen kämpfen, streichen nun versuchshalber die Schienen auf einem Gleis in der Stadt Solothurn seitlich weiss an (siehe Ausgabe vom Dienstag). Studien zufolge bleiben sie mit dem hellen Anstrich um bis zu sieben Grad kühler.

Erfolgreicher Versuch
der Rhätischen Bahn

Zuvor hatte unter anderem schon die Rhätische Bahn einzelne Schienenabschnitte mit weisser Farbe lackiert – der Versuch war erfolgreich und soll nun ausgedehnt werden. Auch bei der ZB läuft seit diesen Frühsommer im Gebiet Wilrank bei Oberdorf ein solcher Versuch. Zudem wolle die ZB auch beobachten, welche Erfahrungen die SBB mit dem Anstreichen der Schienen machten, so Schürch.

Dem Klimawandel mit wohl künftig immer mehr über 35 Grad heissen Tagen am Stück will die ZB auch sonst längerfristig Rechnung tragen. Wie die SBB will die ZB eine Erhöhung der Neutralisierungstemperatur der Schienen um ein bis zwei Grad auf etwa 28 Grad prüfen. Darunter versteht man jene Temperatur, auf die eine Schiene erhitzt wird, bevor sie im Gleisbett verschweisst wird.

Damit sollen die Schienen sozusagen mit höheren Temperaturen umgehen können. Allerdings könnten sich die Schienen dann an einem sehr kalten Wintertag zusammenziehen und brechen, gibt Michael Schürch zu bedenken.