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Kolumne

Auf eine Runde Fussball!

Kolumnist Christian Hug schreibt in seiner «Glosse» über sein neu entdecktes «Hobby»: Tschuttifan
Christian Hug
Christian Hug.

Christian Hug.

Also ich bin ja nicht so der Fussballfreund. Bisher dachte ich immer, Rakitic sei ein französisches Gemüsegericht und Trippier eine Geschlechtskrankheit. Aber seit die besten Fussballteams der Welt in Russland ihre Kräfte messen, bin ich voll der Tschuttifan. Natürlich auch wegen der Matches. Haben Sie Argentinien gegen Kroatien gesehen? Lagomio, war das ein Gebolze! Oder Japan gegen Belgien? Wo die Japaner ihre Feinde überrennen und am Ende trotzdem verloren haben? Und wie der Neymar immer am Boden liegt! 14 Minuten in 4 Spielen! Und das für 222 Millionen! Und dann dieser Ronaldo: Schwänzelt immer nur vor dem gegnerischen Tor rum und wartet selbstgefällig, bis er bedient wird!

Was mir aber noch mehr gefällt als die Raserei auf dem Rasen, ist Public Viewing. Ich geh immer in die Jlge in Stans, wo ich mich seit drei Wochen von Uelis feinen Chiliwürsten ernähre. Dann begrüsse ich die Leute: «Sali zäme, ich bin der Hug und ich mag Fussball.» Und alle antworten: «Sali Hug.» Es ist ein bisschen wie bei den Anonymen Alkoholikern, hier kann man offen über Fussballsucht reden.

Und wie geredet wird! Über schöne Schwalben und doofe Doppeladler und lahme Enten, übers Rumgockeln und Rausfliegen. Manchmal hört sich das an wie ein Kongress der Ornithologen: Jeder beobachtet die Spieler, und alle haben eine Meinung dazu. So wünschte ich mir eigentlich die Demokratie in unserem Land. Aber immerhin: Beim Fussball klappt das problemlos.

Genau das ist es, was mir am Public Viewing so gefällt: Es gibt keine Distanz unter den Zuschauern. Man ist ohne Vorspiel direkt mitten in den wildesten Diskussionen mit Leuten, die man noch nie zuvor gesehen hat. Man spendiert sich gegenseitig Bier, und niemand reklamiert, weil der alte Schwede am Nebentisch eine dicke Zigarre pafft. Einmal habe ich ein T-Shirt der spanischen Nationalmannschaft mit einem dänischen verwechselt, da habe ich mich peinlicherweise als totale Fussballnulpe blossgestellt, aber das war für den T-Shirt-Träger völlig in Ordnung. Er hat mir dann die Vorzüge der senegalesischen Mannschaft erklärt. Und die Sache wegen Salif Sané und Schalke 04.

Am Wochenende sind zum Abschluss kleines Final und Endspiel. Da freue ich mich drauf. Ich hätte mir ja Frankreich gegen England gewünscht. Oder Deutschland gegen Russland im Stadion von Stalingrad. Weil diese Länder früher mit Kanonen aufeinander losgegangen sind, und jetzt spielen sie Fussball gegeneinander. Wer sagt denn, dass Fussball nicht friedensfördernd sei ...

Und am Montag beginnt dann der ganze WM-Zyklus wieder von vorne. Weil, nach dem Spiel ist bekanntlich vor dem Spiel. Das weiss sogar ich. Spätestens ab der nächsten WM bin ich dann wieder voll dabei.

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